Bruchstücke der Kritik, fünfte summula

von arminnolzen

Am Dienstag, dem 22. April 2014, wurden die Leser der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) auf Seite 6 davon in Kenntnis gesetzt, dass Ulrich Herbert, Freiburger Ordinarius für die Geschichte des 20. Jahrhunderts, ein neues Buch mit dem Titel „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ verfasst hat. Dies geschah im Rahmen eines ganzseitigen Interviews, das Franziska Augstein mit Herbert führte und den Titel „Die überforderte Nation“ trug (die Ankündigung auf der Titelseite war in grün gehalten, seit dem 19. Jahrhundert Schriftfarbe der leitenden Beamten der preußischen Bürokratie). Die Fragestellerin begann das „Gespräch“ in bester Tradition kritischen Journalismus‘ wie folgt: „SZ: Es gibt artige und unartige Geschichten über Deutschland. Ulrich Herberts Geschichte ist einzigartig. Kompliment […]“. Ansonsten hielt sich Augstein aber mit Lob (oder Tadel) zurück; auffällig waren einzig und allein die inflationäre Verwendung des Adjektivs „deutsch“ und der Substantive „Die Deutschen“, „Deutschland“, übrigens auch in Herberts Antworten (dies steht in gewissem Gegensatz zu dem Insistieren dieses Autors auf Internationalisierung und Transnationalisierung der Forschung; Plädoyers, die er bei allen öffentlichen Auftritten der letzten Jahre, die ich mit und von ihm gesehen und gehört habe, vehement vorgebracht hatte).

Wie dem auch sei: der Appetizer in der SZ elektrisierte mich sogleich, und ich wollte mehr über das Buch wissen, das 1.500 Seiten lang sein sollte. Eine kurze Recherche auf der Homepage des Verlages C.H. Beck, wo es angekündigt war, ergab, dass die Publikation am 8. Mai 2014, also knapp zwei Wochen später erfolgen würde, und damit an einem Datum, das dem schreibenden Ich bekannt vorkam (vielleicht hatte es mit dem Thema des Buches zu tun). Zudem wurden auf der Homepage elf Veranstaltungen aufgelistet, bei denen Herbert sein Buch der Öffentlichkeit präsentieren wollte, davon immerhin neun in den ersten sechs Wochen nach Erscheinen, die meisten im universitären Kontext und mit den wichtigsten Zeithistorikern als Gesprächspartner. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, an wen sich Herbert zuerst zu richten gedachte: an die historische Zunft. Über den Veranstaltungsankündigungen (die explizit keine „Lesereise“ sein wollten) stand der Folgende, wenig aussagekräftige Text:

„Deutschland im 20. Jahrhundert – das sind zwei Weltkriege, eine gescheiterte Demokratie, Hitler-Diktatur und Holocaust, ein 40 Jahre lang geteiltes Land. Aber es ist auch Sozialstaat, Wohlstand, Liberalisierung und Globalisierung, eine erfolgreiche Demokratie und die längste Friedensperiode der europäischen Geschichte. Ulrich Herberts lang erwartetes Werk ist die brillante Vermessung eines ungeheuren Jahrhunderts – und ein Maßstab, an dem sich Zeitgeschichte künftig wird messen lassen müssen.
Die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert sieht Herbert durch zwei Perspektiven bestimmt, die zueinander in Widerspruch stehen. Zum einen die großen Kriege und Katastrophen, die das deutsche 20. Jahrhundert in zwei Teile spalten – vor und nach 1945. Deutschland ist das Land, in dem die radikalen Ideologien von links und rechts erdacht wurden, und das einzige, in dem sie jeweils staatliche Form annahmen. Das prägt die erste wie die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Zum anderen der Aufstieg der modernen Industriegesellschaft, der über die verschiedenen politischen Systeme hinweg zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die soziale und politische Ordnung führt. Erst 1990 scheinen sie gelöst, als der Sozialismus zusammenbricht. Aber am Ende des Jahrhunderts ist die Debatte um die Leistungen und Defizite des Kapitalismus wieder voll entbrannt. Diesen gewaltigen Prozess legt Ulrich Herbert mit einer Präzision und Tiefenschärfe frei, wie sie nur selten in der Geschichtsschreibung begegnet. Kriege und Terror, Utopie und Politik, Kapitalismus und Sozialstaat, Sozialismus und demokratische Gesellschaft, Geschlechter und Generationen, Kultur und Lebensstile, europäische Integration und Globalisierung: Wie diese widersprüchlichen Ereignisse und Entwicklungen strukturiert und aufeinander bezogen sind, davon handelt dieses Buch.“

Ein „Maßstab, an dem sich die Zeitgeschichte künftig wird messen lassen müssen“, das sollte dieses Buch also sein. Wenige Tage nach dem Erscheinen (Herbert 2014) stellte der C.H. Beck-Verlag sowohl das Inhaltsverzeichnis wie auch eine „Unverkäufliche Leseprobe“ ins Netz. Die „unverkäufliche Leseprobe“ beinhaltete die Einleitung (S. 15-22), das Unterkapitel „Die Kultur der Großstadt“ (S. 244-251) aus dem 5. Kapitel „Deutschland um 1926: Zwischen Krieg und Krise“ aus dem Zweiten Teil „1918 bis 1933“ sowie das Unterkapitel „Politische Kultur der achtziger Jahre“ aus dem 18. Kapitel „Weltwirtschaft und nationale Politik“ im fünften Teil „1973 bis 2000“ (S. 996-1009). In der „Einleitung“ zieht Herbert in großen Zügen den Rahmen seiner Gesamtdarstellung. Er sieht die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen zwei vollkommen gegensätzlichen Epochen eingespannt: in der ersten Hälfte Kriege, Katastrophen und Massenmord, in der zweiten Hälfte Prosperität, Freiheit und Wohlstand (dies übrigens eine sehr westdeutsche Sichtweise!). Herbert will diesen beiden Epochen mit zwei divergierenden Argumentationsbögen beikommen: einem deutschen, nationalstaatlichen (etwas an die alte Sonderwegs-These erinnernd) und einem nordamerikanisch-westeuropäischen, internationalen, den er als Durchsetzung der modernen Industriegesellschaft seit etwa 1880 kennzeichnet. Erst dieser zweite Argumentationsbogen ermögliche es, die Phase zwischen 1880 und 1990 als historische Einheit zu verstehen, die Herbert (2007) dann „Hochmoderne“ nennt.

Viel Begründungsaufwand treibt Herbert, um sich für die nationalstaatliche Perspektive, die sich durch das Buch zieht, zu rechtfertigen. Dies wäre gar nicht notwendig gewesen, denn es ist, wie der Autor in seiner Einleitung ebenfalls deutlich macht (S. 21), ein Beitrag in einer Reihe, und zwar einer „Europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts“, die auf zehn Bände angelegt ist und von Herbert höchstpersönlich herausgegeben wird. Die bislang erschienenen Monografien sind samt und sonders zwischen 450 und 500 Seiten lang und reichen zumeist von 1900 bis 1989/90. Demgegenüber hat Herberts Buch sage und schreibe den dreifachen Umfang! Aber lesen wir die Beschreibung dieser Reihe auf der Homepage von Herberts Freiburger Lehrstuhl, und zwar unter der Registerkarte „Publikationen“:

„Diese Reihe macht begreiflich, wie unsere Nachbarländer zu dem wurden, was sie heute sind und bietet in ihrer Gesamtheit eine vergleichende Geschichte Europas im 20. Jahrhundert. In den Jahrzehnten um 1900 veränderten sich die Länder Europas in einem bis dahin unbekannten Tempo. Die industrielle Hochmoderne verwandelte die Lebenswelten und produzierte heftige Gegenreaktionen, die den Hintergrund abgaben für die großen politischen Kämpfe, die Kriege und die Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Auch die Krise der Industriegesellschaften seit den 1960er Jahren ging mit einem tief greifenden sozialen und kulturellen Wandel einher, und auch den teilten die europäischen Nationalstaaten miteinander. Zugleich wurden die verschiedenen nationalen Varianten der modernen Gesellschaften einander immer ähnlicher. Die Bände der Reihe setzen daher bei den Nationalstaaten an, beziehen ihren Blickwinkel jedoch aus diesen allen Staaten gemeinsamen Entwicklungen. Nur so lässt sich eine europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts entwerfen, die nicht der Versuchung erliegt, Gegenwartsvisionen europäischer Identität in die Vergangenheit zurück zu projizieren.
Folgende Bände sind bislang erschienen:
• Band 9: Ulrich Herbert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München 2014.
• Band 8: Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013.
• Band 5: Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, München 2010.
• Band 4: Wlodzimierz Borodziej: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München 2010.
• Band 3: Walther L. Bernecker: Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert, München 2010.
• Band 2: Franz-Josef Brüggemeier: Geschichte Großbritanniens im 20. Jahrhundert, München 2010.
• Band 1: Hans Woller: Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert, München 2010.“

Also eine europäische Geschichte aus dem Blickwinkel der Nationalstaaten, die sich angesichts der Krisenhaftigkeit der modernen Industriegesellschaft und der jeweiligen Reaktionen darauf immer ähnlicher geworden sind. Natürlich spricht auf den ersten Blick nichts gegen Herberts Vorhaben, die spezifisch deutschen Antworten auf die Herausforderungen der Hochmoderne zu analysieren. Dies impliziert jedoch, deren Entwicklungskrisen stets in der Darstellung mitlaufen zu lassen, und zwar vergleichend anhand einiger anderer, ähnlich wie Deutschland entwickelter europäischer Industriestaaten. Und dies gleich in einer doppelten Perspektive: als objektive, sozialgeschichtlich messbare Parameter und als Geschichte subjektiver Wahrnehmungsmuster, die sich zwar an objektiven Aspekten orientieren, möglicherweise aber auch Fehlperzeptionen sein können. Für das Argument der Reihe „Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts“ scheint es mir ohnehin erforderlich zu sein, die Herausforderungen der Hochmoderne als transnationale darzustellen. Um nachzuzeichnen, inwieweit Herbert dieser Spagat zwischen Nationalgeschichte und transnationaler Geschichte gelingt, folgen wir nun systematisch seiner Argumentation.

„Erster Teil: 1870 bis 1918“ (S. 23-174)
Herbert beginnt seine Ausführungen mit einem luziden Kapitel über „Deutschland um 1900: Der Fortschritt und seine Kosten“, in dem er die gesellschaftliche Wandlungsdynamik des Deutschen Kaiserreiches von 1870 bis zur Jahrhundertwende in den Blick nimmt. Diese war gekennzeichnet durch eine forcierte Industrialisierung und einen parallelen Bedeutungsverlust des agrarischen Sektors, ein rapides Bevölkerungswachstum mit daraus resultierender Urbanisierung (mit Berlin als „Laboratorium der Moderne“) und vielen wissenschaftlichen und technischen Innovationen. Die damit einhergehenden Herausforderungen, so Herbert, stießen auf ein wachsendes Bedürfnis, sich an Traditionen zu orientieren, vor allem am Modell der bürgerlichen Familie, das sich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts als Horizont individuellen Lebens durchgesetzt hatte. Herbert spricht vom Zusammenspiel (das Wort „Dialektik“ vermeidet er) von Fortschrittsoptimismus und Aufbruchsbegeisterung auf der einen Seite und Orientierung am Überkommenen auf der anderen. „Die als Krise und Bedrohung der bürgerlichen Gesellschaft empfundene radikale Veränderung der Welt in den zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg führte vor allem in Deutschland zum Aufkommen nicht minder radikaler Antworten auf diese Krise“, lautet ein Schlüsselsatz (S. 55). Dies wiederum habe sich im Aufschwung der großen politischen Ideologien Marxismus und Nationalismus niedergeschlagen, „die im Zuge der Massengesellschaft so viele Menschen wie nie zuvor mobilisierten“. Den Liberalismus nimmt Herbert von der Definition als „Ideologie“ aus.

Danach schildert Herbert anhand der organisierten Arbeiterbewegung und der „Alldeutschen“ und „Völkischen“ zwei Spielarten dieser Ideologien und die Mechanismen des Zusammenspiels zwischen Krise und Krisenüberwindungsutopien. Er vergleicht die deutsche systematisch mit der internationalen Entwicklung und kommt zu dem Ergebnis, dass die „Suche nach Vertrautheit und Orientierung angesichts einer sich schnell wandenden Umwelt“ allenthalben zu beobachten war (S. 65). In anderen europäischen Ländern seien „Modernekritik und Reformbewegungen, Arbeiterbewegung, Antisemitismus und Radikalnationalismus noch viel stärker gewesen, etwa in Frankreich, Russland und Österreich“. Das Besondere am deutschen Fall aber sei „die Heftigkeit und das Tempo dieser Prozesse“ gewesen; „insbesondere daraus erklärte sich die Radikalität der entstehenden Ideologien wie der künstlerischen Verarbeitungsversuche“. Dieser Passus ist nicht anders als konfus zu nennen. Wenn in Deutschland alles schneller ging als andernorts, weshalb waren in Frankreich, Russland und Österreich dann die politischen Ideologien radikaler? Oder waren sie es doch im Kaiserreich? Herberts Bewertungen hängen empirisch in der Luft, und er präsentiert dem Leser keine ordnenden Begriffe und keine Konzepte, die einen systematischen Ländervergleich ermöglichen könnten.

Herberts willkürliche Wertungen gehen mit einer nebulösen Art der Analyse einher. Generell auffällig ist, dass die soziale Lage der Arbeiterschaft, fußend auf dem bahnbrechenden Werk von Gerhard A. Ritter und Klaus Tenfelde (1992), und die gravierende soziale Ungleichheit nur eher kursorisch erläutert werden (S. 38 f.). Das Bürgertum als Sozialformation bleibt ebenfalls blass. Es hätte nahegelegen, Krise und Krisenüberwindungsutopien anhand der beiden wesentlichen Antagonismen, dem Gegensatz von Kapital und Arbeit oder Bürgertum und Arbeiterbewegung herauszuarbeiten. Aber weder die Bürgertums- noch die Arbeiterbewegungsforschung werden in ihrer Breite rezipiert. Was die „bürgerliche Gesellschaft“ des Kaiserreichs eigentlich war, verrät uns Herbert nicht; man erfährt nur, dass sie „herausgefordert“ worden sei. Stattdessen hebt der Autor die angeblich positiven Aspekte des Kaiserreiches hervor und untermauert das auf Seite 67 mit einem peripheren Zitat Hans-Ulrich Wehlers. Das Kaiserreich sei gekennzeichnet gewesen „durch «ein hohes Maß an Rechtssicherheit, politische Teilhaberechte wie nur wenige westliche Staaten, sozialpolitische Leistungen wie sonst nur Österreich und die Schweiz, Freiräume für entschiedene Kritik, Erfolgserlebnisse für die Opposition, Meinungsfreiheit mit seltenen Zensureingriffen, Bildungschancen, Aufstiegsmobilität, Wohlstandanstieg» und «erfahrbar verbesserte Lebens- und Partizipationschancen»“ (zitiert nach Wehler 2003: 203). Hätte Herbert an dieser Stelle Wehlers dritten Band (1995) oder dessen bislang unübertroffenes Kaiserreich-Buch (1988) berücksichtigt, so wäre die Bilanz wohl diametral entgegengesetzt ausgefallen.

In den darauffolgenden Kapiteln analysiert Herbert das „Sozialistengesetz“ und die Grundzüge der wilhelminischen „Sozialgesetzgebung“, den Übergang des Kaiserreichs zur imperialistischen Expansion, das Aufkommen radikal-nationalistischer Massenorganisationen, die forcierte Flottenrüstung und Weltmachtpolitik und die außenpolitische Konstellation, die letztlich zum Ersten Weltkrieg führte. In der Analyse der Julikrise von 1914 folgt er den umstrittenen Thesen Christopher Clarks (2014; kritisch Wyrwa 2014), wonach die deutsche Reichsleitung zwar eine kriegerische Auseinandersetzung in Kauf genommen habe, aber in der Art von „Schlafwandlern“ in diese hineingeschlittert sei. Herbert ergänzt dessen Hypothesen durch eine eigene, wenn nicht gar eigenwillige Akzentsetzung, wonach der „Krieg zumindest von einer Richtung auch als Antwort gesehen wurde, als Antwort auf die Herausforderung durch die Moderne. In Deutschland jedenfalls hoffte das rechte Lager, am stärksten repräsentiert durch die Alldeutschen, auf eine Bestätigung oder Erneuerung des von ihnen favorisierten Ordnungsentwurfs durch einen Krieg […]“ (S. 116). Die aktive Rolle, die das Deutsche Reich bei der Kriegsvorbereitung spielte, wird heruntergespielt zugunsten einer vollkommen unpräzise daherkommenden „Eigendynamik der Militärs“ (S. 114). Bezeichnend ist auch, dass Herbert die Thesen Fritz Fischers (1961) zur deutschen Entfesselung des Ersten Weltkrieges nicht an dieser Stelle erwähnt, sondern erst auf den Seiten 774 und 775, wo er die Bedeutung der Fischer-Kontroverse für die sich in den 1960er Jahren etablierende NS-Forschung schildert. Fischers Buch wird also nicht als eigenständiger Beitrag zur Realgeschichte des Ersten Weltkriegs interpretiert, sondern auf der Metaebene als Debattenauslöser beziehungsweise Türöffner für eine kritische Geschichtsschreibung abseits von der Hypostasierung der eigenen Nation.

Herberts Analyse der wilhelminischen Kriegsgesellschaft selbst bewegt sich dann in klassischen Bahnen der Ideen-, Kabinetts- und Parteiengeschichte. Die differenzierten Ergebnisse der Sozialgeschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg, mit der eine „Klassengesellschaft im Krieg“ (Kocka 1978) nachgewiesen wurde, interessieren ihn nicht die Bohne. Deren Ergebnisse sind ihm in seiner Zusammenfassung lediglich die folgenden Sätze wert: „Die seit Jahrzehnten gewohnte wirtschaftliche Prosperität war während des Krieges dem Mangel und dem Hunger gewichen. Die scharfen sozialen Ungleichheiten waren nie so deutlich geworden wie an der Front im Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften oder in der Heimat auf dem Schwarzen Markt. Verteilungspotentiale für eine kompensatorische Sozialpolitik gab es kaum noch. Die Bindung an die festgefügte Ordnung war durch Wucher und Schiebereien, durch Hungerproteste und Arbeiterstrikes hinlänglich gelockert, und die symbolische Größe der überkommenen Gesellschaft durch die militärische Niederlage weitgehend destruiert“ (S. 174). Selten sind jene negativen Hypotheken des Kaiserreichs, die die Atmosphäre in der sich etablierenden Weimarer Republik von Beginn an vergiftet haben, so lakonisch-lustlos geschildert worden wie hier!

„Zweiter Teil: 1919 bis 1933“ (S. 175-301)
Nach den insgesamt 150 Seiten zur Geschichte des Kaiserreichs, mit denen Herbert immerhin mehr als 40 Jahre abdeckt, folgen 125 Seiten zu den bloß 15 Jahren der Weimarer Republik. Wer sich allerdings der Illusion hingibt, dass die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse während dieser „Krisenjahre der klassischen Moderne“ (Peukert 1987) nunmehr eindringlicher und mittels pointierterer Verdichtungen geschildert würden, sieht sich bald eines Besseren belehrt. Schon der erste Satz in diesem Kapitel zeigt, wohin die Reise geht. „Die deutsche Revolution von 1918/19 vollzog sich vor dem Hintergrund der Ereignisse in Russland, wo seit dem Sommer 1918 der offene Bürgerkrieg herrschte“ (S. 177). Herberts Analyse der Weimarer Republik beginnt zwar recht traditionell mit der Kriegsniederlage und der damit einhergehenden Delegitimierung des preußisch-wilhelminischen Obrigkeitsstaates, mit der Weimarer Nationalversammlung und dem Versuch, eine auf der Idee des „Volksstaats“ basierende parlamentarische Regierungsform und einen Parteienpluralismus ins Leben zu rufen. Diese Entwicklung steht bei Herbert jedoch von vornherein unter dem bedrohlichen Stern eines Bürgerkriegsszenarios, bei dem die Linke eher als aktiv, die Rechte eher als passiv geschildert wird (S. 179). Der „Aufstand von Links“ im Januar 1919 und das „Münchener Räteabenteuer“ müssen bei ihm als Beleg dafür herhalten, dass „mit den Ideen von Sozialismus und Räteherrschaft das Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit selbst bei solchen Zeitgenossen, die mit der Republik sympathisiert hatten“, wuchs (S. 189). Im Unterschied zu den frühen Arbeiten von Eberhard Kolb (1962) und Peter von Oertzen (1963) sowie zur Darstellung Heinrich-August Winklers (1985) wird die Chance der Revolution nicht erörtert; die wichtigen Monografien Hans-Joachim Biebers (1981 u. 1992) werden ignoriert.

Im Allgemeinen konzentriert sich Herbert bei der Schilderung der ersten vier Jahre der Weimarer Republik auf außenpolitische Aspekte, ohne sich dabei mit dem Aufbau und der Konsolidierung der republikanischen Institutionen, eines pluralistischen Parteiensystems und des demokratischen Institutionengefüges zu befassen. Auf den Kapp-Putsch, der als Angelegenheit der „alten Gewalten“ wahrgenommen wird, gegen die sich Arbeiterbewegung und Bürgertum prinzipiell einig gewesen seien (S. 196), folgt sogleich die Krise von 1923, also Inflation, Ruhrkampf und Hitler-Putsch, woraus die Weimarer Republik letztlich gestärkt hervorgegangen sei (S. 211 ff.). Im längeren Kapitel „Deutschland um 1926: Zwischen Krieg und Krise“ (S. 223-256) gestattet sich Herbert einige Ausflüge in die Kulturgeschichte, bei denen auch die Kategorie „Geschlecht“ zu ihrem Recht kommt. Dabei schildert er die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit und den Aufstieg der neuen Sozialformation der (weiblichen) Angestellten wie auch die grassierende „Angst vor der Zersetzung der Geschlechterordnung durch den propagierten neuen Frauentyp“ (S. 253). Zum Abschluss dieses Kapitels kommt Herbert auf sein Steckenpferd zurück, wonach es „eine „rechte wie […] linke Variante der Ablehnung von liberalem Kapitalismus, parlamentarischer Demokratie und moderner Massengesellschaft“ gegeben habe, die darin übereinstimmten, „dass dieses offenkundig gescheiterte Ordnungsmodell nur durch revolutionäre Umwälzungen von einer Radikalität und Durchschlagskraft überwunden werden könne, wie sie die Moderne selbst mit sich gebracht hatte“ (S. 255). Die Konsolidierung der Weimarer Republik hing am seidenen Faden ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, so Herbert. „Eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung […] würde die Republik weiter stabilisieren und nach längerer Zeit gegenüber radikalen Gegenkräften weniger empfänglich machen“ (S. 257).

Bekanntlich kam alles anders, und schon das nächste Kapitel ist „Die Zerstörung der Republik“ (S. 259-301) überschrieben. Es hätte nun nahegelegen, in diesem Kapitel die Bedingungen des Aufstiegs derjenigen Bewegung zu schildern, die den Weimarer Parteienstaat beseitigte, also der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Herbert optiert hingegen für eine knappe Analyse der Krise des Parlamentarismus, der Weltwirtschaftskrise vom Oktober 1929 und der radikalen Linken, bevor es dann um die NSDAP geht. Das entsprechende Unterkapitel leitet er mit folgendem Satz ein: „Dass sich von zahlreichen rechtsradikalen Parteien und völkischen Gruppen letztlich die NSDAP durchsetzte, war vor allem darauf zurückzuführen, dass sie als einzige über eine herausragende Führungsfigur verfügte, welche die Partei einte und die Massen begeistern konnte“ (S. 280). Frei nach Hannes Heer (2005) könnte man also formulieren: Hitler war’s. Wenige Seiten weiter macht uns Herbert mit dem zweiten zentralen Faktor bekannt: „Aber weder organisatorischer Neuaufbau noch Hitlerkult oder SA-Aufmärsche bewirkten den Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei, sondern die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die seit dem Frühjahr 1930 immer mehr in den Mittelpunkt aller politischen Konzepte und Debatten rückte“ (S. 284). Noch die prozentualen Anteile der NSDAP bei den Reichstagswahlen seit 1928 (S. 281, 285 u. 293) erwähnt, und die Weimarer Republik ist am Ende. Weder die historische Wahlforschung und die Ergebnisse Jürgen Falters (1991) noch die differenzierten empirischen Studien zum Aufstieg der NSDAP in den Ländern und Preußischen Provinzen noch die Rolle der Sturmabteilung (SA) interessieren Herbert. Wichtig ist ihm lediglich folgende Gleichung: eine Wirtschaftskrise ist gleichbedeutend mit einem Aufstieg radikaler Kräfte, hier der NSDAP.

An Herberts Weimar-Interpretation sind zwei Dinge auffällig. In seinen Endnoten wertet er kaum empirische Forschungen aus, sondern stützt sich fast ausschließlich auf Gesamtdarstellungen zur Weimarer Republik, vorzugsweise von Heinrich August Winkler, Hans Mommsen, Detlef J. K. Peukert und Ursula Büttner. Wenn er einmal einzelne Monografien heranzieht, dann werden sie nur summarisch zitiert, etwa Erhard Lucas‘ (1970-1978) dreibändiges Standardwerk über die Märzrevolution 1920 (S. 1265, Endnote 13, S. 1266, Endnote 27). Und seine Argumentation ist eine radikal teleologische, bei der die Weimarer Republik im Zangengriff zwischen rechts und links aufgerieben wird. Zwar ist auch Herbert bekannt, dass es sich bei ihr um eine „Republik ohne Republikaner“ handelte. Aber dennoch hätte man erwarten können, dass ihre Chancen zu einer Stabilisierung nicht ausschließlich an einer (übrigens niemals genauer geschilderten) wirtschaftlichen Entwicklung gemessen, Krisen und Krisenbewältigungsstrategien gegeneinander abgewogen und der Aufstieg der NSDAP auf dem Stand der Forschung resümiert würden. Auf die Frage aller Fragen hat Herbert keine Antwort: wie kam es, dass bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 insgesamt 13,8 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme der NSDAP gaben?

„Dritter Teil: 1933 bis 1945“ (S. 303-546)
Mehr als 240 Seiten über das NS-Regime, also über Herberts eigentliche Forschungsdomäne, und im thematischen Zentrum stehen Terror und Gewalt. Das erste Kapitel, das siebte in der Zählung des Buches, heißt denn auch „Die Dynamik der Gewalt“ (S. 305-392). Es reicht von der so genannten Regierungserklärung des neuen Kabinetts Hitler vom 1. Februar 1933 bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Nacheinander handelt Herbert die Regierungsbildung, die „Reichstagswahlen“ vom 5. März 1933, den „Tag von Potsdam“, die Zerschlagung der organisierten Arbeiterbewegung, die „Röhm-Aktion“ vom 30. Juni 1934, die antijüdische Politik, die forcierte Aufrüstung und Arbeitsbeschaffung, die Außenpolitik und militärische Expansion des NS-Regimes und die „Reichskristallnacht“ vom 9. und 10. November 1938 ab. In einem Unterkapitel „Arbeiter, Bauern, Bürger“ versucht sich Herbert an einer Analyse der sozialen Ungleichheit, ohne diese jedoch ausreichend statistisch zu untermauern. Generell reiht er Fakten um Fakten aneinander, ohne einen roten Faden erkennen zu lassen. Die Fakten sind bekannt, sie sind schon tausende Male in entsprechende Monografien eingeflossen, aber Herbert benutzt auch in diesem Kapitel vordringlich Überblicksdarstellungen.

Worin eigentlich bestand der radikale soziale Wandel, den Herbert für den NS-Staat immer wieder postuliert? In der Eskalation der Gewalt? Den Begriff „Gewalt“ jedenfalls streut er immer wieder ein, ohne sich argumentativ mit den vorgebrachten Phänomenen auseinanderzusetzen. An keiner Stelle versucht Herbert eine vergleichende Quantifizierung der Gewalt, bei der sich etwa das faschistische Italien oder die antirepublikanische Militärjunta des Spanischen Bürgerkriegs als Kontrastfolien angeboten hätten. Gerade im Vergleich mit letzterer muss das Ausmaß der Gewalt im Deutschen Reich, jedenfalls in der Vorkriegszeit, als gering angesehen werden (Preston 2012). Herbert naturalisiert die Gewalt, und die ubiquitäre Rede von der „Dynamik“ wird an keiner Stelle erläutert. Völlig abwesend sind jene Sachverhalte, die man als institutionell-organisatorischen Wandel bezeichnen könnte. Der Elitenaustausch in den Reichsministerien und Obersten Reichsbehörden, der Aufbau der Wehrmacht, die „totale Organisation“ der deutschen Gesellschaft in der NSDAP (Nolzen 2004) – all das interessiert Herbert nicht.

Stärker ist hingegen Kapitel 8 „Die Zerstörung Europas“ (S. 393-453), in dem Herbert eine konzise Analyse der NS-Besatzungspolitik, der Euthanasie und des „Falles Barbarossa“ gibt. Dies geht allerdings auf Kosten der Darstellung der so genannten Heimatfront, was sich in Kapitel 9 „Deutschland um 1942: Völkermord und Volksgemeinschaft“ (S. 455-510) dann rächt. Hier schildert Herbert die Eskalationsstufen, die zur Ermordung der europäischen Juden führten, und das NS-Zwangsarbeitssystem. Überraschend ist das Unterkapitel „Volksgemeinschaft im Krieg“, weil Herbert sich bislang stets als vehementer Gegner eines Begriffs geriert hatte, den er nunmehr selbst an zentraler Stelle zur Analyse nutzt! Was er jedoch unter „Volksgemeinschaft“ versteht, geht einigermaßen an den in der aktuellen Forschung diskutierten Sachverhalten vorbei. Er vertritt die aus den 1980er Jahren stammende Ansicht, wonach „Volksgemeinschaft“ eine Art egalitäres Gesellschaftskonzept gewesen sei (Herbert spricht stets vom „Gleichheitspostulat der «Volksgemeinschaft»“, S. 499; ähnlich S. 595); eine veritable Ignorierung neuerer Studien, die auf die in diesem NS-Gesellschaftsentwurf enthaltene konstitutive Ungleichheit hingewiesen haben (Bajohr/Wildt 2009; Kramer/Nolzen 2013; Steuwer 2013; Volksgemeinschaft 2014). Dem Zusammenhang zwischen Völkermord und „Volksgemeinschaft“, den die Kapitelüberschrift zu analysieren verspricht, geht Herbert an keiner Stelle nach. Der Effekt der Alliteration war ihm offenbar wichtiger als eine tiefgründige Analyse dieses Problems.

Kapitel 10 „Untergang“ (S. 511-546) befasst sich mit der militärischen Entwicklung seit 1942/43, dem Widerstand in den besetzten Gebieten und im Deutschen Reich und dem Übergreifen der Kampfhandlungen auf das Reichsgebiet. Auf den Seiten 543 bis 546 findet sich dann ein knappes Resümee der NS-Zeit, bei dem überraschender Weise das NS-„Wirtschaftswunder“ im Zentrum steht, das, so Herbert, die zentrale Erfahrung für die meisten Deutschen in der NS-Zeit gewesen sei. „Nichts hat die politische Loyalität gegenüber den Nationalsozialisten so befestigt wie die wirtschaftliche Stabilisierung des Landes“ (S. 545). Das mag ja durchaus der Fall gewesen sein; allerdings war von „Wirtschaft“ im weitesten Sinne auf den 250 Seiten zuvor kaum die Rede gewesen. Acht Seiten „Rüstungsboom und Arbeitsschlacht“ (S. 341-349) sind hierfür zu wenig! Die Thesenbildung korrespondiert bei Herbert kaum einmal mit den inhaltlich beschriebenen Phänomenen, im Gegenteil: immer wieder werden Urteile ex cathedra getroffen, ohne die dazu notwendigen Inhalte mitzuliefern, geschweige denn: die oft komplexen Forschungsdiskussionen, die in aller Regel mit den erörterten Sachverhalten verbunden sind, zu erwähnen. Und worin der „nationalsozialistische Gegenentwurf zum liberal-kapitalistischen System“ bestand (S. 546), den der Autor immer wieder beschwört, bleibt ebenfalls sein Geheimnis.

Wie ist Herberts Analyse des NS-Staates zu bewerten? Der Begriff „Gewalt“ eignet sich offenbar nicht, um die gesellschaftlichen Entwicklungen nach 1933 auf den Punkt zu bringen. Ohnehin sind Gewalthandlungen empirische Phänomene, die erklärt werden müssen, und es hilft nichts, wie es Herbert bisweilen praktiziert, in Tautologien zu verfallen. Der Topos, dass der Krieg das „ureigenste Moment des Nationalsozialismus“ gewesen sei (S. 394) ist nunmehr genauso oft wiederholt worden wie der lakonische Satz „Das Wesenselement des NS-Staates war die Gewalt“ (S. 545). Was eigentlich soll ein solcher Satz besagen? Was schließt er aus? Wogegen wendet er sich, was ist sein Ungesagtes? Ist Gewalt eine definitorische Bestimmung, eine conditio sine qua non des NS-Staates? Was ist mit anderen Aspekten, so mit „sozialer Hilfe“, in deren Genuss viele „reinrassige“ Deutsche nach 1933 kamen (Nolzen/Sünker 2011), oder mit materiellen Vorteilen, die sich aus einer Zugehörigkeit zu den NS-Organisationen ergeben konnten? Erklärt sich die Integrationskraft des verbrecherischen NS-Regimes nicht viel eher durch solche Mechanismen, die man als „Ermöglichungsstrukturen“ bezeichnen könnte? Der Erklärungswert von Herberts Ausführungen ist gering; er beschreibt und erzählt, aber er analysiert und gewichtet nicht.

„Vierter Teil: 1945 bis 1973“ (S. 547-883)
Für die Nachkriegsentwicklung in beiden deutschen Staaten innerhalb eines Zeitraums von 28 Jahren benötigt Herbert dann 334 Seiten. Die Zäsurensetzung „1973“ erfolgt nach einem in der Forschung mittlerweile anerkannten Paradigma, wonach es im Verlauf der ersten Ölkrise von 1973-1975 (nicht nur) in der Bundesrepublik Deutschland zu einer Wirtschaftskrise gekommen sei, die eine langanhaltende, bis heute weiterwirkende Transformation der Arbeitsgesellschaft ausgelöst habe (kanonisch Doering-Manteuffel/Raphael 2008). Mit diesem Teilkapitel wechselt Herbert stillschweigend die Gliederungskriterien: die bisherige politische Zäsurensetzung wird zugunsten einer ökonomischen aufgegeben. Gleichwohl bleiben seine Ausführungen größtenteils der politischen Geschichte verpflichtet, diesmal aber nicht in primär nationalgeschichtlicher Perspektive, sondern mit dem nötigen Augenmaß, das uns Genese und Entwicklung der beiden deutschen Staaten in steter Abhängigkeit von den vier alliierten Besatzungsmächten auf der einen Seite und den sich im Kalten Krieg ergebenden internationalen Konstellationen auf der anderen vorführt. „Nachkrieg“ (Kapitel 11), „Wiederaufbau in Westdeutschland“ (Kapitel 12), „Das sozialistische Experiment“ (Kapitel 13), „Vorboten des Wandels“ (Kapitel 14), „Deutschland um 1965: Zwischen den Zeiten“ (Kapitel 15) sowie „Reform und Revolte“ (Kapitel 16) lauten die dieses Mal außerordentlich präzisen Überschriften.

In Kapitel 11 arbeitet Herbert die Unterschiede heraus, die sich bei der Entnazifizierung in den alliierten Westzonen und in der Sowjetisch Besetzten Zone ergaben, in der etwa im öffentlichen Dienst ein radikalerer Schnitt zum NS-Regime gezogen wurde. Der Entnazifizierung sei es ihm zufolge gelungen, „die Verantwortung der deutschen Gesellschaft und ihrer Führungsgruppen für die Politik des nationalsozialistischen Deutschland herauszustellen, aktive Nationalsozialisten und solche, die an NS-Verbrechen teilgehabt hatten, zu benennen, zu isolieren und zumindest für eine gewisse Zeit von Ämtern und öffentlichem Einfluss freizuhalten“. Zudem habe sie „eine Art Tabuisierung des Nationalsozialismus als Herrschaftssystem zur Folge [gehabt]; wenn das auch nicht bedeutete, dass Teile der ideologischen und politischen Hinterlassenschaft der Diktatur nicht weiterwirkten“ (S. 571). An dieser Stelle hätte man sich eine Präzisierung gewünscht, welche Teile dies waren und wie sich das auf den Gesellschaftsaufbau in den beiden deutschen Staaten auswirkte. Herberts wohlwollende Beurteilung der westalliierten Entnazifizierung vermag gerade im Lichte der älteren Forschung, die mit Lutz Niethammer (1982) von einer „Mitläuferfabrik“ gesprochen hatte, kaum zu überzeugen. Bei seiner Analyse der Reintegration der NS-Anhänger (S. 657-669) beschränkt er sich auf Westdeutschland und die Gruppe, die in die NS-Vernichtungspolitik involviert war. Forschungen zur Mitgliedschaft west- wie ostdeutscher Funktionseliten in den NS-Organisationen rezipiert Herbert nicht (für die DDR Leide 2005; Best/Salheiser 2006; Best/Meenzen 2010; Meenzen 2010 a-b; für die Bundesrepublik diverse Auftragsstudien zur früheren NSDAP-Mitgliedschaft von Landtagsabgeordneten). Sie hätten Aufschluss darüber geben können, wie sich in beiden deutschen Staaten in den 1960er und 1970er Jahren politisch ähnlich sozialisierte Funktionseliten etablierten.

Zudem fällt die darstellerische Entflechtung auf, die Herbert in diesem vierten Teil zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vornimmt. Die Wechselwirkungen, die zwischen beiden deutschen Staaten bestanden (am auffälligsten ist etwa die permanente kommunikative Bezugnahme im politischen System aufeinander) werden dadurch in den Hintergrund gedrängt. Einem so präzisen Kapitel wie dem „Wiederaufbau in Westdeutschland“, in dem der Autor „Wirtschaftswunder und Westintegration“ als „prägende[n] Entwicklungen der Epoche zwischen 1941 und 1961 in Westdeutschland“ (S. 643) schildert und insbesondere die hohe Bedeutung der Sozialpolitik ausführlich würdigt, steht ein Kapitel zur DDR gegenüber, in dem es größtenteils um Sowjetisierung, Terror und Repression der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und um die außenpolitische Konstellation bis zum Mauerbau geht. Dass der Lebensstandard in der DDR langsamer anstieg als in der Bundesrepublik (S. 733), aber immer noch weit vor den anderen Ländern des „Warschauer Paktes“ lag, wird größtenteils auf die zentrale Planung und Lenkung der Wirtschaft zurückgeführt. Argumentiert Herbert, wenn es um die Bundesrepublik geht, eher sozialgeschichtlich, so schildert er die DDR fast immer aus politikgeschichtlicher Perspektive. Dem Primat der Ökonomie (Bundesrepublik) wird so ein Primat der Politik (DDR) gegenübergestellt; der Perspektive des Erfolges (Bundesrepublik) das Odium des Scheiterns (DDR). Dadurch wird Herberts Argumentation unterschwellig teleologisch.

Die zwei Gesellschaften, die sich in den zwanzig Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Boden des früheren Deutschen Reiches entwickelt hatten, schildert Herbert in einem eigenen Kapitel, das mit dem Satz beginnt: „1965 war ein Jahr des Umbruchs“ (dies wäre also wohl eine alternative Zäsurensetzung zu „1973“ gewesen!). Soziale Aufstiegsmöglichkeiten, die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, das „Neue Bauen“, der Einstieg ins Atomzeitalter, der beginnende Planungsoptimismus sowie Konsum und Populärkultur sind die Themen, um die es dem Autor im Hinblick auf die Bundesrepublik geht; kontrastiert durch knappe Ausführungen zum „sozialistischen Bauen“ und der Entwicklung einer Jugendsubkultur in der DDR. „Der Glaube an den Fortschritt auf der Grundlage von Wissenschaft und Technik war ein festes Band zwischen Ost und West“, konstatiert Herbert (S. 825), und dies wäre wohl auch die Achse gewesen, auf der eine transnational angelegte, vergleichende Geschichte beider deutschen Staaten anzusiedeln gewesen wäre. Aber Herberts Schwerpunkt ist und bleibt die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, wie sich auch an dem über 50 Seiten langen Kapitel über die Protestbewegung zeigt, die gemeinhin mit der Chiffre „1968“ bezeichnet wird. Hier integriert er wieder einmal die internationale Perspektive. Was „1968“ und auch der „Prager Frühling“ für die DDR bedeuteten (Prieß/Kural/Wilke 1996; Karner/Tomilina/Tschubarjan u.a. 2008), bleibt unerörtert. Dasselbe gilt übrigens auch für die gesamte „Westarbeit“ der SED.

So verwundert es auch nicht, dass die Bilanz, die er am Ende seines vierten Teils zieht („Modell Deutschland“, S. 881 ff.), eine aus der Perspektive der Bundesrepublik ist. Gleichwohl bleibt Herbert vorsichtig: „Die Bundesrepublik, so der sich verfestigende Eindruck, war eine besonders erfolgreiche und moderne Gesellschaft geworden, die durch stetiges Wirtschaftswachstum und ein umfängliches Netz von Sozialleistungen eine einzigartige Verbindung von Dynamik und Sicherheit entwickelt hatte. Eine Gesellschaft zudem, die sich vom Erbe des NS-Staates gelöst und der demokratischen Kultur des Westens geöffnet hatte und die nun auch weltweit das Bild eines neuen, liberalen Deutschlands vermittelte“ (S. 882). Diese von ihm eindeutig als offizielles Selbstbild gekennzeichnete Aussage wird im weiteren Verlauf durch einige „scheint“, „schien“ etc. kritisch in Frage gestellt. Eine Kontrastierung mit dem von der DDR eingeschlagenen Weg unterbleibt. Generell ist deren Gesellschaftsmodell für Herbert keine funktional äquivalente Problemlösung für die eingangs konstatierten Herausforderungen der Hochmoderne. Auf diese Art und Weise verspielt der Autor ein beträchtliches Analysepotenzial seines Ansatzes. Inwiefern sich beide deutsche Industriestaaten trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen und politischer Prioritätensetzungen immer ähnlicher wurden, kann er dadurch nicht zeigen. Oder sollte es im Angesicht der internationalen ökonomischen Wandlungsprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg gar keine „institutionelle Isomorphie“ gegeben haben, um einen in der Soziologie prominenten Ansatz ins Spiel zu bringen (Powell/di Maggio 1991; Scott 2008: 141-180; Senge 2011: 99-135)?

„Fünfter Teil: 1973 bis 2000“ (S. 885-1252)
Und last but not least verwendet Herbert auf den Zeitabschnitt bis zur Jahrtausendwende für 27 Jahre insgesamt 367 Seiten. Er nivelliert damit die weltgeschichtliche Doppelzäsur der Jahre 1989/1991, das heißt, den Zusammenbruch der Sowjetunion und des ehemaligen „Ostblocks“ sowie die Einführung des Privatfernsehens und die Etablierung des Internets, präziser: des Computers als neuem Verbreitungsmedium neben Sprache, Schrift und Buchdruck (Baecker 2007). Zwar widmet er der Erosion des „Ostblocks“ und der deutschen Wiedervereinigung das sehr eindringliche 20. Kapitel („Deutschland um 1990: Zweierlei Vereinigung“, S. 1091-1136); für die revolutionären medialen Veränderungen, die sich zu dieser Zeit ergaben und die zu einer beispiellosen Beschleunigung der weltweiten Kommunikation führten, hat er, bis auf zwei marginale Ausnahmen (S. 963 f. u. 1239 f.), jedoch keinen Sinn (generell Rosa 2005). Immerhin thematisiert Herbert am Ende des Buches das Problem der historischen Periodisierung (S. 1238-1252), allerdings nur im Hinblick auf die Frage, wann das 20. Jahrhundert zu Ende war. Seine Antwort: irgendwann zwischen 1998 und 2002. Damit rechtfertigt er das in seiner Darstellung gesetzte Ende. Begreift man Geschichtswissenschaft als Erzählung, die auf der Leitdifferenz von Anfang und Ende beruht (Baecker 1992), hätte man sich ähnliche Überlegungen auch für den Beginn des Buches gewünscht. Ohnehin ist Herbert bei seinen Zäsuren nicht sehr präzise. Zum einen siedelt er die Hochmoderne zwischen 1890 und 1990 an, zum anderen reicht seine Studie von 1870 bis ins Jahr 2000; Ausdruck einer letztlich sehr unsicheren Gesamtkonzeption.

Immerhin überzeugt der fünfte Teil in der Darstellung der ökonomischen Entwicklung nach dem Ölpreisschock und der sozialstrukturellen Verwerfungen in der Bundesrepublik, denen Herbert mehr als 150 Seiten widmet (17. Kapitel: „Krise und Strukturwandel, S. 887-960; 18. Kapitel: „Weltwirtschaft und nationale Politik“, S. 961-1045). Darin sind alle Themen versammelt, die für die 1970er und 1980er Jahre (die Herbert auf S. 909 vielleicht etwas vorschnell als Übergang von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft klassifiziert) von Bedeutung waren, nämlich der schleichende Zusammenbruch des Weltwährungssystems von Bretton Woods, die verstärkte Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, die wachsende Kritik an der Umweltverschmutzung, der Terrorismus der Rote-Armee-Fraktion, die Genese der Anti-Atomkraftbewegung, das Ringen um Rüstungskontrolle und NATO-Doppelbeschluss, das Vorantreiben der Europäischen Integration, die komplexen Mechanismen dessen, was später „Globalisierung“ heißen sollte, der Beginn der neoliberalen Deregulierungspolitik (Thatcherismus, Reaganomics), die Transformationen des Parteiensystems, Ausländerdebatte und Asylkompromiss sowie die politische Kultur der 1980er Jahre. Der aufkommenden Alltagsgeschichte, den gescheiterten Versuchen von Bundeskanzler Helmut Kohl, eine nationale Geschichtspolitik zu etablieren und dem „Historikerstreit“ 1986/87 widmet Herbert einen interessanten Exkurs. Darin resümiert er: „Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wurde in den folgenden etwa zwanzig Jahren zu einem Leitmotiv der inneren Debatten in der Bundesrepublik […]“ (S. 1022).

Dieser kurze Ausflug in die Geschichte des eigenen Fachs, wenn nicht in die intellectual history des Autors, verweist auf einen „blinden Fleck“ seiner Darstellung: die Bildungsrevolution der 1960er und 1970er Jahre (Parsons 1972: 120-124), die in vielerlei Hinsicht die Voraussetzung für viele der geschilderten Entwicklungen bildete. Die Expansion der Hochschulen, der Steigerung der Akademiker- und Absolventenzahlen, die schleichende Verdrängung des dreigliedrigen Schulsystems erst durch die Gründung von Gesamtschulen, dann durch die Herabstufung der Hauptschule zu einer „Restschule“, der politische Eifer bei den Bildungsreformen und viele andere Aspekte der sich am Horizont ankündigenden Wissensgesellschaft verweisen darauf, dass das Verhältnis von Politik und Ökonomie nur ein (und nicht unbedingt das zentrale) Problem dieser Zeit war. Aber auch die DDR handelt Herbert im 19. Kapitel „Aufschwung, Krise und Zerfall der DDR“ (S. 1048-1089) aus einer primär ökonomischen Perspektive ab; ebenso wie die Wiedervereinigung (Kapitel 21: „Neue Einheit“, S. 1137-1206) und die Entwicklung um die Jahrtausendwende (Kapitel 22: „Millenium“, S. 1206-1252). Immer alterniert er zwischen Regierungspolitik und allgemeiner ökonomischer Krisensymptomatik. Damit reduziert der Autor Politik auf Wirtschaftspolitik und Wirtschaft auf Statistik.

Herbert liefert eine klassische Nationalgeschichte, die im Stile einer „Meistererzählung“ verfasst ist und fast vollständig ohne Frauen auskommt. Sie ist methodologisch konventionell, als hätte es die neuere Sozial-, Wirtschafts-, Frauen-, Geschlechter- und Kulturgeschichte nie gegeben. Der Autor folgt einer kaum überzeugenden, weil unterkomplexen challenge and response-Hypothese, wonach die ökonomischen Herausforderungen der Hochmoderne im Deutschen Reich, in der Bundesrepublik und in der DDR vielfältige Krisenüberwindungsstrategien hervorgebracht hätten, die in einen gegenseitigen Überbietungswettlauf gemündet seien, bei dem sich stets die radikalste Lösung durchgesetzt habe. Dieser Ansatz ist bloß eine vulgarisierte Fassung von Peukerts (1987) reichhaltiger Analyse der „Krisenjahre der klassischen Moderne“, jener  unerreichten Kombination aus Sozial-, Politik- und Alltagsgeschichtsschreibung. Herbert stellt Wirtschaft und Politik dichotomisch einander gegenüber und vernachlässigt andere Aspekte wie Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik, Verwaltung und Justiz sowie Religion und Mentalitäten. „Politik“ besteht bei ihm aus den Entscheidungen der Regierenden, niemals aus Entscheidungsprozessen moderner Verwaltungen oder den dynamischen Wechselwirkungen von politischen Parteien und sozialen Bewegungen als zwei zentralen antagonistischen Kräftefeldern.

Wie konzeptualisiert Herbert „Wirtschaft“? Er interessiert sich nicht für Produktionstechniken, Fordismus, Taylorismus oder technologischen Wandel. Auch nicht für Unternehmen, klein- und mittelständische Betriebe, Landwirtschaft oder ökonomische Zyklen. Es geht ihm auch nicht um Banken, Kredit- und Finanzwesen oder um Geld und Eigentum. Und schon gar nicht geht es um Märkte, um Produktion und Konsumtion oder Knappheitsprobleme. „Wirtschaft“ wird bei Herbert in der Form jenes Beobachtungsschemas der Politik verstanden, das man mit dem Wort „Krise“ bezeichnen kann. Er argumentiert lediglich mit aggregierten Konjunkturdaten wie Lohn- und Preisentwicklung, Arbeitslosenzahlen, Konsumniveaus, und zwar immer im Fließtext (sein Buch beinhaltet keine einzige Tabelle!). Auf fast 1200 Seiten wird insofern keine Unternehmens- oder Wirtschaftsgeschichte geschrieben, sondern eine Geschichte der Wirtschaft aus der Perspektive der Politik, und das zu allem Überfluss noch, ohne systematisch die Verflechtungen zwischen beiden Bereichen in den Blick zu nehmen. Und da die Politik die Wirtschaft stets im Spiegel von konjunkturellen Daten als „Krise“ beobachtet, ist bei Herbert immer „Krise“. Dabei unterlässt er es, zu präzisieren, was er darunter versteht (anregend Graf/Föllmer 2005). Ältere Studien (Wehler 1988: 233) waren wesentlich weiter. Herberts „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ fällt insofern in vielerlei Hinsicht hinter das bereits Erreichte zurück.

Gut, sein opus magnum beansprucht wohlweislich nicht, eine Synthese oder Gesamtdarstellung zu sein, obwohl es angesichts seines schieren Umfangs wahrscheinlich nicht zu Unrecht als solche wahrgenommen wird. Aus einer wohlwollenden Perspektive könnte man das Buch als problemorientierte Analyse des Verhältnisses zwischen Politik und Ökonomie bezeichnen. Bei kritischer Betrachtung stellt sich allerdings die Frage, was Herbert mit diesem Buch bezweckt und für welches Publikum er es geschrieben hat. Die Problemorientierung (traditioneller: das Erkenntnisinteresse) wird nur höchst unzureichend expliziert, geschweige denn anhand eines analytischen oder begrifflichen Leitfadens durchgehalten (der Begriff „Hochmoderne“ leistet dies nicht). Die geschilderten Phänomene sind arbiträr und folgen den jeweiligen Lektürepräferenzen (die an keiner Stelle kritisch thematisiert werden). Herbert verdichtet auch nicht die umfängliche empirische Forschung zu den verschiedenen, von ihm erörterten Themengebieten, um zu einer eigenen, argumentativ untermauerten Interpretation jener Hochmoderne zu gelangen, welche die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert wie kaum in einem zweiten Land geprägt habe. Vielmehr hangelt er sich an einzelnen Überblickswerken oder herausragenden Einzelstudien entlang, die er referiert, ohne größere eigene Akzente zu setzen. Herbert besaß zwar den Mut zur Synthese; die Kraft dazu aber hat ihn im Verlauf der Niederschrift mehr und mehr verlassen.

Intertexte

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