Die Reisen des Historikers XI

von arminnolzen

Berlin, 13. und 14. Oktober 2016

„Denn Herrschaft ist im Alltag primär: Verwaltung“, so der berühmte Satz Max Webers, der am Ende des dritten Paragrafen von „Die Typen der Herrschaft“ steht, wie er sie in seinem Fragment gebliebenen Mammutwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“ in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erörtert hat (Weber 2013: 459; generell Radkau 2005). Dass Weber hierbei primär an den Typus der legalen Herrschaft mittels bürokratischem Verwaltungsstab dachte, ergibt sich schon aus dem Kontext dieses Zitates. Natürlich war es Webers ganz ureigene zeitgenössische Erfahrung, also der preußisch-wilhelminische Staat, der das kaum verhüllte Modell für diesen Herrschaftstypus abgab. Dies wiederum lässt seine Soziologie so anschlussfähig für Fragestellungen erscheinen, die sich mit der Geschichte des Deutschen Reiches zwischen 1871 und 1945 befassen. Und das gilt unabhängig davon, für welches weberianische Konzept man sich entscheidet, welchen seiner Idealtypen man für die Analyse fruchtbar macht. Festzuhalten ist nur: wenn Herrschaft im Alltag primär Verwaltung ist, dann gilt das auch für die NS-Zeit. Wer sich in der NS-Forschung auch immer auf Weber beruft, muss daraus die Konsequenz ziehen, sich primär mit Verwaltungen zu befassen (jedenfalls, wenn dem NS-Regime das Attribut „Herrschaft“ nicht entzogen oder deren von Weber unerörterte sekundäre und tertiäre Aspekte behandelt werden sollen).

Verwaltungsgeschichte scheint ohnedies im Kommen zu sein, führt man sich die Forschungen zu den je eigenen Behördenvergangenheiten vor 1945 vor Augen, die viele Bundesministerien und andere öffentliche Institutionen in den letzten Jahren in Auftrag gegeben haben (Mentel/Weise 2016). Dabei hat sich offenbar ein weitgehender Vernetzungsbedarf ergeben, den die Bearbeiter der verschiedenen Auftragsprojekte zu verspüren scheinen, wie ich anlässlich von Gesprächen und Korrespondenzen mit mir bekannten, an den Auftragsarbeiten beteiligten Personen erfahren habe. So wunderte es mich auch nicht, dass ich am 28. Juli 2016 durch ein Schreiben zu einem Workshop „Die Geschichte der Ministerialverwaltungen im Nationalsozialismus und der Frühen Nachkriegszeit – Ein Workshop zur Arbeit der bisherigen Forschungsprojekte“ eingeladen wurde, der am 13. und 14. Oktober 2016 im Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin stattfinden sollte. Darin formulierte der Mitveranstalter Henry Marx, der am entsprechenden Projekt des Bundesarbeitsministeriums mitarbeitet, Idee und Zielsetzung des Workshops wie folgt:

„Der Workshop gliedert sich in sechs Sektionen, in denen die Bearbeiter/innen der verschiedenen Aufarbeitungsprojekte zusammen mit anderen ausgewiesenen Forscher/innen in die Diskussion kommen werden. Die Sektionen stehen jeweils im Zeichen einer Querschnittsfrage, welche für die Verwaltungsgeschichte allgemein und die verschiedenen Ministerialverwaltungen im Speziellen von großem Belang sind, um die Diskussion etwas vor zu strukturieren. Dadurch soll es ermöglicht werden, diese Querschnittsfragen aus Sicht der unterschiedlichen Ministerialverwaltungen und Aufarbeitungsprojekte zu beleuchten, miteinander in Beziehung zu setzen und vergleichbar zu machen. Wir würden Sie gerne als Teilnehmer für die Sektion ‚Staat und Staatlichkeit‘ gewinnen. Näheres entnehmen Sie bitte dem Konzeptpapier, das wir Ihnen angehangen haben. In dem Konzeptpapier finden Sie u.a. die Querschnittfragen, welche die jeweiligen Sektionen prägen werden. Die Sektionen dienen dem Austausch und der Diskussion, weswegen wir auf Vorträge und Referate verzichten. Stattdessen erbitten wir von allen TeilnehmerInnen unter Bezugnahme der Querschnittsfrage ein kurzes working paper, das in Stichworten gehalten werden kann und im Umfang eine halbe bis ganze Seite ausmachen sollte. Dieses Papier bräuchten wir bis zum 15. September. Die working papers dienen dazu, in Vorfeld die Diskussion strukturieren zu können und erleichtern obendrein den Rapporteuren, ihre Berichte aus den Sektionen für das Plenum vorzubereiten. Nähere Details zum Ablauf finden Sie ebenfalls im Konzeptpapier“.

Die Veranstalter schickten folgendes Konzeptpapier (Stand: Juli 2016), gemeinsam verfasst von Ulrike Schulz, Annette Weinke, Henry Marx und Hans-Christian Jasch:

„1. Konzept zur Tagung

Das Einsetzen einer Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amtes im Nationalsozialismus 2005 und die damit einhergehende öffentliche Debatte hat eine Welle von Folgeprojekten ausgelöst. Beinahe alle Bundesministerien, die als Nachfolgeorganisation von Ministerien aus der NS-Zeit gelten müssen, sahen sich dazu aufgefordert, auch ihre Geschichte der Jahre 1933-1945 und zum Teil auch personelle und inhaltliche Kontinuitäten danach prüfen und bearbeiten zu lassen. Zum aktuellen Stand, im September 2015, existieren die Unabhängige Historiker-Kommissionen des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), des Bundesministeriums der Finanzen (BMF), des Bundesnachrichtendienstes (BND), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI), des Ministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Bundesministeriums des Innern (BMI). Seit dem Jahr 2014 haben auch die Länderregierungen von Bayern und Baden-Württemberg Projekte angestoßen, um die Geschichte der Landesministerien aufzuarbeiten.

Alle diese Projekte zur Geschichte der jeweiligen Ministerien unterscheiden sich voneinander; sie setzen teils erheblich andere inhaltliche und zeitliche Schwerpunkte und akzentuieren somit je unterschiedlich die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der Kontinuitätslinien in die Bundesrepublik und in die DDR. Jedes dieser Projekte hat zudem eine andere Organisationsstruktur, verschiedene Laufzeiten und Forschungskonzeptionen. Diese unterschiedliche Anlage der Projekte ist auch der entscheidende Grund, warum eine gemeinsame Absprache der Projekte untereinander nur vereinzelt diskutiert worden ist. Zwischen den jeweils beteiligten wissenschaftlichen Bearbeiter/innen findet ein Austausch über die jeweils eigenen Projekte mehr oder weniger intensiv statt, Anstrengungen aber, die erarbeiteten Befunde gemeinsam zu diskutieren und daraus gegebenenfalls übergreifende wissenschaftliche Fragestellungen zu generieren, wurden ebenfalls bisher kaum unternommen. Alle Projekte arbeiten daran, eine methodisch reflektierte Verwaltungsgeschichte zu entwickeln – ein Thema, das unter Historikern im Augenblick ein Schattendasein fristet. Dabei wäre es gerade auf der Grundlage neuer Erkenntnisse über die Obersten Reichsbehörden im Nationalsozialismus von großem Interesse, Fragen zu Regierungstechniken oder Staatsvorstellungen jenseits der inzwischen überholten Debatte zu ‚Polykratie‘ im NS-Staat zu stellen und gemeinsam zu diskutieren. Ferner stellt sich im Anschluss an diesen Workshop die Frage, welche Konsequenzen aus den Projekten gezogen werden sollen und wie die Erkenntnisse etwa in Form von Fortbildungsangeboten in Zukunft den Mitarbeiter/innen der verschiedenen Behörden vermittelt werden können, um ein künftiges Berufsethos beeinflussen und vor dem historischen Hintergrund für mögliche aktuelle und künftige Fehlentwicklungen zu sensibilisieren

Der Workshop zur Geschichte der Ministerialverwaltung im Nationalsozialismus im Haus der Wannsee-Konferenz will sich diesem Ziel annähern und ein solches Diskussionsforum bieten. Dabei soll es explizit darum gehen, die Aufgaben der unterschiedlichen Verwaltungsbereiche (Finanzverwaltung, Justizverwaltung, Sozialverwaltung etc.) in ihrem Handeln und ihren Anforderungen zu beschreiben und zu reflektieren. Der Ort der Tagung, das Haus der Wannsee-Konferenz, setzt zudem den Rahmen, die Fragen von Verantwortung, Beteiligung und Mittäterschaft aber auch Handlungsspielräumen und Handlungsalternativen von Verwaltungsbeamt/innen an den nationalsozialistischen Verbrechen und dem Holocaust intensiv zu diskutieren. Für beide Themenstränge ist es das explizite Ziel des Workshops, nicht nur die Einzelprojekte vorzustellen und für sich in Betracht zu ziehen, sondern vor allem auch die Dimension der interministeriellen Kooperation und Zusammenarbeit – untereinander und mit den Sonderbehörden – zu reflektieren und beispielhaft zu erörtern.

2. Organisation des Workshops

Aufgrund dieser konzeptionellen Überlegungen möchte dieser Workshop nicht nur ein Forum für die bereits veröffentlichten oder bereits erarbeiteten Ergebnisse aus den jeweiligen Einzelprojekten bieten. Von Bedeutung ist es für die Organisator/innen, dass auf dem Workshop die Gelegenheit geboten wird, einer interessierten Öffentlichkeit, insbesondere auch den Mitarbeiter/innen der Bundesministerien, erste Forschungsergebnisse der verschiedenen Auftragsprojekte zu diskutieren. Diesen beiden Zielen will der Workshop in seiner Anlage gerecht werden. So sollen, erstens, parallel laufende Sektionen zu vorher festgelegten Querschnittsfragen gebildet werden, in denen sich die jeweiligen Bearbeiter/innen über den Stand der Forschung in den verschiedenen Projekten austauschen können. Zweitens soll eine öffentliche Abendveranstaltung den Workshop komplementieren, um mit der interessierten Öffentlichkeit zu diskutieren, was mit dem so generierten Wissen zukünftig geschehen soll. Es wird folgende Tagungsstruktur vorgeschlagen.

3. Vorschlag zum Program

13. Oktober 2016

9.30-10.00 Uhr: Begrüßung

10.00-12.00 Uhr: Interne parallele Workshops der Projekte

1. Querschnittsfrage – Staat und Staatlichkeit: Dieser Workshop stellt die grundsätzliche Frage zur Einordnung der Ministerialverwaltung in den nationalsozialistischen Staat. Was waren die Aufgabenbereiche der Verwaltung? In welchen Verwaltungsbereichen blieb die Ministerialverwaltung federführend, wann und warum gab sie Steuerungsaufgaben an Parteibehörden ab? Angesichts der neuen empirischen Forschung zu den Ministerien im Nationalsozialismus der letzten zehn Jahre soll der Workshop auch die Rezeption erkenntnisleitender Interpretamente wie Ernst Fraenkels Doppelstaat, Franz Neumanns Behemoth, die Polykratiethese (Martin Broszat u.a.) sowie die Thesen zur Neuen Staatlichkeit (Rüdiger Hachtmann u.a.), das Staatsverständnis Bourdieus oder das Gouvernementalitätskonzept Foucaults reflektieren. Welches Verständnis von Staat und Staatlichkeit legen Historiker bei der Analyse der Ministerialverwaltungen an?

Critical Friend: Stefan Kühl

Diskussionsleitung: Stefanie Middendorf

2. Querschnittsfrage – Inklusion und Exklusion: Dieser Workshop reflektiert den Umgang der Ministerialverwaltung mit Fragen von Rechtsgeltung und Rechtsbeugung. Wie wurden die rassischen Vorgaben in der Verwaltung umgesetzt? Wie haben die Mitarbeiter/innen der Ministerien die Geltung des Rechts und dessen Beugung gegen die Juden, ,Fremdvölkischen‘, Erbkranken, Behinderten und Staatsfeinden interpretiert, für sich verstanden und worauf griffen sie hierbei eventuell auch schon aus den Staats- und Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik zurück? Gab es tatsächlich ein retardierendes und mäßigendes Moment der Ministerialverwaltung gegenüber der Radikalität von Parteibehörden, wie es etwa Dieter Rebentisch u.a. beschreibt? Wie ließe sich dieses fassen und wie weit reichten die Handlungsoptionen der Beamten? Diesen Fragen sollen ebenfalls zum Anlass genommen werden, das Personal der Ministerien in den verschiedenen Ministerien auf Kategorien wie Generation, Parteizugehörigkeit, Religion etc. miteinander zu vergleichen.

Critical Friend: Michael Wildt

Diskussionsleitung: Hans-Christian Jasch

12.00-13.15 Uhr: Mittagspause

13.15-15.15 Uhr: Interne parallele Workshops der Projekte

3. Querschnittsfrage – Reichsverwaltung und Besatzungsverwaltung: In diesem Workshop soll der Einfluss der Reichsministerien und seiner nachgeordneten Bereiche (Mittelstufe, Kreisstufe) in den annektierten und besetzten Ländern thematisiert werden. Auf welchen Handlungsfeldern und in welchem Auftrag waren sie aktiv? Was sind hier besonders wichtige Verwaltungsbereiche? Inwieweit gelang es der Wehrmacht und den Sonderbehörden die ,Traditionelle Verwaltung‘ im Sinne der Zivilverwaltung aus den besetzten Gebieten weitgehend zu verdrängen? Wie funktionierte die Kommunikation zwischen den Verwaltungseinheiten, sowohl im Reich, als auch zwischen Reich und den besetzten Gebieten? Was hat die Ministerialverwaltung von den Verbrechen in den besetzten Gebieten gewusst, inwiefern war sie auch daran beteiligt. Neben den Fragen der Kommunikation mit den nachgeordneten Bereichen soll auch reflektiert werden, wie die Ministerialverwaltung unter den zunehmend prekärer werdenden infrastrukturellen Bedingungen des Krieges weiter arbeiten konnte und inwieweit diese Arbeit das NS-Regime im Zweiten Weltkrieg stabilisiert hat.

Critical Friend: Tatjana Tönsmeyer

Diskussionsleitung: Henry Marx

4. Querschnittsfrage – Reich und Länder/Zentrum und Peripherie: In diesem Workshop geht es um die für die Entwicklung Deutschlands so wichtigen Beziehungen zwischen Reich und Ländern, die sowohl in der Weimarer Republik als auch im Nationalsozialismus strukturell die Möglichkeiten der Ministerialverwaltung ermöglicht als auch eingehegt hat. Wie und über welche Kommunikations- und Weisungsstrukturen konnten die Ministerialverwaltungen gegenüber den Ländern bzw. Gauen ihre Politik durchsetzen. Wie viel Einfluss wiederum konnten die Mittelinstanzen gegenüber den Reichsinstanzen nehmen? In welchen Bereichen gab es Interessenkonvergenzen, wo brachen Konflikte über Ressourcen und Einflusssphären aus? Wie lassen sich die Kommunikations- und Weisungsstrukturen zwischen Reich, Ländern und Kommunen beschreiben? Welchen Eigenanteil der Verwaltung muss den Ländern/Gauen und Kommunen zugewiesen werden, gerade auch bei der Judenverfolgung und Ausgrenzung von ,Reichsfeinden‘?

Critical Friend: Martina Steber

Diskussionsleitung: Ulrike Schulz

15.15-15.45 Uhr: Kaffeepause

15.45-17.00 Uhr: Rapport der Critical Friends aus den Workshops

17.00-18.00 Uhr: Essens- und Umbaupause

18.00-20.00 Uhr: Key-Note Lecture von Bettina Stangneth: ,Systeme morden nicht‘ – Von der Verantwortung für arbeitsteilige Strukturen

20.00 Uhr: Empfang

14. Oktober 2016

10.00-12.00 Uhr: Interner Workshop der Projekte

5. Querschnittsfrage – Kontinuitäten und Konsequenzen: Die Bundesrepublik-Forschung ist sich mehrheitlich darin einig, dass die ,Bewältigungsforschung‘ alter Couleur, die schematisch Nachkriegsbiographien nach ,braunen‘ Flecken absucht, dem spezifischen Spannungsverhältnis von personeller Kontinuität und institutioneller Diskontinuität im westdeutschen öffentlichen Dienst nicht gerecht wird. Offen geblieben ist jedoch bislang, welche Ansätze und Methoden für die historische Erforschung dieser Problematik fruchtbar gemacht werden könnten. Welche Anknüpfungspunkte bietet beispielsweise die neuere Mentalitäts-, Emotions- und Moralgeschichte, die unter dem Stichwort ,Clumsy Democrats‘ die nach 1945 einsetzenden Transformations- und Lernprozesse einzufangen versucht und sich damit unter anderem auch von dem bislang dominierenden Westernisierung-/Liberalisierungsparadigma abzugrenzen versucht?

6. Querschnittsfrage – (Höheres) Beamtentum nach Hitler: Bereits vor der Zeitenwende von 1989/90 hatte die Forschung das Beharrungsvermögen der deutschen Beamtenschaft über die Epochengrenzen von 1918 und 1945 hinweg als Strukturmerkmal deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert herausgearbeitet. Diese Persistenz zeigte sich auch beim Wiederaufbau des öffentlichen Dienstes in der Bundesrepublik, als die alliierten Reformversuche zu einer grundlegenden Reform in den Anfängen stecken blieben und schließlich scheiterten. Vor dem Hintergrund einer mittlerweile breit gefächerten Beamtenforschung wäre daher zu fragen, welche Erkenntnisse durch die Arbeit der laufenden Kommissionsprojekte bestätigt wurden und welche Befunde einer Differenzierung oder Revision bedürfen. In diesem Zusammenhang wäre möglicherweise auch noch einmal die von Curt Garner geäußerte These zu problematisieren, der zufolge die Modernisierung des bundesdeutschen öffentlichen Dienstes gleichermaßen ein Resultat des Generationenwandels wie einer von außen kommenden Politisierung gewesen sei.

Critical Friend: Pascale Cancik

Diskussionsleitung: Annette Weinke

12.00-13.15 Uhr: Mittagspause

13.15-13.45 Uhr: Bericht des Critical Friends aus dem Workshop

13.45-14.30 Uhr: Pause

14.30-17.00 Uhr: Perspektiven der Ministerialgeschichte (Moderierte Podiumsdiskussion mit anschließender Öffnung der Diskussion im Plenum)

7. Querschnittsfrage – Bundesbehörden im Spannungsfeld von Politik, Publizistik und Zeitgeschichtsforschung: Die bereits abgeschlossenen Kommissionsprojekte zum Auswärtigen Amt, Bundeskriminalamt und Bundesverfassungsschutz haben deutlich gezeigt, dass Bundesbehörden nicht lediglich passive Objekte geschichtspolitischer Kontroversen waren, sondern dass sie vielmehr aktiv versucht haben, solche öffentlichen Debatten in ihrem Sinne zu prägen. Vor dem Hintergrund der sich verstärkenden öffentlichen Kritik an ,braunen Karrieren‘ im öffentlichen Dienst, die durch die DDR-Kampagnen zusätzlich angefacht wurde, sahen sich spätestens in den sechziger Jahren die meisten Ministerien zu einer intensiven geschichtspolitischen ,Landschafts- und Traditionspflege‘ veranlasst. Insofern lässt sich dieses Thema auch in einem übergreifenden Rahmen diskutieren. Das Konfliktpotential NS-spezifischer Themen wie Verfolgung und Widerstand wurde durch den Generationenwandel auch behördenintern virulent und verstärkt nach außen getragen. Zu fragen wäre daher, wie die Projekte mit diesen vorläufigen Einzelbefunden umgehen und wie sich ihr Stellenwert für eine bundesdeutsche Konfliktgeschichte bemessen lässt.

8. Querschnittsfrage – Personenbezogene Unterlagen: Rechtliche Ausgangslage und Herausgabepraxis: In mehr oder direktem Zusammenhang mit den hier skizzierten Querschnittsfragen gilt es außerdem zu klären, welchen unterschiedlichen Stellenwert die – teilweise erst kurzfristig deklassifizierten – personalbezogenen Unterlagen der Ministerien für die aktuell laufenden Kommissionsprojekte haben. Wie wird der Zugang zu diesen Materialien im Einzelnen sichergestellt, welche Hemmnisse, Schwierigkeiten und Verzögerungen treten dabei auf? Für welche projektbezogenen Themenkomplexe und Fragestellungen werden diese Unterlagen herangezogen, für welche übergreifenden Problemhorizonte können sie möglicherweise in Zukunft noch relevant werden? Wie gehen die Einzelprojekte mit datenschutzrechtlichen Auflagen um?

Die Querschnittsfragen 7 und 8 können dabei als roter Faden für die Diskussion dienen, dieser Veranstaltungsteil dient darüber hinaus zur Synthese der vorangegangenen Sektionen und zur allgemeinen Aussprache.

An der Podiumsdiskussion nehmen teil: Magnus Brechtken (Institut für Zeitgeschichte), Ulrike Schulz (Kommission Reichsarbeitsministerium), Annette Weinke (ehemalige Kommission Auswärtiges Amt), Stefanie Middendorf (Kommission Finanzministerium), Stefan Kühl (Universität Bielefeld), Tatjana Tönsmeyer (Universität Wuppertal und Martin Sabrow (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam).

Moderation: Annette Wilmes“

Ich war vorgesehen für die erste Querschnittsfrage „Staat und Staatlichkeit“, die mir allerdings etwas breit erschien und die eigentlich auch ans Ende der Tagung gehört hätte, weil sie zu den wirklich großen Problemen der NS-Forschung zählt. Eine Nachfrage bei einem Mitveranstalter des Workshops ergab, dass man von mir erwartete, das Verhältnis von staatlicher Verwaltung zu den Dienststellen der NSDAP zu erörtern, die ebenfalls Aufgaben der öffentlichen Verwaltung übernommen haben. Insbesondere sollte ich erläutern, was es für das Staatsverständnis bedeutet, wenn öffentliche Verwaltungsaufgaben auch von Parteidienststellen wahrgenommen werden. Generell sollte ich die Querschnittsfragen also aus der Perspektive der NSDAP in den Blick nehmen. Natürlich ist es schwierig, ein derartig breites Thema im Rahmen einer zweitsündigen Sektion zu behandeln, zumal es keine Vorträge, sondern nur einen Impuls der Diskussionsleitung geben sollte, der aus dem Input der Einzelprojekte und einiger working papers der Teilnehmer kompiliert wurde, die dann zu diskutieren waren. Das Zeitmanagement eines solchen Workshops schien mir zwar weitgehend ungeklärt zu sein, aber dennoch reizte es mich, hier folgenden eigenen Beitrag vorzulegen:

„Die NS-Forschung stimmt weitgehend darin überein, dass sich zwischen den Behörden der inneren Verwaltung und den Dienststellen der NSDAP nach 1933 eine arbeitsteilige Kooperation entwickelte. Ist dieser Prozess für den Bereich der Kommunalverwaltungen und der mittleren Ebene der Gaue mittlerweile recht gut untersucht, so hat die bisherige Verwaltungsgeschichte die Arbeitsbeziehungen zwischen der Ministerialverwaltung (einschließlich der Wehrmacht) und den Reichsleitungs-Dienststellen der NSDAP kaum systematisch in den Blick genommen. Stattdessen hat sie sich darauf kapriziert, die zweifellos vorhandenen Kompetenzkonflikte in immer grelleren Farben auszumalen, ohne die trotz alledem zustande gekommenen Entscheidungen angemessen zu würdigen. Nicht Arbeitsbeziehungen zwischen Verwaltungsbehörden, sondern persönliche Rivalitäten zwischen Behördenleitern standen im Zentrum. Daraus ist, so könnte man pointiert formulieren, eine Verwaltungsgeschichte ohne Verwaltung entstanden, die Entscheidungen stets als Resultate individueller Präferenzen jener führenden Nationalsozialisten begriffen hat, die sich im Dickicht permanenter Diskussionen irgendwie ‚durchzusetzen‘ verstanden.

Eine neue Verwaltungsgeschichte des NS-Staates muss anders vorgehen und in erster Linie die wechselseitigen Verwaltungsbeziehungen nach 1933 analysieren. Im Rahmen dieses Workshops sind die Beziehungen zwischen Reichsministerien beziehungsweise Obersten Reichsbehörden und Reichsleitungs-Dienststellen der NSDAP von besonderem Interesse. In der NSDAP gab es zwei Behörden, die aufgrund ihrer herausragenden innerparteilichen Position die Kommunikation mit der Ministerialverwaltung bestimmten: die Dienststelle des Stellvertreters des Führers Rudolf Hess, die im Mai 1941 in Partei-Kanzlei umbenannt und von Martin Bormann geleitet wurde, und das Amt des Reichsschatzmeisters Franz Xaver Schwarz. Zwischen den Referenten dieser Dienststellen und ihren Pendants in den Reichsministerien bestanden intensive Arbeitskontakte, um die jeweils anstehenden Entscheidungen miteinander abzustimmen. Neben diese bilateralen Außenkontakte trat, zumal im Zweiten Weltkrieg, eine Vielzahl multilateraler Kontakte, die in der Regel über ressortübergreifende Gremien abgewickelt wurden (z.B. den Ministerrat für die Reichsverteidigung, Arbeitskreis zur Bekämpfung der aus dem Ausländereinsatz entstehenden Gefahren und Interministeriellen Luftkriegschädenausschuss). Die komplexe Kontaktstruktur zwischen den einzelnen Stellen dieser Behörden ist bislang terra incognita geblieben.

Dazu an dieser Stelle zwei Hypothesen: erstens führte die Intensivierung der Kommunikationen zwischen Ministerialverwaltung und NSDAP in letzter Konsequenz zu einer ,wechselseitigen Äquivalenzstruktur‘ (Karl Weick), bei der jede Dienststelle auf die Entscheidungen anderer Behörden angewiesen war. Zweitens entstand daraus eine ,institutionelle Isomorphie‘ (Richard W. Scott), also eine Angleichung der Strukturen und Verwaltungspraktiken der Reichsministerien und der beiden Reichsleitungs-Dienststellen der NSDAP. Dabei übernahmen die Ressorts einige Formen der emotionalen Vergemeinschaftung wie Feiern, Dienstappelle und Lagerschulung von der NSDAP und gingen tendenziell zu maßnahmenstaatlichem Handeln im Sinn Ernst Fraenkels über. Die Dienststelle des Stellvertreters des Führers und der Reichsschatzmeister eigneten sich wiederum die Techniken ministerieller Verwaltung wie Aktenführung und Personalrekrutierung an und tendierten zu normenstaatlichem Handeln. In den so genannten Sonderverwaltungen, die von Beginn an als Mischverwaltungen aus ministeriellen und parteiamtlichen Strukturen und Praktiken konzipiert waren, wurde diese institutionelle Isomorphie nachgerade zementiert“.

Ich hatte mir demzufolge vorgenommen, einmal zwei Ideen, mit denen ich bereits längere Zeit geistig schwanger gehe, bei einem solchen Workshop auszuprobieren: den der wechselseitigen Äquivalenzstruktur, der natürlich nicht von Karl Weick (1995) stammt, aber einen prominenten Platz in dessen Organisationspsychologie einnimmt, und den der institutionellen Isomorphie, der ebenso wenig von Richard W. Scott (2008) erfunden wurde, sondern von Paul J. diMaggio und Walter W. Powell (2009). In meinem Thesenpapier habe ich diese beiden Ideen stärker auf die Beziehungen zwischen den beiden Reichsleitungs-Dienststellen der NSDAP und den genannten Reichsministerien bezogen, wenngleich ich glaube, dass sie auf das NS-Verwaltungssystem in toto auszudehnen sind. Nach weiterem Nachdenken kam mir dann in den Sinn, eine begriffliche Anpassung vorzunehmen. DiMaggio und Powell sehen ja die zunehmende Homogenisierung von Organisationen als Resultat der Entstehung eines organisationalen Feldes, in dem durch staatliche Interventionen und das Wirken der verschiedenen Professionen isomorphe Strukturen entstehen. Warum dann aber nicht gleich von „organisationaler Isomorphie“ sprechen und die Erkenntnis Niklas Luhmanns (2000) ernst nehmen, dass Organisationen soziale Systeme eines spezifischen Typs sind, der sich von Interaktionen und den Funktionssystemen der Gesellschaft unterscheidet? Und die „wechselseitige Äquivalenzstruktur“ ist in diesem Sinne ein Bestandteil sozialer Systeme vom Typus „Interaktion“ (Kieserling 1999).

Zurück zur Tagung selbst. Anfang Oktober 2016 gingen mir die Arbeitspapiere der Teilnehmer der Sektion „Staat und Staatlichkeit“ zu (Ralf Banken, Darren O’Byrne, Peter Collin, Sören Eden, Bernhard Gotto, Swantje Greve, Rüdiger Hachtmann, Henry Marx, Stefanie Middendorf, Ulrike Schulz und Oliver Werner). Sie schwankten zwischen mehr oder weniger detaillierten Beschreibungen der eigenen Projekte und ersten Ergebnissen derselben (Banken, Eden, Greve, Marx), problemorientierten Bestandsaufnahmen mit konzeptionellen Vorschlägen (Collin, Gotto) sowie Erweiterungen eigener Thesen (Hachtmann, Middendorf, Werner). Mit Ausnahme von Banken (Frankfurt am Main), der einen juristisch-staatsrechtlichen Staatsbegriff benutzte, und von Collin (Frankfurt am Main), der eine detaillierte juristische Skalierung vorlegte, die eine eigene Konferenz zum Thema Wert wäre, hat jedoch niemand genauer expliziert, was denn unter „Staat“ zu verstehen sei. So litt die Debatte über „Staat und Staatlichkeit“ im Grunde genommen von Beginn an unter einer latenten Diffusität je individueller Staatsvorstellungen.

Die Sektion begann mit einem Impuls von Stefanie Middendorf (Halle/München), die über drei Aspekte zu diskutieren vorschlug: erstens über Akteure in Organisationen, zweitens über allgemeine Aspekte der Begrifflichkeit von „Staat“ und „Staatlichkeit“ und drittens über synchrone und diachrone Vergleichsperspektiven zum deutschen Fall. Sören Eden (Berlin) lieferte erste Ergebnisse seines Projekts über die „Reichstreuhänder der Arbeit“, die am 19. Mai 1933 eingesetzt worden waren, um bei innerbetrieblichen Konflikten zwischen Unternehmern und Arbeiterschaft zu vermitteln (Mason 1975: 42 f.). Die Institution der Reichstreuhänder ist bisher nicht untersucht worden, und eine verwaltungsgeschichtliche Analyse ist vielversprechend. Sie waren eine Mittelbehörde des Reichsarbeitsministeriums, und ihr Behördenapparat wuchs von zwei bis drei Mitarbeitern bei der Gründung im Frühjahr 1933 auf 70-100 Personen 1939 an, überwiegend „Alte Kämpfer“ der NSDAP.

Anhand der Reichstreuhänder der Arbeit diskutierten die Teilnehmer der Sektion, inwieweit es sich bei ihnen überhaupt um eine eigenständige Behörde handelte, und fragten nach den Arbeitsbeziehungen zwischen Partei und Staat im Bereich des Reichsarbeitsministeriums. Problematisiert wurden dabei auch die Personalunionen zwischen Staats- und Parteiämtern sowie die Mehrfachzugehörigkeiten einzelner Protagonisten zu Partei, Deutscher Arbeitsfront (DAF) und staatlicher Verwaltung. Banken wies darauf hin, dass sich der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, vorbehielt, alle Angelegenheiten der NSDAP, die sein Aufgabenfeld berührten, selbst zu bearbeiten und aus dem Reichsministerium heraus unter dem Briefkopf der Partei korrespondierte. Uneins waren sich die Anwesenden darin, was diese Befunde für die organisationsgeschichtliche Herangehensweise an das Thema bedeuten könnten. Ulrike Schulz (Berlin) wies darauf hin, dass Webers Idealtyp bürokratischer Herrschaft der Erforschung der Reichsarbeitsverwaltung eher im Weg stehe. Pascale Cancik (Osnabrück) schließlich mahnte an, bei der Verwendung der Worte „Bürokratie“ oder „Bürokraten“ im Blick zu behalten, dass es sich hierbei um zeitgenössische Negativbegriffe handelte.

Im zweiten Teilbereich der Sektion, der Frage nach „Staatlichkeit“ und „Staat“, stand Rüdiger Hachtmanns (2007) Konzept der „Neuen Staatlichkeit“ im Fokus. Middendorf (2015) bemerkte, dass sich die NS-Forschung nicht zuletzt in dieser Frage zunehmend isoliert habe, und plädierte für synchrone und diachrone Vergleiche (wichtig dazu Reinhard 2002). Hachtmann erläuterte die Vorzüge seines Konzepts, die er insbesondere darin sah, die Dynamik des NS-Herrschaftssystems nachzeichnen zu können, ohne die Vor- und Nachgeschichte von Staatlichkeit im Deutschen Reich und in dessen beiden Nachfolgestaaten außer Acht zu lassen. Tatjana Tönsmeyer (Wuppertal) zeigte sich erstaunt darüber, dass sich die Frage nach „Staatlichkeit“ immer nur auf das „Altreich“ beziehe und die besetzten Gebiete ausklammere. Dort sei das NS-Regime auf andere, historisch gewachsene Staatlichkeiten getroffen, woraus sich eine völlige Heterogenität von Regierungs- und Verwaltungsapparaten und -formen ergeben habe. Hier wäre es eigentlich angezeigt gewesen, den von Middendorf immer wieder angemahnten Vergleich in die Debatte einzuführen. Dies geschah nicht, zum einen, weil es den Teilnehmern schlicht an der inhaltlichen Kompetenz fehlte, etwas über außerdeutsche Staatlichkeiten beizutragen, zum anderen, weil das auch zu weit vom Projekt „Reichsarbeitsministerium“ weggeführt hätte.

Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass der Begriff „Staatlichkeit“ problematisch ist und man die Frage danach vielleicht noch einmal stellen sollte, wenn die empirischen Befunde der Einzelprojekte vorliegen. Auf jeden Fall müsste, so fasste ich meine eigene Position zusammen, dabei Thomas Ellweins (1993, 1997) Erkenntnis berücksichtigt werden, dass der Staat sowohl als Zufall wie auch als Notwendigkeit zu denken ist. Zuzustimmen ist jedenfalls Schulz, die in ihrem Arbeitspapier eine Tendenz zu vorschnellen Verallgemeinerungen in der NS-Forschung konstatierte. Zwischen der Scylla der Beschreibung und der Charybdis der Verallgemeinerung hindurch zu navigieren, ist natürlich immer ein Problem. Andererseits: ohne Begriffe bleibt jede empirische Forschung blutleer und man begreift eben nichts. Daran erinnerte auch der brillante Abendvortrag von Bettina Stangneth, der größtenteils im Zeichen erkenntnistheoretischer Überlegungen stand und sich um die drei Begriffe „Teleologie“, „Abduktion“ (Charles Sanders Peirce) und „Urteil“ drehte. Ohne die vorherige Festlegung auf ein Ziel durch den Historiker, so Stangneth, gibt es keine Erkenntnis, ob sich das auf die Setzung eines zeitlichen Anfangs (1871, 1918/19 oder 1933), der Begriffe („Staat“, „Staatlichkeit“) oder der Methodologie (Hermeneutik, Dekonstruktion) beziehe. Der Historiker muss immer, wie man es mit George Spencer-Brown (1969) ausdrücken könnte, der Anweisung „draw a distinction“ folgen. Wenig beruhigend ist nur, dass dies auch Adolf Eichmann und die NS-Vernichtungstäter beherzigten, wie Stangneth (2014, 2016) beredt ausführte. Sowohl das Gute (wissenschaftliche Erkenntnis) wie das absolut Böse (Massenmord) beruhen demnach auf demselben Mechanismus der bewussten Zwecksetzung.

Zurück zum Workshop. Nach dem Mittagessen nahm ich an der Sektion „Reichsverwaltung und Besatzungsverwaltung“ teil, die sich gewissermaßen als Fortsetzung der am Vormittag bereits diskutierten Themenfelder präsentierte. Tönsmeyer, die diese Sektion leitete, sah in ihrem Impulsreferat vier vordringliche Themenbereiche: erstens das Zusammenspiel zwischen Verwaltungen und Akteuren, zweitens die Rolle der Einheimischen, drittens die Notwendigkeit einer idealtypischen Einteilung der einzelnen, vom NS-Regime besetzten Gebiete und viertens die Frage nach Lernprozessen der Verwalter, insbesondere mit Blick auf den Ersten Weltkrieg. Verena Pawlowsky (Wien) eröffnete die Debatte mit einem Beitrag über die Personalpolitik Josef Bürckels, des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, der viele persönliche Mitarbeiter und Parteifunktionäre aus seinem Gau Saarpfalz nach Wien mitgebracht hatte, um die österreichischen Verwaltungsbehörden „gleichzuschalten“, sie neu aufzubauen und an die „reichsdeutschen“ Gepflogenheiten anzupassen (Wettstein 2010). Hans-Christian Jasch (Berlin) wies auf die Rolle Wilhelm Stuckarts, des Staatssekretärs im Reichsministerium des Innern, hin, der in vielen eroberten Ländern als Leiter einer Zentralstelle eingesetzt wurde, die für die „Rechtsangleichung“ der besetzten Gebiete ans „Altreich“ zuständig war (Jasch 2012). Sven Jüngerkes (Berlin) skizzierte die Besatzungsverwaltung in Lettland und die Rolle der NSDAP-Funktionäre, die größtenteils aus dem Gau Schleswig-Holstein stammten, aus dem ja auch der Reichskommissar Ostland Hinrich Lohse kam (Jüngerkes 2010).

Die Rolle der Einheimischen, das zweite, von Tönsmeyer vorgeschlagene Themenfeld, erwies sich demgegenüber als wesentlich schlechter fassbar, weil auch schlechter erforscht. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage nach den einheimischen Verwaltungen und deren Verhältnis zu den NS-Besatzungsverwaltungen, das anhand weniger Beispiele (Lettland, Reichsprotektorat Böhmen und Mähren und dem Gebiet des Militärbefehlshabers von Belgien und Nordfrankreich) durchgespielt wurde. Die Sektion bewegte sich, trotz meines gegenteiligen Insistierens, von der Frage der Organisation weg zu einem Feld, das man als Gesellschaftsgeschichte der Okkupation bezeichnen muss und das von Tönsmeyer (2015) und Sabine Rutar (Regensburg/Berlin) stark gemacht wurde. Wenig Input kam von den Projekten des Reichsarbeitsministeriums, da nur Marx in der Sektion anwesend war und daher lediglich die Verwaltung des „Arbeitseinsatzes“ im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren und in der „Ostmark“ (aus einem Parallelprojekt, das Mathias Krempl, Wien, bearbeitet) zur Sprache kam. Generell sprang die Diskussion immer wieder zwischen einzelnen Phasen der Okkupation hin und her. Es wäre besser gewesen, man hätte Hagen Fleischers (1996) Einteilung übernommen und zuerst die Etablierungsphase der Okkupation analysiert. Was passierte gemeinhin in dieser Phase? Zunächst wurden die Besatzungsverwaltungen errichtet, woraus sich auch eine Verhältnisbestimmung zu den örtlich tätigen Verwaltungen ergab. Dabei ging es in allen besetzten Gebieten um einen Neuaufbau von Organisationen, also um eine Implementierung von Hierarchien, Stellen und Programmen. Damit einher ging auch die Etablierung bestimmter Technologien der Verwaltung, die man genauer hätte klassifizieren müssen (Exklusion von Juden und objektiven „Gegnern“, Versuche der Inklusion von „Volksdeutschen“ und „artverwandten Germanen“ etc.). Leider wurde auch nicht nach der Implementierung der Reichsarbeitsverwaltung und ihrer Kooperation mit einheimischen Gruppen in den besetzten Gebieten gefragt, denn Greve, die dazu ein Arbeitspapier vorgelegt hatte, fehlte krankheitsbedingt. Dirk Luyten (Anderlecht) bemühte sich zwar immer wieder darum, die Rolle der einheimischen Eliten im Gebiet des Militärbefehlshabers von Belgien und Nordfrankreich zu beleuchten. Dies geschah jedoch auf Kosten der deutschen Perspektive.

Der dritte und vierte Aspekt, den Tönsmeyer in ihrem Impulsreferat angesprochen hatte, wurde hingegen kaum noch diskutiert. Lediglich die Lerneffekte aus dem Ersten Weltkrieg standen anhand des belgischen Beispiels noch einmal für kurze Zeit im Fokus (Jakob Müller, Berlin). Um diese beiden komplexen Themen erörtern zu können, hätte es einer methodologischen Rahmung bedurft. Die vergleichende Okkupationsforschung von Czesław Madajczyk (1983, 1984) und Cornelis J. Lammers (1997) sowie das organisationssoziologische Paradigma der „lernenden Organisation“ von Chris Argyris und Donald A. Schön (2008) böten dafür gute Anhaltspunkte. Darüber hinaus wäre es erforderliche gewesen, das Thema „Reichs- und Besatzungsverwaltung“ systematischer auf Verwaltungen als Organisationen zu beziehen. Der permanente Wechsel der Referenzebenen und die Tendenz zur Personalisierung, die in vielen der Wortbeiträge zum Ausdruck kamen, ließ dies jedoch einfach nicht zu. Eine integrierte Besatzungsgeschichte als Interaktionsgeschichte zwischen Einheimischen und Besatzern ist auf diesem Weg jedenfalls ebenso wenig zu erreichen wie eine Gesellschaftsgeschichte der NS-Okkupation. Vielleicht sollte man sich zuvor über ein Konzept verständigen, das diese Ziele zu realisieren ermöglicht. Als Ausgangspunkt könnte beispielsweise Luhmanns Einsicht (2002, 2010) der Innendifferenzierung des Funktionssystems „Politik“ in Regierung, Verwaltung und Publikum dienen. Damit könnten die entsprechenden Fragen von der Referenzebene „Gesellschaft“ in den Blick genommen werden, indem man sich den politischen Organisationen im Funktionssystem „Politik“ zuwendet.

Es folgten die Berichte der Critical Friends aus diesen beiden und den beiden anderen parallelen Sektionen, die im Plenum vorgetragen wurden. Stefan Kühl (Bielefeld) war dabei der einzige Nicht-Historiker unter den Berichterstattern, und er versuchte als einziger eine weitergehende Systematisierung, indem er sich ganz auf die Referenzebene „Organisation“ konzentrierte. Kühl empfahl eine systematische Rückbindung der empirischen Befunde der Einzelprojekte an drei Hauptcharakteristika von Organisationen: Kommunikationswege (Hierarchie), Programme und Personal (Kühl 2011). Darüber hinaus thematisierte er die Machtverteilung in Organisationen (Crozier/Friedbergs 1979) Für die Frage nach der „Staatlichkeit“ wollte Kühl eine Soziologie der formalen Dienstwege, der Personalunionen und der Kommissionen fruchtbar machen. Michael Wildt (Berlin) fasste anschließend die Sektion „Inklusion und Exklusion“ knapp zusammen, und Tönsmeyer berichtete über „Reichsverwaltung und Besatzungsverwaltung“. Schließlich lieferte Martina Steber (Konstanz/Augsburg) einen Einblick in die Sektion „Reich und Länder/Zentrum und Peripherie“, aus dem sich eine Ablehnung der titelgebenden Dichotomien heraushören ließ.

Die Sektionen des zweiten und letzten Tages waren aufgrund einiger Absagen kurzfristig auf eine einzige eingedampft worden, die sich mit Kontinuität und Diskontinuität in den entsprechenden Bundesministerien nach 1945 befasste. Unter den Diskutanten waren hauptsächlich Bearbeiter des neuen Gemeinschaftsprojekts des Instituts für Zeitgeschichte (München) und des Zentrums für Zeithistorische Forschung (Potsdam) zur Nachgeschichte des Reichsministeriums des Innern in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR. Die Debatte, die Annette Weinke (Jena) leitete, drehte sich zu großen Teilen um die Frage nach der formalen und materialen Belastung des Verwaltungspersonals nach 1945. Die meisten Teilnehmer waren kritisch gegenüber der so genannten Nazizählerei eingestellt, wie sie in der Auszählung der vormaligen Mitgliedschaften der Beamten des Bundesministeriums des Innern und der entsprechenden DDR-Institutionen in der NSDAP zum Ausdruck komme. Wie man das Kriterium „formale Belastung“ mit den zur Verfügung stehenden fragmentarischen Quellen operationalisieren soll, dazu gab es jedoch nur wenige Ideen. Es entstand der Eindruck, dass viele der Bearbeiter dieser Projekte noch im Nebel stochern und gerade erst dabei sind, tragfähige Konzepte für ihre je unterschiedlichen Aufträge zu entwickeln. Im Zentrum der methodischen Probleme steht der schillernde Begriff „Belastung“, dessen Historisierung Dominik Rigoll (Potsdam) dringend empfahl. Beginnen müsste man aber mit einer detaillierten Sozialprofilanalyse, wie sie Christoph Rass (2016) gerade für das Personal des Bundesnachrichtendienstes vorgelegt hat. Möglicherweise sind diese Fragen nach Konzepten und Begriffen der einzelnen Projekte aber auch bei der abschließenden Podiumsdiskussion zur Sprache gekommen, die ich nicht mehr hören konnte, weil ich leider frühzeitig abreisen musste.

Welche Ergebnisse dieses Workshops verdienen es nun, festgehalten zu werden? Wie wurde das doppelte Ansinnen der Veranstalter erreicht, die einzelnen, von den Bundesministerien und den Länderparlamenten beauftragten Projekte miteinander zu verzahnen und die interministerielle Kooperation in der NS-Zeit zu beleuchten? Beides gelang meines Erachtens nicht. Zum einen lag dies daran, dass die einzelnen Projektbearbeiter nur in ‚ihrer‘ Sektion saßen beziehungsweise aufgrund der parallel abgehaltenen Workshops sitzen konnten, zum anderen an der Ausrichtung des jeweiligen Inputs, der sich immer nur auf das eigene Projekt bezog. Übergeordnete Fragen der NS-Forschung mit Forschern zu diskutieren, die erst wenige Monate an einem Projekt sitzen, ist vielleicht zu vermessen. Auch erwies sich die kombinierte Form der Arbeitspapiere und freien Diskussion als kontraproduktiv, denn kaum einmal wurde in der Debatte auf die schriftlichen Exposés, die ja allesamt vorab vorlagen, ausführlicher Bezug genommen. Ich befürchte, dass auch die Berichte der Critical Friends, die teilweise wirklich weiterführende Gedanken enthielten, kaum in die Projekte einfließen werden. Der wachsende Autismus der NS-Forschung und die immanente Selbstbezogenheit der Auftragsforschung stehen dem entgegen.

Im Workshop spiegelten sich insofern auch jene Gefahren wider, die der Auftragsforschung allgemein inhärent sind. Die Ausrichtung der Forschung auf ein (niemals genauer definiertes) öffentliches Interesse, symbolisiert im und durch den Auftraggeber, das für inhaltliche und methodische Friktionen mit der Eigenkomplexität des geschichtswissenschaftlichen Feldes prädestiniert ist, der epidemische Positivismus, die damit einhergehende Fragmentierung der Großprojekte (was haben die beiden Projekte Reichsarbeits- und Reichsfinanzministerium eigentlich miteinander zu tun?) und ihrer einzelnen Teilprojekte, die Personalisierung und damit einhergehende Unterschätzung von „Organisation“ und die teleologische Ausrichtung, die sich aus der Konzentration auf das jeweilige Ministerium und dessen Vorgeschichte fast zwangsläufig ergibt. Man kann sich darüber streiten, ob der empirische Ertrag diese Nachteile aufwiegen wird. Von den Arbeiten, die im Rahmen des Projekts des Bundesarbeitsministeriums erarbeitet werden, wird man dies wohl am ehesten erwarten dürfen. Interessant (und sprechend!) war jedenfalls auch der Sachverhalt, dass sich alle Workshop-Teilnehmer im behaglichen Zustand der Affirmation ihrer Aufträge eingerichtet hatten und über Sinn und Unsinn solcher Unternehmungen weder in Plenum noch in den informellen Gesprächen (soweit ich sie mitbekam) diskutierten.

Und die neue Verwaltungsgeschichte? Wo war sie? Das war das wohl überraschendste Ergebnis des Workshops: dass von Verwaltungen zwar stets die Rede war, dass es aber kaum einmal eine dezidiert organisations- oder verwaltungsgeschichtliche Annäherung an die einzelnen Themen der Teilprojekte gab. Liegt das an den jeweiligen Aufträgen? Ich glaube eher nicht. Offenbar sind die Verantwortlichen für die jeweiligen Kommissionen gar nicht daran interessiert, ein wie auch immer geartetes verwaltungsgeschichtliches Paradigma zu etablieren beziehungsweise Vorgaben in Sachen methodologischer Herangehensweise zu machen. Man kann das als eine Freiheit für die Bearbeiter und ihre eigenen wissenschaftlichen Präferenzen feiern; man kann aber auch, und dazu tendiere ich, die damit verpassten Chancen beklagen. Wenn Herrschaft im Alltag primär Verwaltung ist, wie Weber meinte, dann steht zu befürchten, dass aus den Projekten wenig über jene Aspekte zu erfahren sein wird, die für eine Erneuerung der Verwaltungsgeschichte relevant sind: eben über Herrschaft, Alltag und Verwaltung.

Intertexte

Argyris, Chris/Schön, Donald A.: Die lernende Organisation, 3. Aufl., Klett-Cotta, Stuttgart 2008 [ursprgl. erschienen: 1978]

Crozier, Michel/Friedberg, Erhard: Die Zwänge kollektiven Handelns. Über Macht und Organisation, Athenäum: Königstein im Taunus 1979

DiMaggio, Paul J./Powell, Walter W.: Das „stahlharte Gehäuse” neu betrachtet: Institutionelle Isomorphie und kollektive Rationalität in organisationalen Feldern, in: Koch, Sascha/Schemmann, Michael (Hg.): Neo-Institutionalismus in der Erziehungswissenschaft, Springer/VS Verlag: Wiesbaden 2009, S. 57-84

Ellwein, Thomas: Der Staat als Zufall und als Notwendigkeit. Die jüngere Verwaltungsentwicklung in Deutschland am Beispiel Ostwestfalen Lippe, 2 Bde., Westdeutscher Verlag: Opladen 1993-1997

Fleischer, Hagen: Nationalsozialistische Besatzungsherrschaft im Vergleich. Versuch einer Synopse, in: Anpassung, Kollaboration, Widerstand. Kollektive Reaktionen auf die Okkupation, hg. v. Wolfgang Benz, Johannes Houwink ten Cate und Gerhard Otto, Metropol: Berlin 1996, S. 257-302

Hachtmann, Rüdiger: „Neue Staatlichkeit“ – Überlegungen zu einer systematischen Theorie des NS-Herrschaftssystems und ihrer Anwendung auf die mittlere Ebene der Gaue, in: John, Jürgen/Möller, Horst/Schaarschmidt, Thomas (Hg.): Die NS-Gaue. Regionale Mittelinstanzen im zentralistischen „Führerstaat“, Oldenbourg: München 2007, S. 22-55

Jasch, Hans-Christian: Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik. Der Mythos von der sauberen Verwaltung, Oldenbourg: München 2012

Jüngerkes, Sven: Deutsche Besatzungsverwaltung in Lettland 1941-1945. Eine Kommunikations- und Kulturgeschichte nationalsozialistischer Organisationen, UVK: Konstanz 2010

Kieserling, André: Kommunikation unter Anwesenden: Studien über Interaktionssysteme. Suhrkamp: Frankfurt am Main 1999

Kühl, Stefan: Organisationen. Eine sehr kurze Einführung, VS/Springer: Wiesbaden 2011

Lammers, Cornelis J.: Levels of Collaboration. A Comparative Study of German Occupation Regimes during the Second World War, in: Bohn, Robert (Hg.): Die deutsche Herrschaft in den „germanischen” Ländern 1940-1945, Steiner: Stuttgart 1997, S. 47-69

Luhmann, Niklas: Organisation und Entscheidung, Westdeutscher Verlag: Opladen/Wiesbaden 2000

ders.: Die Politik der Gesellschaft, hg. v. André Kieserling, Suhrkamp: Frankfurt 2002 (Taschenbuchausgabe)

ders.: Politische Soziologie, hg. v. André Kieserling, Suhrkamp: Berlin 2010

Madajczyk, Czesław: Faszyzm i Okupacje 1938-1945. Wykonywanie okupacji przez pánstwa Osi w Europie, Tom I: Ukszaltowanie sie zarzqdów okupacyjnych, Tom II: Mechanizmy realizowania okupacji, Wydawnictwo: Poznań 1983-1984

Mason, Timothy W.: Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft. Dokumente und Materialien zur deutschen Arbeiterpolitik 1936-1939, Westdeutscher Verlag: Opladen 1975

Mentel, Christian/Weise, Niels: Die zentralen deutschen Behörden und der Nationalsozialismus – Stand und Perspektiven der Forschung, hg. v. Frank Bösch, Martin Sabrow u. Andreas Wirsching, Selbstverlag: Potsdam/München 2016

Middendorf, Stefanie: Staatsfinanzen und Regierungstaktiken. Das Reichsministerium der Finanzen in der Geschichte von Staatlichkeit im 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 41 (2015), S. 140-168

Radkau, Joachim: Max Weber. Die Leidenschaft des Denkens, Carl Hanser: München 2005

Rass, Christoph: Das Sozialprofil des Bundesnachrichtendienstes. Von den Anfängen bis 1968, Christoph Links Verlag: Berlin 2016

Reinhard, Wolfgang: Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3., durchges. Aufl., C.H. Beck: München 2002 [ursprgl. erschienen: 1999]

Scott, Richard W.: Institutions and Organizations: Ideas and Interests, 3rd. ed., Los Angeles/London/New Delhi/Singapore 2008 [ursprgl. erschienen als Paperback: 1995]

Spencer-Brown, George: Laws of Form, London 1969

Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders, Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2014 (Taschenbuchausgabe)

dies.: Böses Denken, Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2016

Tönsmeyer, Tajana: Hungerökonomien. Vom Umgang mit der Mangelversorgung im besetzten Europa des Zweiten Weltkrieges, in: Historische Zeitschrift 301 (2015), S. 662-704

Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Soziologie. Unvollendet 1919-1920, hg. v. Knut Borchardt, Edith Hanke u. Wolfgang Schluchter, J.C.B. Mohr: Tübingen 2013 (= Max-Weber Gesamtausgabe, Abteilung I: Schriften und Reden, Bd. 23)

Weick, Karl: Der Prozeß des Organisierens, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1995 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen: 1985]

Wettstein, Lothar: Josef Bürckel. Gauleiter, Reichsstatthalter, Krisenmanager Adolf Hitlers, 2., überarb. Aufl., Books on demand: Norderstedt 2010 [ursprgl. erschienen: 2009]