ad personam

von arminnolzen

„pěrsōnă, ae f […] 1. Larve, Maske, bsd. des Schauspielers […], 2. meton. (in e-m Bühnenstück) Rolle, Charakter, Person […], 3. Rolle, die jd. im Leben spielt, Charakter […], 4. Persönlichkeit, Individualität, Mensch nach Rang u. Stand od. Stellung im Leben […], 5. […] persona grata in Gunst stehende Person, bsd. Diplomat, gegen dessen Aufenthalt in einem fremden Staat v. dessen Regierung kein Einspruch erhoben wird […].“

 

Das schreibende Subjekt (im Folgenden „ich“ genannt) ist 1968 geboren, von Beruf Historiker und Redakteur einer Fachzeitschrift (www.beitraege-ns.de). Mein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte des Nationalsozialismus (Texte und Tagungsteilnahmen); weitere Interessengebiete sind soziologische Theorie, Philosophie, Theologie und Literatur. Meine bevorzugte Lektüre umfasst Fachbücher und Werke französischer, amerikanischer, spanischsprachiger, österreichischer und deutscher Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ich lese nur noch Texte, auf die ich eine intellektuelle Lust verspüre. Diese Lust ist mehr als bloßes Interesse; ein Text muss mich gefangen nehmen, mit Haut und Haaren, ich muss mich in ihm verlieren können wie in einem Labyrinth, ich muss bei der Lektüre auf Widerstand stoßen wie der Hammer beim Amboss, ich muss mich sperren wie ein bockiges Kind, das sich weigert, sein Zimmer aufzuräumen. Literarische Werke lese ich in der Regel mehrmals, und zwar in teils mehrjährigen Abständen. Manches ist mir dadurch umso kostbarer geworden, von manchem habe ich mich aber auch sichtlich entfremdet.

 

Dieser Blog ist gegen alle Historiker gerichtet, die

 

► Clio zu einer Hure der public history machen

► immer neue turns verkünden, sie aber nicht vollziehen

► sich in den Quellen verlieren und nur nacherzählen

► Theorieverwendung ablehnen und auch keine Begriffe bilden

► (vorver)urteilen, ohne analysiert zu haben

ihren Standort verheimlichen, sich aber „objektiv“ dünken

► blättern oder scrollen, anstatt zu lesen

nicht mehr rezensieren, sondern nur noch anpreisen

► nach Deutungsmacht streben und ihre Thesen nie revidieren

► persönliche Netzwerke bilden, anstatt zu schreiben

 

Die Texte dieses geschichtswissenschaftlichen Blogs sind Produkte eines doppelten Überschusses: Produkte eines Überschusses an Ideen, die aus der Lektüre einschlägiger wissenschaftlicher, literarischer und tagesaktueller Schriften und aus anderweitigen Impulsen resultieren, Produkte eines Überschusses eines Schreibens, das in den einschlägigen Fachorganen und Printmedien, etwa den Feuilletons der Tageszeitungen oder Wochenmagazine, kaum mehr Platz findet. Diese Produkte lassen sich nicht in jenes gängige fachwissenschaftliche Korsett von 40.000 Zeichen nebst peer review (der anonymisierten institutionalisierten Mäkelei) pressen, sondern sind beliebig fortsetzbar, sie argumentieren nicht, sondern konstatieren, sie sind alles andere als kohärent, sondern ambivalent bis zur Widersprüchlichkeit, sie behaupten keinen objektiven Diskurs, sondern bekennen sich zur Subjektivität, sie sind nicht abwägend, sondern einseitig, sie fühlen sich keiner historiografischen Schule zugehörig, sondern sind ungebunden, sie sind von niemandem gegengelesen, sondern nur vom schreibenden Ich zu verantworten, sie wollen auch keiner starren Form folgen, sondern sich nicht klassifizieren lassen.

 

Eine Kommentarfunktion ist in diesem Blog zwar vorgesehen. Ich bevorzuge aber persönliche Gespräche über das Geschriebene. Wie diese anzubahnen sind, überlasse ich der Kreativität derer, die sich davon positiv oder negativ angesprochen fühlen.