Arbeit an Begriffen, zum sechsten: „Volksgemeinschaft“

von arminnolzen

„Gemeinschaft“, so formulierte es bereits 1924 Helmuth Plessner, der damals 32jährige Privatdozent für Philosophie an der Universität Köln, sei „das Idol dieses Zeitalters“. In ihrer „Vergötterung“ komme ein „sozialer Radikalismus“ zum Ausdruck, der die Menschen glauben mache, es gebe einen Zustand idealen Zusammenlebens, der ohne Gewalt auskomme. Dass dieses utopische Endziel aber einer revolutionären Umwälzung der bestehenden Verhältnisse bedürfe, werde verschwiegen (Plessner 2002: 28; grundlegend Dietze 2006). Plessners Kritik, die unter dem Eindruck der alliierten Rheinland- und Ruhrbesetzung entstanden war, richtete sich gegen die „völkische“ und die kommunistische Hypostasierung des Gemeinschaftsgedankens, wie sie im „Ruhrkampf“ 1923 zum Ausdruck gekommen war. Sein damit einhergehendes Plädoyer für „Gesellschaft“, verstanden als Raum, der dem Einzelnen hinreichende Distanz zur Bildung von Individualität lässt, ist damals bekanntlich auf wenig Resonanz gestoßen. Im Gegenteil: In allen politischen Lagern (Sneeringer 2002) brach sich der radikale Gemeinschaftsgedanke Bahn und unterminierte so die Fundamente der ohnehin fragilen Demokratie. „Gemeinschaft“ impliziert immer zweierlei: eine Entscheidung darüber, wer dazugehört und wer nicht, und eine darüber, nach welchen Kriterien über Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit entschieden wird.

Das Ringen der Weimarer Parteien um „Gemeinschaft“, einem seit der Antike klassischen, mit dem Bereich der Politik assoziierten Wort (Wimmer 1996 u. 2000), beinhaltete drei Varianten: die Vorstellung von einer auf „Klasse“ (als einer Eigentumslosigkeit an den Produktionsmitteln) basierenden Solidargemeinschaft von Arbeitern und Proletariern (SPD, KPD), die Vorstellung einer „arischen“, „rassereinen Blutsgemeinschaft“ (NSDAP, „völkische Bewegung“, teilweise auch DNVP) und die Vorstellung von einer christlichen Glaubensgemeinschaft (Zentrum, BVP und Teile der christlichen Mittelparteien). Alle drei Konzepte schlossen die jeweils anderen aus. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik kam es offenbar zu einer semantischen Verschiebung dieses Ringens um „Gemeinschaft“ hin zur „Volksgemeinschaft“ (dieser Prozess bedarf noch einer genaueren Erforschung; einstweilen Wildt 2007: 26-68). Und dem Reden von „Volksgemeinschaft“ wurden in der Wahlagitation Adjektive wie „wahre“, „christliche“ oder „nationalsozialistische“ beigefügt. Im Sprachgebrauch der NSDAP überwogen zunächst einmal die indirekten Bezüge auf „Volksgemeinschaft“. Sie geißelte den „marxistischen Klassenkampf“, die „jüdische Zersetzung“ und die „Wühlarbeit des politischen Katholizismus“ und versprach Abhilfe, sollte sie die Macht im Staate erringen. Die Zerschlagung der Arbeiterbewegung, die Ausschaltung der Juden aus der Gesellschaft und die Verdrängung der Religion aus der Politik waren insofern notwendige Voraussetzungen der NS-Neuordnungspläne.

Seit nunmehr fast einer Dekade ist in der NS-Forschung eine untergründige Auseinandersetzung um die Verwendung des Wortes „Volksgemeinschaft“ zu beobachten, die mittlerweile schon selbst historisiert wird (Mühlenfeld 2013; Steuwer 2013; Volksgemeinschaft 2014). Es begann mit dem Dresdner Historikertag 2008 (Bajohr/Wildt 2009), fand einen gewissen Höhepunkt bei einer Konferenz im Deutschen Historischen Institut London im März 2010 (Gotto/Steber 2014) und lief bei jenen Tagungen, die das Niedersächsische Forschungskolleg „Nationalsozialistische Volksgemeinschaft?“ abgehalen hat, aufgrund einer zunehmenden Erschöpfung der Kontrahenten aus. Die Argumente der Pro- und Kontrafraktion sollen hier nicht nachgezeichnet werden; sie sind bekannt und zeichnen sich durch eine gewisse Schlichtheit und Inkonsistenz aus. Die Pro-Fraktion glaubt an die analytische Kraft des Begriffs (stellt sich jedoch nicht die Frage, inwieweit „Volksgemeinschaft“ überhaupt ein solcher ist), die Contra-Fraktion insistiert darauf, man dürfe einen angeblich genuin nationalsozialistischen Begriff keinesfalls dazu verwenden, das NS-Regime zu analysieren (auf die Idee, dieselbe epistemologische Forderung an ihre eigenen Begriffe zu stellen, etwa Antisemitismus, Propaganda etc., kommt sie dabei nicht). Alles in allem ist „Volksgemeinschaft“ zu einer (wissenschaftlichen?) Glaubensfrage geworden.

Im Folgenden geht es um die Arbeit am Begriff. Mit anderen Worten: es interessiert einzig und allein die Frage, unter welchen Umständen man das zeitgenössische Wort „Volksgemeinschaft“ so operationalisieren kann, dass es zur geschichtswissenschaftlichen Analyse geeignet ist und man mit ihm etwas „begreift“. Die Antwort auf diese Frage hängt mit einer exakten Beschreibung dessen zusammen, was „Volksgemeinschaft“ eigentlich ist (oder nach 1933 war). Mit der Kopula „ist“ meine ich kein wie auch immer geartetes Konzept, keinen Begriff und keinen Idealtypus. Mir geht es anfangs bloß um die banale Tatsache, dass es sich bei „Volksgemeinschaft“ um ein aus „Volk“ und „Gemeinschaft“ zusammengesetztes Wort handelt, oder, um es in Fachbegriffen der Linguistik auszudrücken, um ein Paralexem (im Unterscheid zum Simplex). Die Bedeutung solcher Paralexeme wird bekanntlich stets vom Äußerungskontext mitbestimmt und kann nicht unabhängig davon analysiert werden. Darin liegt, wie wir seit den Arbeiten Reinhart Kosellecks (1972, 1989, 2003 u. 2010; dazu Joas/Vogt 2011) wissen, die Aufgabe der Begriffsgeschichte bzw. der historischen Semantik: den diachronen Bedeutungswandel aller Arten von Lexemen aufzusuchen. Mittlerweile gibt es einige Analysen zur Sprache des „Dritten Reiches“, die der Romanist Victor Klemperer (2007) ja als „Lingua Tertii Imperii“ (LTI) charakterisiert hat. Seit jenem „Wörterbuch des Unmenschen“, das der Politikwissenschaftler Dolf Sternberger (1957) mit zwei Mitautoren herausgegeben hat (Dodd 2007), dominieren jedoch lexikalisch-linguistische Studien (Schmitz-Berning 1998; Braun 2007; unzureichend hingegen Schlosser 2013).

Alle bisherigen Untersuchungen der LTI erschöpfen sich darin, die euphemistische Bedeutung einzelner (Para)Lexeme herauszuarbeiten und die Widersprüchlichkeit zwischen den Signifikaten (Bedeutungen) und den Referenten (Bezugsobjekten) nachzuweisen. Nun wissen wir spätestens seit der Sprechakttheorie, die die beiden Sprachphilosophen John L. Austin und John R. Searle entwickelt haben, dass durch Äußerungen, sei es mündlicher, sei es schriftlicher Art, von Wörtern und Sätzen Bedeutungen entstehen, mittels derer etwas vollzogen wird (Austin 1981 nennt das „illokutionäre Kraft“; weiterführend Searle1997; Schützeichel 2004). Der in den 1980er Jahren auch in den Geschichtswissenschaften rezipierte „linguistic turn“ hat vollends deutlich gemacht, dass Sprache die Welt verändert, wenn nicht konstituiert (Landwehr 2004: 9-102). Sprache wirkt also performativ, aber wie manifestierte sich das in der NS-Zeit? Welche Praktiken generierte das Paralexem „Volksgemeinschaft“, das nach 1933 so inflationär verwendet wurde? Welche Rolle spielte jenes semantische Feld, das sich um die beiden Lexeme „Volk“ und „Gemeinschaft“ etablierte? Welche Bindungswirkungen ergaben sich aus dem Rückgriff auf dessen einzelne Bestandteile? Jede Analyse, die „Volksgemeinschaft“ im Titel führt, muss diese Fragen in den Mittelpunkt stellen. Wer sie beantworten will, befindet sich unweigerlich auf der Referenzebene „Gesellschaft“ und betreibt Gesellschaftsgeschichte. Wer von „Volksgemeinschaft“ redet, darf also von „Gesellschaft“ nicht schweigen.

Es ist in der Tat eines der hervorstechendsten Kennzeichen der Debatte um „Volksgemeinschaft“, dass sie die Notwendigkeit einer Gesellschaftsgeschichte des NS-Staates ins Gedächtnis gerufen hat. Dieser Bezugspunkt ist von den Befürwortern von „Volksgemeinschaft“ nicht deutlich genug herausgestellt worden. Stattdessen haben sie das Wort vorschnell zum Begriff geadelt und ihm vielleicht einen zu hohen erkenntnistheoretischen Stellenwert attestiert. Die Gegenseite wiederum bestritt die analytische Kraft von „Volksgemeinschaft“, indem sie dem Wort subkutan jedwede Begriffsfähigkeit absprach. Was allerdings verstanden beiden Seiten dabei eigentlich unter dem Begriff „Begriff“? Weder die Pro- noch die Kontrafraktion legten ihr Verständnis davon offen, sondern ließen es im Hintergrund mitlaufen (weshalb es hier auch schwierig ist, eine Referenz anzugeben). Paradoxerweise stimmten ihre Ansichten durchaus überein. Demzufolge müsse ein Begriff definierbar sein, aus einem substanziellen Kern bestehen und etwas erklären. Mit dieser Auffassung, die aus der alteuropäischen Logik des Aristoteles stammt, hat jedoch die moderne Wissenschaftstheorie seit 100 Jahren gebrochen; die Referenzautoren sind Ernst Cassirer und John Dewey. Zeit, dieses Begriffsverständnis auch in die Geschichtswissenschaft einzuführen.

Dieser Rubrik „Arbeit an Begriffen“ liegt, wie im ersten Eintrag bereits erwähnt, Ernst Cassirers (1998-2009 bzw. 1995-2014; dazu Meyer 2006) Erkenntnistheorie des Begriffs zugrunde. Diese ist gekennzeichnet durch drei Aspekte. Erstens gibt ein wissenschaftlicher Begriff die jeweiligen Erkenntnisgegenstände nicht realistisch wieder, sondern er ist eine Funktion des Verstandes zu deren Konstruktion. Daher leistet Wissenschaft als systematisch betriebene Erkenntnis nur eine Konstruktion im Medium der von ihr benutzten Begriffe, und diese sind keine Substanzbegriffe, wie in der aristotelischen Logik, sondern Funktionsbegriffe. Damit ist auch die Abbildtheorie des Begriffs hinfällig. Zweitens ist Cassirer zufolge der wissenschaftliche Begriff eine symbolische Form, die Wirklichkeit konstruiert. Darin unterscheidet er sich nicht von anderen symbolischen Formen wie Sprache, Mythos, Religion und Kunst. Die wechselseitige Bedingtheit fasst Cassirer auch in den Begriff „radikale Metapher“. Begriffe sind demnach metaphorische Operationen, die eine Pars pro Toto-Repräsentation leisten und dadurch Erkenntnisse generieren. Und drittens zielt Wissenschaft nicht auf einzelne Begriffe, sondern auf ein System derselben, strebt mithin einen methodisch geordneten Zusammenhang an. Ohne ein solches Begriffsnetz, so wieder Cassirer, gebe es keine wissenschaftliche Erkenntnis.

Nimmt man Cassirers Erkenntnistheorie zum Maßstab, so steht fest, dass „Volksgemeinschaft“ zuerst einmal nicht unter einem Begriff im Sinne dieser Konzeption zu rubrizieren ist. Das Wort war erstens ein zeitgenössischer Ausdruck, der in vielen unterschiedlichen Quellen auftaucht und dort etwas Konkretes (und nicht Abstraktes) bezeichnet, zweitens war das Wort in actu selbst historisch wirksam und stellte in seiner unmittelbaren Verwendung (nicht in einer nachträglichen wissenschaftlichen Symbolisierung) selbst Wirklichkeit her, und drittens steht es in der Art und Weise, wie es die NS-Forschung momentan gebraucht, für sich selbst, ohne in ein Begriffsnetz eingespannt zu sein. Daraus resultieren nun jedoch die Fragen, inwieweit und mittels welcher Operationen „Volksgemeinschaft“ vielleicht zum Begriff werden kann, der wissenschaftliche Erkenntnis generiert. Dazu bedarf es dreier methodischer Schritte: erstens einer Abstrahierung oder Generalisierung des Wortes „Volksgemeinschaft“, zweitens einer radikalen Verzeitlichung, das heißt, der Wortgebrauch muss als in einer vergangenen Gegenwart gegenwärtiger analysiert werden, und drittens einer Ergänzung durch Komplementärbegriffe.

Wenn wir damit beginnen, das Wort „Volksgemeinschaft“ zum geschichtswissenschaftlichen Begriff umzufunktionieren, befinden wir uns im Bereich der historischen Semantik. Ich habe an anderer Stelle (Nolzen 2013) einen Vorschlag gemacht, wie eine Konzeptualisierung aussehen könnte und zu diesem Zwecke auf Niklas Luhmanns Systemtheorie zurückgegriffen (Luhmann 1984 u. 1997; Luhmann-Handbuch 2012). Nimmt man diese zum Ausgangspunkt, dann muss sich die Analyse von „Volksgemeinschaft“ auf fünf Referenzebenen sozialer Systeme bewegen: Interaktion, Protestbewegung, Organisation, Funktionssysteme und Weltgesellschaft. Es bedarf einer Hinwendung zu dem, was ich eine „operative Semantik“ genannt habe, die wiederum mit einer (systemtheoretischen) Medientheorie einhergehen muss. Diese fragt nach der Verwendung von „Volksgemeinschaft“ in Verbreitungsmedien (Zeitungen, zeitgenössische Schriften und Versammlungen) sowie Steuerungsmedien (Macht, Geld, Information und Recht). Es geht also um die Funktion der Verwendung von „Volksgemeinschaft“ im jeweiligen historischen Kontext. Natürlich ist das Wort im Rahmen einer historischen Semantik nicht als Einzelbegriff, sondern als semantisches Feld aus Lexemen, Paralexemen und Syntagmen („Volk“, „Volksgenossen“, „Volkstumspolitik“, „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“) zu analysieren. Dieses semantische Feld operierte auf den fünf genannten Ebenen, um in Luhmanns Terminologie zu bleiben, mittels Themen (Interaktionen), Motiven (Protestbewegung), Selbstbeschreibungen (Organisationen), Zweckprogrammen (Funktionssysteme) und einer Kontingenzformel (Weltgesellschaft).

Was ist mit diesen abstrakten systemtheoretischen Begriffen (!) im Einzelnen gemeint? Zunächst zu „Interaktion“ als erster Ebene oder, wie es Dirk Baecker (2007: 104-137) ausdrückt, Form des Sozialen. Interaktionen vollziehen sich unter der Bedingung von Anwesenheit und Abwesenheit; anwesende Personen werden als Adressaten der Kommunikation behandelt, abwesende Personen nicht (Luhmann 1997: 813-826; Kieserling 1999: 15-32). Diese Form des Sozialen ist, da sie an körperliche Kopräsenz gebunden ist, äußerst fluide, denn jedes Hinzutreten von Personen, jedes kommunikative Verstummen verändert die Interaktion. Diese benötigt daher Strukturen, und als solche dienen ihr, wie Luhmanns Schüler André Kieserling gezeigt hat (ebd.: 179-210), Themen. Themen gestatten es dem Interaktionssystem, unbestimmbare in bestimmbare Systemkomplexität zu transformieren. Themen strukturieren Interaktionen (aber weil Interaktionen auch Bestandteil der Gesellschaft sind, sind Themen auch gesellschaftlich verfügbar). Das semantische Feld, das sich nach 1933 um „Volksgemeinschaft“ anlagerte, generierte eine Masse solcher Themen.

„Interaktion“ ist nachgerade ubiquitär und kommt auch in den vier anderen Formen des Sozialen vor. Damit können insofern fast alle Phänomene des „Dritten Reiches“ analysiert werden. Aus diesem Grund ist die NS-Forschung außerordentlich interaktionsfixiert, was sich insbesondere anhand der Gewaltforschung zeigen lässt. Einen empirischen Nachweis, dass die Semantik der „Volksgemeinschaft“ auch die NS-Gewalttaten bestimmte, ist dabei jedoch nicht geführt worden, weil diese Analysen andere Akzente setzen und sich für den dadurch vermeintlich vollzogenen Einschluss der Täter und Ausschluss der Opfer in und aus der Gesellschaft interessieren (Wildt 2007; zusammenfassend Nolzen 2012a). Das methodische Problem, wie man überhaupt von einzelnen Interaktionen auf die Referenzebene „Gesellschaft“ gelangt, ist dabei stillschweigend ausgeklammert worden. Der Nachweis, dass „Volksgemeinschaft“ nach 1933 die Interaktionen strukturierte, lässt sich jedoch vergleichsweise leicht führen. Ein erstes empirisches Beispiel ist dem Feld des NS-Feierwesens zu entnehmen (dazu allgemein Freitag 1997; Behrenbeck 2011). Justizreferendar Gerhard Schröder, Jahrgang 1910, seit dem 1. April 1933 Mitglied der Partei und seit Ende 1933 der Sturmabteilung (SA), schrieb seinen Eltern am 24. Juni 1934 Folgendes:

„Gestern Abend war Sonnwendfeier aller nur denkbaren Verbände, bei denen natürlich auch die SA nicht fehlen durfte. So hatten wir das Vergnügen, um 1/2 8 Uhr antreten zu dürfen – langes Warten, umständliches Marschieren auf den Venusberg – wieder langes Warten – und das alles bei ziemlicher Schwüle – bis es dann endlich losging. Das Feuer war sehr schön und ein wirklich erfreulicher Anblick. Alles andere aber war kümmerlich, einfach kümmerlich. Man veranstaltet mit Tausenden von Menschen einen Riesenaufmarsch, der Zeit kostet und Mühe macht und dann – die ganze Feier, Zapfenstreich eingeschlossen, hat eine halbe Stunde gedauert. Bis wir aber wieder zu Hause waren […] war es halb 1 Uhr. Dann durfte man etwas schlafen, um um 3/4 7 Uhr von neuem anzutreten. Dieser Dienst hat uns bis gegen 11 Uhr aufgehalten. Es ist manchmal erstaunlich, wie leichtfertig man mit dem Menschenmaterial, der Zeit und den Nerven umgeht. Und die gestrige Feier war ein erneuter Beweis dafür, daß das allzu viele Feiern nur dazu verführt, alles, was man auf diesem Gebiet veranstaltet, zwar schließlich mit großem technischen Geschick zu tun, daß aber so langsam alles dabei fehlt, was den eigentlichen Sinn ausmachen könnte. Man müßte schon so kindlich sein anzunehmen, daß Volksgemeinschaft dadurch geschaffen würde, dass man große Menschenmassen oft zusammenkommen läßt. Das erzielt auf Dauer mit Sicherheit das Gegenteil“ (Opelland 2002: 90; allgemein Nolzen 2013: 57).

In der NS-Forschung hat es sich eingebürgert, auf den Inszenierungscharakter solcher offiziöser Feierveranstaltungen der NSDAP hinzuweisen, wie sie sich auch vorstehendem Zitat entnehmen lässt. Die Inszenierung, das ist für die hier vertretene Argumentation wichtig, vollzog sich aber unter Rückgriff auf den Begriff „Volksgemeinschaft“! Dieser fungierte als indirekte thematische Rahmung, und zwar als Schema, um an dieser Stelle einmal eine aus der kognitiven Psychologie stammende Bezeichnung einzuführen, mittels dessen die Akteure spezifische soziale Praktiken implementierten. Die andauernde Thematisierung von „Volksgemeinschaft“ rief in deren Köpfen schematisierte Vorstellungen von Masse, Einheit und Gemeinschaft hervor, die sich (auch) in der ritualisierten Ausgestaltung von NS-Feiern niederschlugen.

Es gibt aber auch wesentlich direktere Beispiele für die thematische Rahmung von Interaktionen durch „Volksgemeinschaft“. Dazu sei an dieser Stelle nur eine Episode aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges genannt. Darin geht es um die so genannten Freimachungen der westlichen Grenzgaue, also einer Evakuierung von Teilen der dort ansässigen Bevölkerung ins Reichsinnere, die aus militärischen Erwägungen heraus erfolgte. Den davon betroffenen Personen hätten eigentlich staatliche Fürsorgeleistungen zugestanden. In einigen Gegenden Mitteldeutschlands um Magdeburg, Jena und Gera wurde aber folgende Verfahrensweise der Kommunen gemeldet: Wenn sich Antragsteller auf Kost- und Unterbringungsgeld bei den Ratsherren einfanden, wurde ihnen „ein längerer Vortrag über Volksgemeinschaft gehalten, der in den meisten Fällen den Erfolg hat, dass die Leute sich entschließen, doch ›freiwillig‹ auf die Erstattung der Unkosten für die Ernährung der Evakuierten zu verzichten“ (Deutschland-Berichte VII 1980: 36; Nolzen 2012b: 256). Das Thema dieser Interaktion war also „Volksgemeinschaft“, und die Verwendung des Wortes durch die eine Seite führte zu einem vorübergehenden Verzicht auf individuelle Rechte durch die andere, unabhängig davon, ob dieser freiwillig oder unfreiwillig erfolgte.

Nun zu „Protest“ als zweiter Form des Sozialen. Sie basiert auf der Differenz zwischen Protest und Affirmation, generiert also spezifische Praktiken des Protests, die sich zugleich im Bereich der Affirmation bewegen (Ahlemeyer 1995; Hellmann 1996; Luhmann 1996; Baecker 2007). Protestbewegungen organisieren Motive oder commitments, Bindungen (Luhmann 1996: 202). Sie stellen damit ins Zentrum, was andernorts über Mechanismen wie Geld, Zweckidentifikation, Anziehungskraft durch Handlungen, Zwang und auch Kameradschaft stimuliert werden muss: Mitgliedschaftsmotivation (Kühl 2011: 37-45; Kühl 2014: 94-221). Die Form „Protest“ war im NS-Staat bei weitem nicht so verbreitet wie „Interaktion“. Als Analysebereich kommt jedoch die gesamte Widerstandsforschung in Betracht, und damit ein weites Feld an informellen Gruppen, die sich zu je unterschiedlichen Zeitpunkten entschlossen, das NS-System zu stürzen. Inwiefern dies mit dem semantischen Feld von „Volksgemeinschaft“ zusammenhing, ist aus den bisherigen, Bibliotheken füllenden Untersuchungen zum Widerstand gegen das NS-Regime nicht ersichtlich (zur Einführung Lexikon 1994). Eine kursorische Lektüre der Schriften Alfred Delps, eines Jesuiten und Angehörigen des Kreisauer Kreises, fördert jedenfalls einen sporadischen Gebrauch der Vokabel „Volksgemeinschaft“ zutage, wenn auch in Verbund mit dem Adjektiv „wahre“ (Alfred Delp 1982-1988; Bleistein 1989).

Das eigentliche Analysefeld der Form „Protest“ dürfte aber die Geschichte der NSDAP vor 1933 sein. Zwar ist diese in der Forschung bislang immer als Partei des Protests gegen die Weimarer Republik bezeichnet worden (Paul 1990; Falter 1991; Rösch 2002). Ihre Anziehungskraft ist bislang fast ausschließlich auf ihre überlegene Propaganda oder eine wachsende Unzufriedenheit mit der Weimarer Republik zurückgeführt worden. Demgegenüber muss der Aufstieg der NSDAP viel stärker als bisher aus dem Zusammenspiel beider Faktoren erklärt werden. Das Argument ist ein zirkuläres: zum einen gelang es der NSDAP über die Form „Protest“, die bestehende Unzufriedenheit mit der Weimarer Republik zu bündeln, zum anderen verstärkte sie sie durch die Politisierung immer neuer Themen. In der NSDAP war das gleichbedeutend mit dem so genannten Legalitätskurs, das heißt, sie wollte über die Beteiligung an Wahlen die politische Macht in einem demokratischen Staat erlangen, um diesen zu zertrümmern. Wie verhielten sich nun die Form „Protest“ und das Wort „Volksgemeinschaft“ zueinander?

Vor 1933 kristallisierten sich unter den Themen, die die NSDAP benutzte, Motive heraus, die eine besondere Anziehungskraft auf ihre Aktivisten entwickelten. Einige lassen sich einer Schrift von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels von 1925 entnehmen. Darin hieß es: „Welches Ziel hat sich der nationalsozialistische Freiheitsgedanke gesetzt? Die Volksgemeinschaft aller ehrlich schaffenden Deutschen! Was ist der Inhalt dieser Volksgemeinschaft? Für jeden deutschen Volksgenossen Freiheit und Brot! Wer ist unser deutscher Volksgenosse? Jeder ehrlich schaffende Deutsche, sofern er deutschen Geblütes, deutscher Sitte und deutscher Kultur ist und die deutsche Sprache spricht! […] Was ist nationalsozialistische Volksgemeinschaft? Nationalsozialistische Volksgemeinschaft ist die erzielte Verständigung der Volksgenossen untereinander, mithin der Ertrag sozialistischen Denkens und Handelns […]. Wer ist der Hauptfeind dieser kulturellen Erneuerung Deutschlands? Das Judentum, das den deutschen Geist systematisch vergiftet, indem es Kultureinrichtungen wie Presse, Theater, Wissenschaft, Literatur mit lügenhaftem Geist erfüllt“ (Goebbels 1925: 3, 10, u. 16; allgemein Richter 2010).

Die Motive, die Goebbels hier schlagwortartig unter die „Parteigenossen“ brachte, lassen sich in folgende Gegensatzpaare übertragen: „Volksgenossen“ versus „Judentum“, „deutscher Geist“ versus „lügenhafter jüdischer Geist“, Verständigung/Eintracht versus „Vergiftung“/„Zersetzung“. Wir wissen aus der Sammlung von Lebensberichten, die der amerikanische Soziologe Theodore Abel Mitte der 1930er Jahre unter insgesamt 728 „Parteigenossen“ erhoben hatte, dass die Idee der „Volksgemeinschaft“ für viele ein zentrales Motiv gewesen war, um in die Partei einzutreten (Abel 1938: 137-143; Merkl 1975: 453 ff.). Die Anziehungskraft der SA und der Schutzstaffeln (SS) dagegen basierte eher auf einem paramilitärischen Gemeinschaftserlebnis (Reichardt 2002: 390-534). Aber auch hier rekrutierten sich die Motive ihrer Mitglieder aus dem semantischen Feld von „Volksgemeinschaft“. Dies lässt sich insbesondere an den Praktiken der Kameradschaft, der SA-Subkultur und den Sturmführern als spezifisch charismatischer Personengruppe zeigen. Hier amalgamierten das nationalsozialistische Konzept von „Führung“, dessen Semantik bislang kaum analysiert wurde (am besten Laux 1986; allgemein Baecker 2009), mit Vorstellungen von „Gemeinschaft“, die extrem gewaltbasiert waren.

Die dritte Form des Sozialen nach Luhmann ist „Organisation“ (Luhmann 2000; Baecker 1999). Sie basiert auf der Differenz von Mitglied und Nichtmitglied. Organisationen sind also dadurch gekennzeichnet, dass man ihnen entweder angehört oder nicht angehört. Ihr entscheidender Aspekt ist nicht ihre innere Ordnung, sondern die Entscheidung über die Zugehörigkeit zu dieser Ordnung. Organisationen streben danach, die Möglichkeiten der Mitgliedschaft gegenüber der Nicht-Mitgliedschaft zu profilieren (Baecker 2007: 115; eine wichtige Anwendung bei Jüngerkes 2010). Das beste Analysebeispiel für die Form „Organisation“ ist die NSDAP. Sie konstituierte sich vor 1933 zwar in erster Linie als Protestbewegung, sonderte dabei aber auch „Organisation“ ab, um ihre Mitglieder zu integrieren. Und dabei entwickelte sie ein besonderes Verständnis von Mitgliedschaft, das sich einer Zeichnung entnehmen lässt, die im Winter 1931 in der Zeitschrift „Der Illustrierte Beobachter“ erschien und einen NS-Massenaufmarsch nachstellte. Am unteren Rand prangte der Schriftzug „Alle Stände, alle Altersstufen“; in der Mitte war „700.000“ fett über die Zeichnung gepinselt, weil die Mitgliederzahl der NSDAP diese Marke gerade erst überschritten hatte. Unterhalb der Zeichnung fand sich folgender Vers: „Seht, wie die neue Volksgemeinschaft immer mehr/Anschwillt und wächst mit jeder neuen Stunde/Die deutsch sein will in Freiheit, Ehr‘ und Wehr,/Abhold dem roten Weltbe-trügerbunde!/Sie schlingt ihr unzerreißbar Eintrachtsband/Um jedes Alter und um jeden Stand“ (Götz 2001: 115).

Die NSDAP entwickelte also eine Selbstbeschreibungsformel, die darauf hinauslief, dass sie die „Volksgemeinschaft“ repräsentierte. Unter „Selbstbeschreibungsformeln“ versteht Luhmann (1997: 866-1149) alle simplifizierenden Beschreibungen, die soziale Systeme von sich selbst anfertigen, um ihre eigenen Operationen zu dirigieren und so ihren eigenen Sinn zu generieren. Auch in Organisationen existieren solche Selbstbeschreibungsformeln und konstituieren eine spezifische, für ihre alltäglichen Operationen notwendige Semantik (Kieserling 2004: 212-243). In der NSDAP wirkte die Selbstbeschreibungsformel, die „Volksgemeinschaft“ zu repräsentieren, auf eine doppelte Art und Weise. Zum einen musste sie fast notwendigerweise dazu übergehen, die gesamte deutsche Bevölkerung in ihren Apparate aufzunehmen, zum anderen musste sie dafür sorgen, diejenigen, die nicht zu den „Volksgenossen“ zählten, entweder aus ihren Reihen zu entfernen beziehungsweise nicht zur Mitgliedschaft zuzulassen.

Der erste Bereich, die Aufnahme immer neuer „Volksgenossen“ in die NSDAP, brach sich gleich nach dem 30. Januar 1933 Bahn (zum Folgenden Nolzen 2004). Es waren zwei Entwicklungen, die dazu führten, nämlich erstens die freiwilligen Masseneintritte in die Partei beziehungsweise in SA und SS sowie zweitens die so genannte Gleichschaltung, also die Anpassung der meisten bestehenden Vereine und Verbände an die NSDAP und ihre institutionelle Einverleibung in deren Fach- und Berufsorganisationen. Der Prozess der „Gleichschaltung“ beruhte teils auf Zwang (wie bei der Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933), teils auf Freiwilligkeit (wie der vorauseilenden Einführung des „Führerprinzips“ und des „Arierparagraphen“ in vielen Sport- und Freizeitvereinen nach dem 30. Januar 1933 zu entnehmen ist). Das Mitgliederwachstum und ein beschleunigter Strukturwandel gingen in der NSDAP Hand in Hand. Jener zirkuläre, sich selbst verstärkende Prozess basierte auf der permanenten Oszillation zwischen System und Umwelt, das heißt den Personen (psychischen Systemen), die sich zu einem Beitritt bereit fanden, und den Organisationen, die sich der NSDAP mehr oder minder freiwillig anschlossen (dazu allgemein Luhmann 2000: 88-122). Am Anfang aber waren zwei Millionen Aufnahmeanträge, von denen die zuständigen Parteidienststellen im Frühjahr 1933 überflutet wurden.

Zu Kriegsbeginn im September 1939 gehörten schließlich zwei Drittel der Bevölkerung des „Großdeutschen Reiches“ einer oder mehrerer dieser Organisationen an, die zur NSDAP zählten. Sie gliederte sich in vier Komplexe: die Partei, die Gliederungen und die angeschlossenen und die betreuten Verbände. In allen Organisationen, die zu diesen vier Komplexen zählten, war die Selbstbeschreibungsformel der NSDAP relevant, die „Volksgemeinschaft“ zu repräsentieren. Das implizierte auf der anderen Seite den Ausschluss beziehungsweise die Nichtaufnahme derer, die nicht als „Volksgenossen“ oder als „unerwünscht“ galten. In der Partei, ihren Gliederungen sowie den angeschlossenen und betreuten Verbänden gab es unterschiedliche Bestimmungen bei den Zugangsvoraussetzungen; die wichtigsten Ausschlusskriterien waren „Rasse“, frühere politische Betätigung gegen die NSDAP und „asoziales“ Verhalten. In der Partei und in den Gliederungen waren Juden, so genannte jüdische Mischlinge ersten und zweiten Grades, Freimaurer, Theologen und „Reaktionäre“ prinzipiell von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. In den angeschlossenen Verbänden existierten davon teils abweichende Regelungen (generell Meyer 1999: 252-259).

Die NSDAP kannte erstens Kooptationsorganisationen (Partei, SS), zweitens berufsständische Pflichtorganisationen, zum Beispiel die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) und die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (NSKOV), drittens Pflichtorganisationen auf gesetzlicher Basis, also Hitler-Jugend (HJ) und Deutsche Arbeitsfront (DAF), und viertens die Frauenorganisationen, also die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF) und das Deutsche Frauenwerk (DFW). Nur die Kooptations- und die Pflichtorganisationen auf gesetzlicher Basis entschieden über Zugehörigkeit wie Nichtzugehörigkeit. Sie konnten Mitglieder mittels einer eigenen Disziplinargerichtsbarkeit ablehnen und ausschließen (Parteigerichtsbarkeit, Hauptamt SS-Gericht, HJ-Gerichte und soziale Ehrengerichtsbarkeit der DAF). Generell operierten alle Organisationen der NSDAP auf der Basis des semantischen Feldes um „Volksgemeinschaft“, und zwar bei allen Entscheidungen, die sie über Mitgliedschaft/Nichtmitgliedschaft, Stellen/Personal und Programme/Routinen trafen. Die DAF verstand sich als umfassende, „Volksgemeinschaft“ konstituierende Organisation. Ihr Leiter, Robert Ley, drückte diesen Totalitätsanspruch wie folgt aus: „Der Proklamierung des Volksgemeinschaftsgedankens haben wir nunmehr das praktische Exerzieren dieser Gemeinschaft folgen lassen“ (Mehnert 1938; allgemein Smelser 1989).

Die vierte Form des Sozialen, für die die Semantik der „Volksgemeinschaft“ in einer spezifischen Art und Weise operativ relevant war, sind die Funktionssysteme der NS-Gesellschaft. Folgt man Luhmann (1997: 595-812; Luhmann-Handbuch 2012: 41-46), so ist die moderne Gesellschaft, wie sie sich spätestens seit dem 18. Jahrhundert in Westeuropa und Nordamerika ausbreitete, durch einen Primat funktionaler Differenzierung gekennzeichnet. Sie besteht aus untereinander gleichrangigen Funktionssystemen wie Politik, Wirtschaft, Recht, Wissenschaft, Religion, Kunst und Erziehung, die auf der Ebene der Gesellschaft exklusive Funktionen erfüllen. Dabei kann kein Funktionssystem durch ein anderes ersetzt oder gesteuert werden. Die Funktionssysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einer exklusiven binären Codierung beruhen: die Politik auf machtüberlegen/machtunterlegen (alternativ: Regierung/Opposition), die Wirtschaft auf Zahlen/Nichtzahlen (alternativ: Eigentum/Eigentumslosigkeit), das Recht auf Recht/Unrecht, die Wissenschaft auf Wahrheit/Unwahrheit, die Religion auf transzendent/immanent, die Kunst auf schön/hässlich und das Erziehungssystem auf bessere Zensur/schlechtere Zensur (alternativ: vermittelbar/nicht vermittelbar). Die binäre Codierung ist ein Operator, der das Prozessieren des Funktionssystems garantiert. Die Zuteilung der jeweiligen binären Werte erfolgt von Operation zu Operation über Programme. In Gang gehalten wird dieses Zusammenspiel von Codierung und Programmierung durch Kontingenzformeln, die die Übersetzung (besonderer) unbestimmbarer in (besondere) bestimmbare Kontingenz anleiten (Luhmann 1977: 90). Jedes Funktionssystem hat eine exklusive Kontingenzformel, mittels derer die im Prinzip unbegrenzten Möglichkeiten der eigenen Operationen auf die notwendigen funktionalen Spezifikationen eingeschränkt werden.

Was hat das alles mit dem Problem „Volksgemeinschaft“ zu tun? Um dies zu verstehen, muss man folgende Vorannahme unterstellen: die Vorannahme, dass das Deutsche Reich nach 1933 ebenfalls unter dem Primat funktionaler Differenzierung organisiert war, und zwar unabhängig davon, ob sich dies in Richtung Entdifferenzierung änderte oder nicht (allgemein Luhmann 2010). Dies heißt, dass die verschiedenen Funktionssysteme operativ (zunächst) voneinander unabhängig blieben und dass in diesem Setting das Wort „Volksgemeinschaft“ eine besondere Bedeutung bekam. Welche dies war, wird im Folgenden anhand der Funktionssysteme „Recht“ und „Erziehung“ exemplifiziert. Zunächst einmal ist, entgegen dem in der NS-Forschung praktizierten Ansatz (Pars pro Toto Gruchmann 1989; die einzige Ausnahme ist Herbers 2012), eine operative Trennung zwischen dem System „Politik“ und dem System „Recht“ auch unter den Bedingungen der NS-Diktatur anzunehmen (Luhmann 1981, 1993 u. 2013). Alle Versuche, das Rechtssystem nach 1933 politisch zu steuern, brachen sich an dessen operativer Eigenlogik, da sie die binäre Codierung, also die Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht, intakt ließen. Die Neujustierung des Rechts und dessen Umwertung im Sinne des Nationalsozialismus ging vielmehr auf eine andere Weise vonstatten.

Wie dies genau funktionierte, hat Michael Stolleis (1974) vor mehr als 40 Jahren gezeigt. Zwar gelang es dem NS-Staat nicht, Gemeinschaftsformeln in der Rechtssprache zu etablieren. Wohl aber wurde das semantische Begriffsfeld von „Gemeinschaft“ erfolgreich als neues „ethisches Prinzip vor die Klammer der Rechtsordnung“ gezogen (1972: 27 f.), um in der Rechtsauslegung aus den traditionellen Texten neue, mit Nationalsozialismus kompatible Ergebnisse zu gewinnen. Bernd Rüthers (2012) hat dieses Prinzip in einer klassischen Monografie von 1968 als Prinzip der „unbegrenzten Auslegung“ bezeichnet. Die Urteile der NS-Gerichte richteten sich mehr und mehr danach, wie sie im Einzelfall das Wort „Volksgemeinschaft“ inhaltlich füllten. Mit Luhmann auf den Punkt gebracht, transformierte das Rechtssystem nach 1933 seine eigene Kontingenzformel „Gerechtigkeit“, indem es sie unter Bezugnahme auf das Wort „Volksgemeinschaft“ und dessen semantische Derivate umprogrammierte. Welchem Verhalten man also entweder den Codewert Recht oder Unrecht zubilligte, wurde im Gerichtsverfahren immer wieder neu bestimmt, indem der Urteilsfindung das Prinzip „Recht ist, was dem Volke nützt“ beziehungsweise das Kriterium des „gesunden Volksempfindens“ vorgeschaltet wurde. Die NS-Justiz implementierte insofern „volksgemeinschaftliche“ Zweckprogramme (Luhmann 1973: 257-342) im Funktionssystem „Recht“, ließ die Kontingenzformel „Gerechtigkeit“ dabei aber intakt.

Das zweite Beispiel, in dem sich eine Zweckprogrammierung der Kontingenzformel durch das Wort „Volksgemeinschaft“ nachweisen lässt, ist das Erziehungssystem. In einem Aufsatz von 1940 umriss Friedrich Schmidt, der damalige Leiter des Hauptschulungsamtes der NSDAP, die Ziele der NS-Erziehung wie folgt: „Das nationalsozialistische Erziehungsziel ist die Erziehung zur Volksgemeinschaft […]. Die Erziehung zur Gemeinschaft der Deutschen, zur Anerkennung des Leistungsprinzips und der Gerechtigkeit als den drei Voraussetzungen des deutschen Sozialismus, baut auf der Erkenntnis auf, daß die deutschen Menschen Genossen desselben Blutes sind und damit Träger derselben Ehre. Wir müssen darum den liberalistischen, marxistischen und kirchenpolitischen Erziehungsvorstellungen jegliche Geltung nehmen. Die Autorität von Führer und Volksgemeinschaft beherrscht die nationalsozialistische Erziehung […]“ (Schmidt 1940: 3; allgemein Wegehaupt 2012). Die Kontingenzformel „Bildung“ sollte im Erziehungssystem so umprogrammiert werden, dass sie den Zielsetzungen eines „deutschen Sozialismus“ zum Durchbruch verhalf.

Innerhalb der kommunikativen Operationen des Erziehungssystems manifestierte sich dies in einer Reihe von Reformen. Dies betrafen die Lehrpläne an den Grundschulen, den mittleren und höheren Schulen, deren Inhalte auf den Nationalsozialismus ausgerichtet wurden (am sichtbarsten in den Fächern Biologie und „Rassenkunde“), die Formations- und Lagererziehung, wie sie etwa in der HJ zum Ausdruck kam, die „Berufserziehung“ im Berufs- und Fachschulwesen und deren Ausrichtung auf ein besonderes NS-Arbeitsethos, das Universitätsstudium mit seinen neuen Studien- und Prüfungsordnungen und dem Entzug der Doktorgrade bei Juden, die „deutsche Wissenschaft“ nach dem Übergang zum Vierjahresplan im Oktober 1936 und viele andere Aspekte, wie sie von der Forschung in den letzten drei Dekaden herausgearbeitet worden sind (Otto/Sünker 1989 u. 1991; Keim 1995-1997; Horn/Link 2011; Nagel 2012). Die Instanzen des Erziehungssystems stellten den Erwerb von Fertigkeiten ins Zentrum, die dem „Volk“ nützen sollten. Es versteht sich von selbst, dass die „objektiven Gegner“ des NS-Staates, also Juden, so genannte Zigeuner, Polen und andere von dieser Art „Bildung“ ausgeschlossen wurden.

Nach diesen zwei Beispielen für die (operativ von den Funktionssystemen selbst vollzogene) Zweckprogrammierung ihrer Kontingenzformeln nach 1933 jetzt zur letzten Form des Sozialen: „Weltgesellschaft“. Diese hat sich seit dem 18. Jahrhundert ausdifferenziert, und zwar ebenfalls, unter dem Primat funktionaler Differenzierung (Luhmann 1997: 145-170 u. 663-678). Sukzessive entstanden Weltpolitik, Weltrecht, Weltwirtschaft, Weltwissenschaft, Weltreligion, Weltkunst und Welterziehung. Als Zweitdifferenzierung der Weltgesellschaft fungiert deren segmentäre Einteilung in Nationalstaaten und nationale Rechts-, Wirtschafts-, Wissenschafts-, Religions-, Kunst- und Erziehungssysteme. Luhmanns Theorie der Weltgesellschaft ist von Rudolf Stichweh (2000, 2005 u. 2010) weiterentwickelt worden. Er geht davon aus, dass sich die Codierung der Weltfunktionssysteme sukzessive in Richtung des Supercodes von Inklusion und Exklusion ändert; eine These, die Luhmann (1997: 618-634; kritisch Farzin 2006) seinerzeit nicht mehr ausgearbeitet hat. Auf jeden Fall zeigt die Theorie der Weltgesellschaft, dass Kommunikationen als operative Basis des Sozialen weltübergreifend sind (allgemein Wobbe 2000).

Für die Geschichte des NS-Staates nach 1933 kommen zwei Bereiche der weltgesellschaftlichen Analyse in Betracht: erstens die transnationalen Transfer- und Austauschprozesse mit anderen Staaten, die Kiran Klaus Patel (2003) und Wolfgang Schivelbusch (2005) vorgeführt haben. Sie bezogen sich auf alle Funktionssysteme der Weltgesellschaft und kulminierten schließlich im Zweiten Weltkrieg (aus methodischer Sicht Patel 2004a, b). Zweitens geraten die Bemühungen des NS-Regimes in den Blick, die eigenen operativen Praktiken ins Ausland zu exportieren. Sie vollzogen sich im Funktionssystem „Weltpolitik“ und wurden in erster Linie mittels der Form „Organisation“ implementiert. Man denke etwa an die Versuche der NSDAP, die 25 Millionen „Auslandsdeutschen“, die über allen Länder der Erde verstreut lebten, „gleichzuschalten“ und mit NS-Gedankengut zu durchdringen (Jacobsen 1968; Lumans 1993). Man denke aber auch an den Übergang zur militärischen Expansion seit 1938/39 und die NS-Besatzungspolitik (Madajczyk 1983-1984). Auf dem Höhepunkt des kriegerischen Siegeszuges des Deutschen Reiches zwischen Sommer 1940 und Herbst 1941 stand fast ganz Europa unter dessen Herrschaft.

Welchen Stellenwert besaß „Volksgemeinschaft“ im Rahmen des zweiten Analysefeldes, also der Versuche, den Nationalsozialismus mittels „Organisation“ zu exportieren? Generell nehme ich an (dies ist aber eine bloße Arbeitshypothese), dass das Wort „Volk“ sich nach 1933 kontinuierlich in eine Kontingenzformel des Weltpolitiksystems verwandelte. Die NS-Außenpolitik nach 1933, die auf eine Revision des Versailler Vertrages ausgerichtet war (Lüdicke 2014), stellte den Begriff „Volk“ ins Zentrum; die NS-Besatzungspolitik wurde mit dem geflügelten Schlagworten „Volk ohne Raum“ und „Lebensraum“ gerechtfertigt (Jureit 2012). Schließlich sind sowohl die Implementierung des Genozids an den europäischen Juden (Friedländer 1998-2006) als auch die NS-Massenmorde an den autochthonen Bevölkerungen in den besetzten Gebieten ein Beleg für die These, dass sich parallel zur Etablierung einer Kontingenzformel „Volk“ in der Weltpolitik eine neue Supercodierung nach Inklusion und Exklusion entwickelte (allgemein Stichweh 2005: 179-196). Träger dieser Prozesse waren spezifische Organisationen, nämlich das Auswärtige Amt und die in dessen Umfeld tätigen Kulturapparate sowie halbstaatliche Verbände, zum Beispiel der Verein für das Deutschtum im Ausland, die NSDAP und die NS-Okkupationsverwaltungen.

Die immense Bedeutung, die die Auslandsdeutschen für die NSDAP besaßen, lässt sich einer Rede von Stellvertreter des Führers Rudolf Heß entnehmen, der nach der „Machtergreifung“ an Hitlers Stelle die Partei leitete. In einem Grußwort anlässlich einer Fachtagung der deutschen Außenhandelskammern am 28. Juni 1934 in Berlin äußerte er: „Das neue Deutschland braucht und erwartet die Mitarbeit, die seelische und materielle Opferbereitschaft aller seiner Volksgenossen im Ausland. Ihre positive Mitarbeit soll eingegliedert werden in die große deutsche Volksgemeinschaft“ (Heß 1938: 34; ausführlich Pätzold/Weißbecker 1999). Damit brachte er zum Ausdruck, dass für die NSDAP selbstverständlich alle „Auslandsdeutschen“, sofern sie dem NS-Regime positiv gegenüberstanden, zur präsumtiven „Volksgemeinschaft“ dazugehörten. Die Partei, ihre Gliederungen sowie ihre angeschlossenen und betreuten Verbände hatten sich seit Mitte der 1920er Jahre um die „Auslandsdeutschen“ bemüht. Erstens besaß die NSDAP seit der Mitte der 1920er Jahre eigene Dependancen in Österreich, im Saargebiet und in der Freien Stadt Danzig, mit denen sie um eine parlamentarische Mehrheitsbildung kämpfte, um die „Wiedereingliederung“ dieser Gebiete in das Deutsche Reich vorzubereiten. Zweitens ging die NSDAP seit 1933/34 dazu über, ihren Einfluss auf die vielen Vereine, Organisationen und Verbände auszudehnen, die sich seit dem Kaiserreich mit der „Pflege des Auslandsdeutschtums“ befasst hatten. Drittens verfügte sie mit der Auslandsorganisation über einen Apparat, der mehr als 600 Ortsgruppen in fast 100 Ländern umfasste und die dortigen „Reichsdeutschen“ für den Nationalsozialismus zu gewinnen versuchte (Müller 1997). Viertens standen die NSDAP-Gauleitungen an den Grenzen des Deutschen Reiches in Kontakt zu den „Auslandsdeutschen“ in den jeweiligen Nachbarländern und beeinflussten deren Alltagsleben. Und fünftens unterhielten fast alle Gliederungen, angeschlossenen und betreuten Verbände der NSDAP so genannte Auslandsämter, in deren Rahmen sie Treffen mit „Auslandsdeutschen“ organisierten.

Mitte der 1930er Jahre kam es im Sprachgebrauch der traditionellen Träger der NS-Außenpolitik und der Institutionen der NSDAP zu einer signifikanten semantischen Verschiebung. Der Begriff „Auslandsdeutsche“ verschwand, und mehr und mehr war jetzt von „Volksdeutschen“ die Rede, ohne dass diese Bezeichnung unumstritten geblieben wäre. Das Wort „Volksdeutsche“, das mit einer systematischen Verwendung des Wortes „Volkstumspolitik“ einherging, war das Korrelat jenes Strebens nach einer „Volksgemeinschaft“, das sich mit dem Übergang des NS-Regimes zur militärischen Expansionspolitik 1938/39 radikalisierte. In diesem Zusammenhang expandierte die NSDAP sukzessive in fast alle besetzten Gebiete, mit Ausnahme von Vichy-Frankreich, Belgien, Dänemark, Serbien, Griechenland, Italien, Ungarn und der Slowakei, wo Landesgruppen der AO bestehen blieben. Die Inkorporierung der in den besetzten Gebieten lebenden „Volksdeutschen“ in die NSDAP vollzog sich auf dreierlei Art und Weise. Das erste Modell entwickelte sich in den besetzten Gebieten, in denen den „Volksdeutschen“ nach Beendigung der Militärverwaltung die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen wurde. Dazu gehörten die sieben österreichischen „Reichsgaue“, der „Reichsgau“ Sudetenland, das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren, das Memelland und Eupen, Malmedy und Moresnet. Dort wurden die bestehenden „volksdeutschen“ Organisationen aufgelöst und ihre ehemaligen Mitglieder, wenn sie als „würdig“ befunden wurden, in die Partei oder in deren Gliederungen, angeschlossene und betreute Verbände aufgenommen. Ein zweites Modell entwickelte sich in den „Reichsgauen“ Danzig-Westpreußen und Wartheland und im annektierten Ostoberschlesien. Dort konnten die „Volksdeutschen“ noch nicht in die NSDAP aufgenommen werden, weil ihre Staatsangehörigkeit über das langwierige Volklistenverfahren geklärt wurde. Das dritte Modell, das sich im Generalgouvernement, in Luxemburg, in Lothringen, im Elsass, in der Untersteiermark und in Kärnten-Krain herauskristallisierte, bestand in der Gründung „volksdeutscher“ Vorfeldorganisationen.

Die NSDAP in den besetzten Gebieten prozessierte mittels der Entscheidung über Mitgliedschaft und Nichtmitgliedschaft Inklusion und Exklusion (ausführlich Nolzen 2009). Sie beanspruchte, die „Volksdeutschen“ zu „betreuen“ und sich deren Organisationen einzuverleiben. Die NSDAP ging davon aus, dass die „Volksdeutschen“ zur „Volksgemeinschaft“ dazugehörten. Die Art und Weise, wie sie sie integrierte, hing mit deren Staatsangehörigkeit zusammen. Die Entscheidung darüber oblag der inneren Verwaltung, also dem Reichsministerium des Innern und den zivilen Okkupationsbehörden. Je nach dem Stand des Staatsangehörigkeitsverfahrens entwickelte die NSDAP drei Modelle der Integration „Volksdeutscher“: die sofortige Übernahme in die Partei, ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände, eine abgestufte Aufnahme, die der Einteilung der „Deutschen Volksliste“ folgte, und die Bildung „volksdeutscher“ Vorfeldorganisationen der NSDAP. Bei diesen drei Modellen ergab sich eine zentrale Gemeinsamkeit: die Eignung jedes „Volksdeutschen“ wurde individuell geprüft; es bedurfte also dessen aktiver Mitwirkung und Bereitschaft, sich für das NS-Regime einzusetzen. Mit dem Status eines „Volksdeutschen“ und der Aufnahme in die Partei, ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände waren soziale und materielle Vorteile verbunden. „Volksdeutsche“ waren insofern Nutznießer der NS-Politik.

Ist durch die bisher praktizierte Anwendung systemtheoretischer Ansätze, durch die Betrachtung der Formen „Interaktion“, „Protest“, „Organisation“, „Funktionssystem“ und „Weltgesellschaft“, das Wort „Volksgemeinschaft“ schon zu einem Begriff geworden? Sind Cassirers drei Kriterien Generalisierung, Temporalisierung und Komplementarisierung erfüllt? Zunächst einmal muss man mit Reinhart Koselleck (1989: 350) zwei verschiedene Arten von Begriffsverwendung durch den Historiker unterscheiden, nämlich erstens dessen Rückgriff auf die überkommenen Begriffe der Quellensprache, zweitens dessen Rückgriff auf Begriffe, die nicht aus den Quellen stammen. Bei der ersten Verwendungsweise fordert Koselleck eine begriffsgeschichtliche Vorprüfung, um Distanz und Konvergenz des benutzten Begriffs zum heutigen Sprachgebrauch zu ermessen. Bei der zweiten Verwendungsweise führt er als Beispiel die beiden Kategorien „Erwartung“ und „Erfahrung“ an, wobei er seinem eigenen methodischen Postulat der begrifflichen Vorprüfung zuwiderhandelt. „Erwartung“ und Erfahrung“ werden Koselleck gleichsam zu überzeitlichen Kategorien, ohne die eine Geschichte gar nicht möglich erscheint. Insofern ist davon auszugehen, dass der Historiker immer Quellensprache und wissenschaftliche Kategorien zugleich gebraucht, wenn er Geschichte schreibt. Zum einen nutzt er die die gesamten lexikalen Möglichkeiten der Sprache (und dabei kann er nicht einfach eine oder mehrere Sprachen aus vergangenen Zeiten wie die LTI aus seinem Wortschatz herausnehmen), zum anderen bedient er sich der Begriffe der Nachbardisziplinen, also genuin wissenschaftlicher Konzepte.

Die Debatte über „Volksgemeinschaft“ kann überdies den Beginn einer kritischen Begriffsarbeit seitens der NS-Forschung markieren. Diese ist bislang ja nicht durch elaborierte methodische und begriffliche Überlegungen hervorgetreten (es gibt ja auch noch keine Zusammenstellung der von ihr benutzten Begriffe!). Dabei wird immer auch darüber zu diskutieren sein, welche Begriffe wie weiterverwendet werden sollen und welche nicht. In punkto „Volksgemeinschaft“ scheint mir die von Cassirer für Begriffe geforderte Generalisierung, also die Verwandlung von Konkretem in Abstraktes, durch die methodisch kontrollierte Verwendung systemtheoretischer Konzepte und die Heuristik eines semantischen Feldes bereits erreicht. Ähnliches gilt für die Temporalisierung, denn Luhmanns Systemtheorie erfordert eine operative Semantik, bei der nur die jeweils in der vergangenen Gegenwart verwendeten Bedeutungen einer Rolle spielen dürfen. Sie garantiert also geradezu Temporalität! Schließlich dürfte deutlich geworden sein, wie das Begriffsnetz aussehen könnte, das mit „Volksgemeinschaft“ einhergeht. Auf einer oberen Ebene gehören dazu Begriffe wie Interaktion, Protestbewegung, Organisation, Funktionssystem und Weltgesellschaft. Auf einer mittleren Ebene zu nennen sind Themen, Motive, Selbstbeschreibungsformeln, (binäre) Codierung und Zweckprogrammierung, Kontingenzformeln und Inklusion/Exklusion. Und auf einer unteren Ebene sind es Begriffe, die aus dem semantischen Feld von „Volksgemeinschaft“ herausragen, also „Volk“, „Gemeinschaft“, „Volksgenossen, „Führung“ etc.

Dabei ist allerdings zu bedenken, dass es sich bei der letzten Ebene um affektgeladene Begriffe, wenn nicht „Pathosformeln“ (Aby Warburg) handelte, die der Historiker mit Samthandschuhen anfassen muss. Dies wusste auch Helmuth Plessner, der 1924 den „Gemeinschaftsradikalismus“ der Weimarer Zeit so harsch kritisiert hatte. Eine Dekade später veröffentlichter er im Züricher Max Niehans Verlag ein Buch, das er „Das Schicksal deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerliche Epoche“ betitelte. Es ging zurück auf Vorträge zur Einführung in die deutsche Philosophie, die er 1934/35 an der Universität Groningen im niederländischen Exil gehalten hatte. Plessner war von der Frage nach den geistigen Ursprüngen des Nationalsozialismus ausgegangen, um dessen Siegeszug zu erklären. Eines seiner Argumente, das er im 3. Kapitel „Nicht Staat, sondern Volk. Der römische Komplex“ ausbreitete, war die These vom übersteigerten Romantizismus, exemplifiziert anhand der besonderen Affektgeladenheit des Begriffes „Volk“, der sich Ende des 18. Jahrhunderts in Preußen und vielen deutschen Kleinstaaten ausgebreitet hatte (Plessner 1982: 58-72; allgemein Koselleck 2003: 359-380).

In seinen Ergänzungen von 1959, nachdem er dieses Buch in „Die verspätete Nation“ umbenannt hatte, verfasste Plessner (1982: 217-222) ein interessantes Addendum zu Kapitel 3, in dem es ihm hauptsächlich um die Gründe des tiefsitzenden Antisemitismus in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging. Den Hauptgrund sieht er in einem Konkurrenzverhältnis von Deutschen und Juden als „Völker“. Plessner schloss dieses Addendum mit folgenden Sätzen: „Gibt es einen stärkeren Beweis für diese Ähnlichkeit im Schicksal, als daß die Deutschen in ihrer Furcht vor Überfremdung sogar die archaische Denkweise der alttestamentarischen Volksfrömmigkeit übernehmen und von Halb-, Viertel- oder Achtel-Juden, von Reinheit des Blutes und völkischem Geist sprechen konnten; daß sie sich, wenn auch in biologischer Ausdrucksweise des Rassentheorems und der Vererbungswissenschaft, dem vorchristlichen Stammesdenken ihres vermeintlichen Gegners […] anzugleichen suchten?“ (ebd.: 221 f.). Es ist also auch noch notwendig, die operative Verwendungsweise des Begriffs „Volk” im Hinblick auf den internationalen Kontext zu analysieren und nach Übersetzungen dieses Wortes oder auch nach funktionalen Äquivalenten in anderen Sprachen zu suchen. Exakt dies meint ja auch die Rede von der Kontingenzformel „Volk“ im Funktionssystem „Weltpolitik“.

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