Landwehr, Erdgeschoss

von arminnolzen

Im Erdgeschoss:

Befinden sich vier Türen

die führen

direkt ins Freie

oder besser gesagt. in den Grundstein

da kann warten wer will

um zwölf kommt Beton

Grundsteinlegung!

Gedankengänge sind gestrichen

in Kopfhöhe braun

infam oder katholisch violett

zur besseren Orientierung

Selbstreflexion und Selbstreferenz der Geschichtswissenschaft beziehungsweise des einzelnen Historikers bilden zwei wesentliche Modi der Geschichtstheorie à la Landwehr. Sie kommen in seinem Essay nicht nur dort zum Ausdruck, wo es ihm in erster Linie um Kritik und Ethik geht, sondern sie bilden den Grundstein der Analyse, den Ariadnefaden, mit dem er seine Leser in und durch das Labyrinth des Historischen leitet. Eine subkutane, wenn nicht gar heimliche Referenz seiner Ausführungen entnimmt er außerdem literarischen Werken, und zwar so unterschiedlicher Schriftsteller wie Thornton Wilder, Oscar Wilde, Lew Tolstoi, Stendhal, William Shakespeare, W.G. Sebald, Arno Schmidt, Friedrich Schiller, Philipp Roth, Georges Perec, Robert Menasse, Thomas Mann, Stéphane Mallarmé, Gotthold Ephraim Lessing, Uwe Johnson, Reinhard Jirgl, Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, William H. Gass, Don de Lillo, Joseph Conrad, Jorge Luis Borges, Peter Bichsel, Thomas Bernhard, Gottfried Benn, Samuel Beckett und Hugo Ball. Ihre metahistorischen Reflexionen sind es, die Landwehr systematisch in seinen Essay einarbeitet, nicht in Gestalt von überflüssiger Zitatenhuberei, sondern immer zur Abklärung eigener Positionen. Man kann geradezu von einer verdeckten epistemologischen Grundlegung seiner Geschichtstheorie durch die Literatur sprechen. Sie geht von der wichtigen Einsicht aus, dass Literatur immer auch historiografische Wissensbestände speichert (Koschorke 2013: 329-340; allgemein Händler 2014), und zwar vor allen Dingen solche der Methodologie.

Dies gilt auch für jenen Schriftsteller, der in obiger Reihe von mir ausgelassen wurde, nämlich für Robert Musil (1880-1942), und dessen Jahrhundertwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ aus den Jahren 1930-1933 (Musil 1978; Mülder-Bach 2013). Musil wird bei Landwehr (2016: 237) als ein Autor eingeführt, der neben einem allseits anerkannten „Wirklichkeitssinn“ auch noch die Existenz eines „Möglichkeitssinns“ annahm: „So ließ sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken, und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen, als das, was nicht ist (Musil 1978: 16). Landwehr bezieht diesen Sinn, wie im Übrigen auch Musil, in seinem Essay direkt auf das Schreiben der Geschichte, die Produktion des Historischen. Er hätte dies auch mit anderen der von Musil eingeführten Motive praktizieren können, etwa mit der Karikierung der Sinnhaftigkeit der Geschichte („in der Weltgeschichte geschieht nichts Unvernünftiges“; ebd.: 174); der Ansicht, dass die Geschichte an die Dichtung erinnere (ebd.: 322), die Annahme, dass Weltgeschichte dadurch entstehe, dass ein Autor vom anderen abschreibe (ebd.: 360), den metonymischen Charakter der Geschichte („Es wird ein Teil des Großen für das Ganze genommen“; ebd.: 458) beziehungsweise die Unschärfe aller Begriffe (ebd.). Landwehr hingegen interessiert sich für Möglichkeit und Wirklichkeit. Für Musil ist das „Verständnis der Wirklichkeit ausschließlich eine Sache für den historisch-politischen Denker“ (ebd.: 170 f.) ist. Und für Landwehr?

Wirklichkeit [89-117]

– Legende von der Seereise des Heiligen Brendan im 10. Jahrhundert [89 f.]; Geschichte war im Mittelalter enorm populär [91]; im 12. Jahrhundert bildeten sich Reisefassungen aus, die an der Ursprungserzählung teilweise merkliche Veränderungen vornahmen; Frage, ob die Geschichte wirklich stimmt [92]; „Entspricht das, was uns in medialen Darstellungen präsentiert wird, den tatsächlichen, den außermedialen Verhältnissen?“; Zweifel an dem zu hegen, was gemeinhin als „Wirklichkeit“ bezeichnet wird, ist nicht besonders originell; egal, um was es sich handelt, es könnte auch ganz anders sein [94]; Hans Blumenberg = „Realität selbst ist das Thema, das keinem Realismus zugänglich ist“; Wirklichkeit ist unfassbar; mit der Frage nach Möglichkeit der Erkenntnis von Realität begibt man sich in eine weitreichende Tradition hinein, die unter den Begriff des Skeptizismus gefasst wird [96]; Frage, wie wir uns unserer Wirklichkeit sicher sein sollen; hier Frage, wie wir es mit dem Phänomen einer vergangenen Wirklichkeit halten wollen; es kann keine Außenposition zur Wirklichkeit eingenommen werden, aber auch Gedanke einer Illusion der Wirklichkeit führt nicht weiter [97]; man könnte sich vorläufig auf Mittelposition der De-Ontologisierung verständigen; damit soll Realität nicht geleugnet werden, sondern lediglich die erkenntnistheoretische Relevanz einer ontologischen Bestimmung derselben; damit wird nicht etwa die Außenwelt fragwürdig, sondern Unterscheidung zwischen Sein und Nicht-Sein.

– in Sachen „Wirklichkeit“ ähnliche Lage wie in Sachen des Begriffs „Geschichte“; ihre Aufgabe ist unendlich [97 f.]; es wäre offensichtlich unsinnig zu behaupten, die nicht mehr existente Wirklichkeit sei nie real gewesen, sondern eine reine Erfindung der Geschichtsschreibung [98]; mit künstlich aufgeblasenen Debatten um die Extrempositionen zwischen Fakten und Fiktionen kommt man nicht weiter; mit der Phänomenologie muss man sich stärker auf das Wirklichkeit-Machen denn auf das Wirklichkeit-Sein konzentrieren [98 f.]; es geht nicht um die Beschreibung der Gesamtheit des Dort-Draußen, sondern vielmehr um die Behandlung der unterschiedlichen Beziehungen, die Menschen eingehen, um Wirklichkeit zu haben und damit umgehen zu können [99]; Alfred Schütz und Thomas Luckmann = „Diese Wirklichkeit ist die alltägliche Lebenswelt“; Wirklichkeit als alltägliche Lebenswelt ist immer nur relationales Für-Uns; Robert Spaemann = über Wirklichkeit lässt sich nur im Ausgang vom bewussten Leben sprechen (Anthropomorphismus); Konsequenz daraus ist die Anerkennung der unhintergehbaren Menschenbezüglichkeit von Wirklichkeit [100]; die Wirklichkeit entsteht vielmehr erst durch die Relationen, die zwischen einem Subjekt und den es umgebenden Lebewesen und Dingen errichtet werden; Anthropomorphismus als Einsicht in eigene Unfähigkeit, die Welt anders als von einer menschlichen Warte aus zu betrachten; Gefangensein in den eigenen Sichtweisen.

– Relationalität einer bezüglichen Wirklichkeit = man ist immer schon in die zu beschreibende Wirklichkeit verstrickt [101]; Wirklichkeit ist tatsächlich Ergebnis menschlichen Wirkens und übt ihrerseits Wirksamkeit aus [102]; Giambattista Vico und Überzeugung, dass der Mensch die Welt nur erkennen kann, weil er sie selbst erschaffen hat (verum-factum-Prinzip); Wirklichkeit als Ergebnis menschlichen Wirkens; Mensch abhängig von der Wirklichkeit, weil er sie immer bereits selbst verwirklicht hat und immer wieder neu verwirklichen muss [104]; insofern lassen sich historische Wirklichkeiten jeweils erheblich verändern; Siegfried J. Schmidt = alles, was getan wird, wird in Form einer Setzung getan [105]; es wird etwas Bestimmtes getan, obwohl auch anderes hätte getan werden können; Setzungen vorzunehmen bedeutet, Unterscheidungen zu treffen [106]; „Jede Wahrnehmung oder Beschreibung ist die Wahrnehmung oder Beschreibung von Etwas und nicht die Wahrnehmung oder Beschreibung von etwas Anderem“; Wirklichkeit kann bestimmt werden als das kollektive Wissen einer Gesellschaft über ihre Welt; Sprache ist das wichtigste Medium, das Ordnung der Wirklichkeit festigt; wird im Zuge der Sozialisation an neue Gesellschaftsmitglieder weitergegeben; „Wirklichkeit wird dann als Modell mit all ihren Kategorien, Differenzierungen sowie Bedeutungszuschreibungen von neuen Mitgliedern eines Kollektivs als Selbstverständlichkeit übernommen“.

– das Selbstverständliche der Wirklichkeit stellt sich als größte Schwierigkeit heraus; sie wird erst erfahrbar und behandelbar, wenn man sie zum Problem macht [107]; Problematisierung der Wirklichkeit muss die Frage stellen, welche Aspekte von ihr den Status des Selbstverständlichen erreicht haben; Luckmanns und Peter L. Bergers Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (1966) [108]; es geht nicht mehr um Objektivität der Wirklichkeit, sondern um die Frage nach deren Objektivierung; Mensch produziert Wirklichkeit, deren Produktcharakter er in der Folge nicht mehr zu erkennen und zu akzeptieren vermag [109]; Aufgabe dieser Wirklichkeit ist es, eine Sinnordnung bereitzustellen, die erklärt, warum die Dinge sind, wie sie sind; Edmund Husserl stellte Wirklichkeit der Lebenswelt als Universum von Relationen dar [110]; Frage, wie Prinzip „Wirklichkeit“ historisch funktioniert [111]; Wirklichkeitsgewissheiten liegen unterhalb aller zweiwertigen Semantiken der Wahrheit; Petra Gehring fordert die Historisierung der Form „Wirklichkeit“; wir können uns glücklich schätzen, dass es die letzte Wahrheit oder endgültige Erkenntnis der Wirklichkeit nicht gibt [112]; Negation der Historizität von Wirklichkeit lässt sich anhand der Arroganz der Gegenwart beurteilen, wenn vergangenen Wirklichkeiten ihre Fehler vorgehalten werden [113]; wie lässt sich Wirklichkeit in ihrer Historizität greifen? [114]; es ist nicht notwendig, dass sich Kulturen und ihre Sinnstruktur auf etwas beziehen, das „Wirklichkeit“ genannt wird [115]; Wirklichkeiten haben keine andere Grundlage als ihre Historizität.

Landwehr lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass „Wirklichkeit“ einem voluntaristischen Prinzip der Setzung des Historikers unterliegt. Er folgt damit dem Credo der konstruktivistischen Erkenntnistheorie, wie sie auch den meisten Ansätzen der neueren Kulturwissenschaft zugrunde liegt (Bachmann-Medick 2009). Ein solcher Konstruktivismus ist spätestens seit Immanuel Kant, der die Realität als Funktion des je subjektiven Bewusstseins ansah, nichts Neues. Im Grunde genommen war die gesamte neuzeitliche Wissenschaftstheorie immer schon konstruktivistisch (Pörksen 2015); ein Wort, das Landwehr, bis auf zwei Ausnahmen (2016: 134 u. 264) übrigens meidet wie der Teufel das Weihwasser. Die Geschichtswissenschaft bildet jedoch eine gewisse Ausnahme, denn der Positivismus des 19. Jahrhunderts wie auch viele spätere historiografische Schulen waren immer davon ausgegangen, es gebe eine „Realität“ des vergangenen Geschehens, die sich insbesondere darin manifestiere, dass man sie mittels objektiver (für jeden Beobachter gleicher und gleichgewichtiger) Fakten annäherungsweise rekonstruieren könne (dazu viele der Beiträge in Goertz 2007). Erst seit der letzten Dekade beginnt eine konstruktivistisch fundierte Erkenntnistheorie in den Geschichtswissenschaften anzukommen (Goertz 2001; GWU 2009), obwohl einschlägige Vorschläge seit Anfang der 1990er Jahre vorliegen (Müller/Müller 1997). Sie stammen allerdings in der Regel von Fachvertretern außerhalb der Geschichtswissenschaft und wurden von dieser kaum zur Kenntnis genommen.

Umso wichtiger ist es, dass sich mit Landwehr jetzt auch einmal ein praktizierender Historiker einem konstruktivistischen Wirklichkeitsverständnis annähert. Dabei stellt er die Frage, wie das Prinzip „Wirklichkeit“ in der Geschichtswissenschaft benutzt wurde und immer noch wird, und plädiert für dessen Historisierung. Jedoch analysiert Landwehr die geschichtswissenschaftlichen Verwendungsweisen des Begriffs „historische Wirklichkeit“, die eng mit dem im 19. Jahrhundert entwickelten positivistischen Begriff des Faktums zusammenhängen (dazu Lorenz 1997: 17-34), gar nicht selbst. Stattdessen beschränkt er sich auf die Forderung, die Formen von „Wirklichkeit“ zu pluralisieren, und folgt damit jenem Vorgehen, das er auch bei der Transformation historischer Zeiten in „Chronoferenzen“ praktiziert hat. Landwehr vernachlässigt dabei, dass Historiker mit ihrer Referenz auf „Wirklichkeit“ stets Geltungsansprüche verbunden haben und dies auch heute noch so handhaben, wie man anhand der Zeitgeschichte sehen kann, die sich in vielerlei Hinsicht als eine „Streitgeschichte“ konstituiert (Sabrow/Jessen/Große Kracht 2003). Vielleicht ist ihm dieser Sachverhalt entgangen, weil seine eigenen Schwerpunkte historischen Arbeitens in der Frühen Neuzeit liegen, in augenscheinlich weit weniger Streit herrscht, nicht zuletzt aufgrund der überschaubareren Anzahl an Historikern und einer geringeren Relevanz in der Öffentlichkeit.

Ein zweiter Einwand gegen diese Pluralisierung von „Wirklichkeit“, wie sie Landwehr fordert, scheint weitaus schwerer zu wiegen: das Problem der schriftlichen Darstellung des Historischen. Ein Aufsatz von Roland Barthes (2006) mit dem Titel „Der Diskurs der Geschichte“, der in den einschlägigen geschichtstheoretischen Werken immer als negatives Beispiel für die angeblich so schädliche Wirkung des „linguistic turn“ auf die Geschichtswissenschaften herangezogen wird, ist dazu geeignet, dieses Problem zu verdeutlichen. In diesem im Jahre 1967 publizierten Aufsatz analysiert Barthes die Rolle der Narration innerhalb der Geschichtswissenschaft (am Beispiel des Werkes von Augustin Thierry, eines französischen Historikers der Mitte des 19. Jahrhunderts). Er kommt darin zu der These, dass der historische Diskurs nicht dem Wirklichen folge, sondern das Wirkliche bedeute. Mit anderen Worten: das Wirkliche sei, jedenfalls in der sich als realistisch verstehenden Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, ein hinter der Allmacht des Referenten (des im Diskurs des Historikers erzählten Gewesenen) verschanztes Signifikat. Wo erzählt wird, ist Wirklichkeit, und zwar nur eine, nicht mehrere. Will man also Wirklichkeiten pluralisieren, muss man die Erzählung pluralisieren, zum Beispiel durch Nebeneinanderlegen verschiedener Perspektiven, wie dies Paul Auster (2017) in seinem neuen Roman „4321“ praktiziert.

Barthes (2006: 163) gibt darüber hinaus eine weitere Lösung an die Hand, die er direkt aus der seinerzeit aufstrebenden Annales-Historiografie ableitet: das Auslöschen narrativer Elemente in der Geschichtswissenschaft: „Die im Schmelztiegel der Fiktionen (anhand der Mythen und ersten Epen) entwickelte Erzählstruktur wird zum Zeichen und Nachweis der Wirklichkeit in einem. Damit wird auch verständlich, daß das Auslöschen (wenn nicht das Verschwinden) der Narration in der derzeitigen Geschichtswissenschaft, die eher von Strukturen zu sprechen sucht als von Chronologien, weitaus mehr impliziert als das Auftreten einer neuen Schule: eine regelrechte ideologische Transformation; die historische Narration stirbt, weil das Zeichen der Geschichte nunmehr weniger das Wirkliche und eher das Intelligible ist“. Extension oder Eliminierung der Narration, darin liegen zwei gangbare Wege einer möglichen Pluralisierung von „Wirklichkeit“. Landwehr wählt jedoch einen dritten Weg: die Behandlung von Möglichkeiten in der Geschichte als Teil von deren (nicht realisierter) Wirklichkeit:

Möglichkeit [231-246]

– es wird als Eigenschaft der Vergangenheit angesehen, der Kontingenz ledig zu sein [231]; nur deshalb können historische Bemühungen für sich den Anspruch erheben, zu gesellschaftlicher Identitätsbildung und politischer Orientierung beizutragen; möglicherweise unterliegen wir aber Illusion, wenn wir meinen, dass in der Vergangenheit keine Möglichkeiten mehr auf uns warten; was, wenn nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit unvorhersehbar wäre? [232]; Kontingenz = etwas, das auch anders möglich ist; verweist auf spezifische Unbestimmtheit, dass etwas weder notwendig noch unmöglich ist; Aufrechterhaltung dieser Alternative ist wesentlich für die Kontingenz; was die Kontingenz kennzeichnet, ist gerade Kombination der Möglichkeit, dass ein Ereignis eintreten und nicht eintreten kann; „Man kann also der Vergangenheit ihre Potenz zurückgeben, auch nicht oder anders zu sein“; diese Potenz konkretisiert sich eben in der Kontingenz [233]; es ist nicht zuletzt die Erinnerung, die die Tatsachen und Feststellungen der Vergangenheit modifizieren und damit die Potenz des Gewesenen wiederherstellen kann; die Erinnerung kann das, was sich ereignet hat, wieder ungeschehen machen und auch das geschehen sein lassen, was sich nie ereignet hat (Giorgio Agamben, Bartleby); Erinnerung an das, was nicht war; Walter Benjamins Begriff des „Eingedenkens“ [233, Endnote 6].

– solche Bezugnahmen auf das Historische unter den Vorzeichen der Potenz finden nicht nur durch Erinnerung oder Vergessen statt, sondern kennzeichnen jede Chronoferenz zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten [233]; es genügt, sich alltägliche Praxis des historischen Arbeitens vor Augen zu führen, um sich der Potenz und Kontingenz der Vergangenheit bewusst zu werden; wir sind ständig damit beschäftigt, Vergangenheiten anders oder gar nicht sein zu lassen; nicht nur gegenwärtige Wirklichkeit muss in ihrem Gemacht-worden-Sein beschrieben werden, sondern auch die gegenwärtigen Nicht-Wirklichkeiten gilt es zu berücksichtigen [234]; vergessene Geschichte = einem bis dahin depotenzierten Teil der Vergangenheit Möglichkeit zuzusprechen, wieder zu einem beachteten Teil des Historischen zu werden; Michel Foucault und das „Leben der infamen Menschen“; Alain Corbin und Buch über einen Holzschnitzer [234 f.]; Geschichten, die niemals in die offiziellen Darstellungen Eingang finden sollten, aber subversives Potential verdeutlichen können, das in der Institution „Archiv“ schlummert [235]; in der jüngeren Zeit hat gerade die Wissenschaftsgeschichte vorgeführt, wie wandelbar vermeintlich überzeitlich gültige Prinzipien wie Objektivität, Wahrheit und Rationalität sind; man könnte eine Geschichte des Vergessenen schreiben und Geschichte als die Praxis des Vergessens und der Virtualisierung potentiell vorhandener Geschichte begreifen; etabliertes Verständnis von einem Kollektivsingular „Geschichte“ befördert genau diese Form des Vergessens.

– „symmetrische Geschichtsschreibung“ wäre ein möglicher Ausdruck für die Perspektive, um die es hier geht [236]; würde sich darum bemühen, nicht nur die gelungenen und erfolgreichen Entwicklungen zur Darstellung zu bringen, sondern ebenso die wesentlich zahlreicheren Irrwege, Sackgassen und Erfolglosigkeiten; muss Potentialität aufzeigen, dass es immer anders möglich gewesen wäre (und noch ist); „vergessene Geschichte“ wäre dann nicht ausgelöschter, sondern der deaktualisierte Teil der Vergangenheit; Musils „Möglichkeitssinn“ [237]; neben der wirklichen Geschichte liegt potentiell endlose Anzahl möglicher Geschichten; Praxis historischen Arbeitens zeichnet sich durch Suche nach Geschichten aus, von denen wir noch gar nicht wissen, dass sie Teil des Historischen sein könnten; historische Abläufe sind immer mit Kontingenz behaftet [238]; Möglichkeit mit der Vergangenheit und der Geschichtsschreibung verbinden; Unumkehrbarkeit einer thermodynamischen Zeit geht damit einher, Möglichkeiten verschwinden zu lassen; angesichts der Geschehnisse des 20. Jahrhunderts ist Einsicht unentrinnbar, dass alles, was einmal wirklich war, auch möglich bleiben wird; wir dürfen menschenverachtende Politik des 20. Jahrhunderts nicht vergessen, verleihen ihr damit aber zugleich das Potential, dass sie wiederholbar bleibt [238 f.]; einst existente Möglichkeiten müssen nicht für immer verschwunden sein, sondern behalten ihr Potential als Elemente der Vergangenheit bei [239]; Chronoferenzen mit der einst möglichen, aber nicht realisierten Gegenwart sind möglich.

– Chronoferenzen, mit denen wir es im Verhältnis zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten zu tun haben, gehen nicht von einer Gegenwart aus; abwesende Zeiten besitzen Potential, uns zu überraschen oder zu überfallen; mit der Vergegenwärtigung und Gegenwärtigkeit abwesender Zeiten geht Pluralisierung der Möglichkeiten einher; Vervielfältigung der Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist Wendung gegen unilineare Geschichtsvorstellungen [240]; historisches Fragen kommt nie an ein Ende, weil die Relationen immer wieder erneuert werden; mögliche Vergangenheiten und vergangene Möglichkeiten zu behandeln, ruft Unverständnis und Unmut hervor, weil dadurch systematisch Sicherheiten in Frage gestellt werden [241]; Helmuth Plessners „kategorischer Konjunktiv“; man muss sich also von gemeinsam als erstrebenswert erachteter Gewissheit verabschieden, wonach es nur eine Möglichkeit des So-Seins in der Welt gibt; in historischer Perspektive kann man nicht das trügerische Versprechen abgeben, den Weg zu der einen Version der Vergangenheit weisen zu können [242]; Ambivalenz lässt sich offenbar nur schwer aushalten; Nicht-Einheitlichkeit und Nichtübereinstimmung der Wirklichkeiten mit sich selbst [243]; Chronoferenzen sorgen dafür, dass abwesende Zeiten beständig präsent bleiben; Welt-Versionen werden möglicherweise mit der Zeit de-aktualisiert [244].

Landwehr behandelt in diesem Kapitel das Problem „Kontingenz“, verstanden als Frage nach dem Möglichen, aber nicht Notwendigen. Der Kontingenzbegriff bezeichnet in alter Tradition die Möglichkeit eines Gegenstandes, anders zu sein oder auch gar nicht zu sein (Luhmann 2013: 32). In diesem Sinne kann etwas nicht Notwendiges trotzdem möglich und gegebenenfalls wirklich sein. Landwehr spricht von der Möglichkeit, der Potenz der Vergangenheit, anders zu sein, und von der Notwendigkeit, diese mögliche Andersheit darzustellen. Offensichtlich ist ihm hier daran gelegen, einer alten Forderung Reinhart Kosellecks nachzukommen, eine „Theorie möglicher Geschichte“ haben zu müssen. Diese Forderung, erinnern wir uns, erhob Koselleck seinerzeit im Zusammenhang mit seiner berühmten Figur eines „Vetorechts der Quellen“, auf die ich bereits unter „Landwehr, Zweites Geschoss“ ausführlicher eingegangen bin. Im Original-Zitat: „Das, was eine Geschichte zur Geschichte macht, ist nie allein aus den Quellen ableitbar: es bedarf einer Theorie möglicher Geschichte, um Quellen überhaupt erst zum Sprechen zu bringen. Parteilichkeit und Objektivität verschränken sich dann auf neue Weise im Spannungsfeld von Theoriebildung und Quellenexegese. Das eine ohne das andere ist für die Forschung umsonst“ (Koselleck 1989: 206 f.). Leider ist Koselleck selbst eine solche „Theorie möglicher Geschichte“ schuldig geblieben.

Dasselbe gilt bis heute aber auch für die Geschichtswissenschaft in toto, und Landwehrs Kapitel „Möglichkeit“ ist als ein erster Versuch zu verstehen, dieses Desiderat zu beheben. Was versteht Landwehr unter „Möglichkeit“? Zunächst einmal die Kontingenz eines vergangenen Ereignisses selbst. Dass Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum neuen Reichskanzler in einer „Regierung der nationalen Konzentration“ ernannt wurde, ist demnach ein Ereignis, dessen Eintreten eine hohe Wahrscheinlichkeit besaß, das aber nicht notwendig war. Und umgekehrt ist die Annahme, dass Hitler einem Attentat zum Opfer fallen könnte, ein Ereignis, das zwar nie eingetreten ist, in seiner Potenzialität aber die gesamte Zeit des „Dritten Reiches“ hindurch existierte und insofern „real“ war. Ein zweiter Aspekt von „Möglichkeit“ kommt bei Landwehr hinzu: die Reaktivierung der „vergessenen Geschichte“. Sie kann geschehen, indem altbekannte Quellen neu gelesen und auf bisher vernachlässigte Aspekte durchgesehen werden, sie kann jedoch auch dadurch geschehen, dass neue Quellenbestände neue Ansichten generieren und neue Themenfelder eröffnen. Drittens schließlich weist Landwehr auf die Praxis von Historikern hin, Vergangenheiten aus einer Reihe von Gründen entweder zu unterdrücken oder beizeiten auch wieder hervorzuholen. Alles in allem ist der historische Möglichkeitssinn bei ihm also auf drei Ebenen angesiedelt. Es geht ihm erstens um einen alternativen Verlauf der Vergangenheit und vergangene Zukunftserwartungen, die sich nicht realisierten, zweitens um neue, bislang unbekannte Ereignisse, die der Historiker bereits vorhandenen oder vormals unbekannten Quellen entnimmt, und drittens um die Unterdrückung oder Privilegierung spezifischer Ereignisse durch die Geschichtswissenschaft.

Ist dies schon eine „Theorie möglicher Geschichte“, wie sie Koselleck vorschwebte? Ja und Nein. Ja, denn die drei Möglichkeitsebenen müssen ein integraler Bestandteil einer solchen Geschichte sein. Nein, denn es fehlen noch drei weitere Ebenen. Die erste ist die Ebene der Theorie selbst. Was der Historiker sehen kann und was er nicht sieht, ist immer bestimmt durch die Theorie, die er verwendet (und zwar auch, wenn er sich dazu entscheidet, gar keine zu verwenden). Koselleck (2003) selbst sprach auch von der „Theoriebedürftigkeit der Geschichtswissenschaft“, in erster Linie bezogen auf eine Theorie geschichtlicher Zeiten. Theorieverwendung konditioniert aber auch die Geschichte, die man schreibt, und sie schließt eine andere aus, die man nicht schreiben kann. Wenn sich ein Historiker beispielsweise dazu entschlossen hat, seinen Gegenstand mittels der Kultursoziologie Pierre Bourdieus zu konzeptualisieren, wird er in erster Linie die Relationen zwischen den jeweiligen Feldern, in denen die Akteure eingebettet sind, und ihren Habitūs in den Blick bekommen. Ist sein Gegenstand einer der Zeitgeschichte, dann wird er mit Bourdieu in der Regel aber nicht die organisationale Rahmung individuellen und kollektiven Handelns schildern können, weil dieser französische Soziologie den Faktor „Organisation“ in seinem Theorieangebot vernachlässigt (mit Ausnahme einiger spezieller Organisationen, zum Beispiel „Kirche“).

Die zweite, bei Landwehr fehlende Ebene „möglicher Geschichte“ hängt damit zusammen und betrifft die Methodik. Landwehr selbst hat eine Präferenz für die Methode des Beschreibens, aber dies ist nicht die einzige Art und Weise, Quellen zu interpretieren oder auch Chronoferenzen als Relationen zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten zu etablieren. Eine zweite Methode könnte man mit dem französischen Althistoriker Paul Veyne (2015: 104-127) als „Retrodiktion“ bezeichnen, also das Stopfen von Lücken, wenn dem Historiker keine oder wenige Dokumente zur Verfügung stehen. Veyne hat den Begriff der Wahrscheinlichkeitstheorie entlehnt und meint damit die Wahrscheinlichkeit von Ursachen oder besser: von Hypothesen darüber, weshalb ein Ereignis eingetreten ist. Auch Landwehr (2016: 222) kommt in seinem Kapitel „Beschreibung“ auf Retrodiktionen zu sprechen, will sie aber in erster Linie für Synthesen gelten lassen. Dies hängt mit seiner generellen Präferenz für die Nicht-Linearität des Historischen und das Etablieren von Chronoferenzen als Hauptaktivität des Historikers zusammen. Retrodiktionen seien demnach bloß in linearen Geschichtsdarstellungen vonnöten. Meines Erachtens werden sie jedoch auch in jenen Analysen auftauchen, die sich nur ein „Beschreiben“ auf ihre Fahnen geschrieben haben, und zwar in Gestalt von Präsuppositionen, also mehr oder minder unexplizierten Vorannahmen des Beschreibenden. So kommt Clifford Geertz‘ (1987) berühmter Aufsatz zum balinesischen Hahnenkampf nicht ohne die Vorannahme aus, dessen inhärente Logik erschließe sich aus der balinesischen Kultur selbst, könne jedoch von außen, also einem quasi externen Standpunkt, „gelesen“ werden. Seine Retrodiktion besteht darin, die Lücke zwischen Innen und Außen durch die Verschmelzung von Beobachter und Beobachtetem zu schließen. Keine Beschreibung ohne Retrodiktion (und dies gilt auch für andere Methoden des Historikers, sei es im Rahmen seiner Quelleninterpretation, sei es bei der Niederschrift seiner Ergebnisse in der Form von Texten).

Dies führt uns zur dritten Ebene von „Möglichkeit“, die bei Landwehr fehlt: die geschriebene Sprache und die mit ihr verbundenen Einschränkungen des Historischen. Als skripturale Praxis muss Geschichte, das ist banal, den Regeln der Grammatik folgen (deshalb ist eine dadaistische Geschichtswissenschaft kaum möglich). Hinzu kommen genrespezifische Einschränkungen des Historischen: direkte Rede, Verwendung des Präsens, Verse mit und ohne Reim und sprechende Tiere oder Eingriffe außerirdischer Wesen wird man in geschichtswissenschaftlichen Texten in aller Regel nicht finden. Dies wäre natürlich kein Problem, forderte Landwehr (2016: 161 f., das Heisenberg-Bohr-Beispiel) in seinem Essay nicht die Etablierung von Chronoferenzen zwischen ganz verschiedenen Textsorten: Quellen, Beschreibungen, literarischen Darstellungen und viele mehr. Das Genre geschichtswissenschaftlicher Texte lässt dies nicht zu. Am wichtigsten aber ist hier die Einschränkung der Möglichkeiten des Historischen, die der Historiker durch die von ihm geschriebenen Sätze selbst vornimmt. In der Textlinguistik wird dieser Aspekt unter dem Begriff „Theorie möglicher Welten“ abgehandelt. Der italienische Semiotiker Umberto Eco benutzt das Konzept möglicher Welten, um die interpretierende Mitarbeit des Lesers an erzählenden Texten einzufangen (Eco 1987: 154-219). Es kann aber auch dazu benutzt werden, um die Reduzierung der Möglichkeiten des Historischen beim und durch das Schreiben selbst zu analysieren.

Nehmen wir ein Beispiel, nämlich den Satz: „Hitler vertrat seit dem Jahr 1920 die Forderung, alle Juden zu ermorden“. Die Proposition, also der Inhalt, der mit diesem Satz ausgesagt wird, ist ein zweifacher. Hitler wollte, dass alle Juden ermordet werden sollten, und er wollte dies seit 1920. Wenn ein Historiker diesen Satz an irgendeiner Stelle eines Buches über den Holocaust schreibt, was bedeutet dies für die Möglichkeiten seiner Interpretation? Erstens, dass die Möglichkeit des Judenmordes nach 1920 in der NS-Politik stets präsent war. Zweitens, dass ein Ereignis wie der Boykott gegen die deutschen Juden am 1. und 2. April 1933 in dieser Perspektive gelesen werden muss. Drittens, dass die permanente Möglichkeit des Judenmordes als Damoklesschwert über den präsumtiven Opfern schwebte. Viertens dass der Judenmord, wie er sich in den Jahren 1941/42 entwickelte, auf eine direkte Intention Hitlers zurückging. Weitere Implikationen sind denkbar. Ein einfacher Satz wie der eben zitierte zieht insofern gleich eine Reihe von Einschränkungen des Historischen nach sich, jedenfalls, wenn der geschriebene Text den Anforderungen inhaltlicher Widerspruchsfreiheit genügen soll. Eine „Theorie möglicher Geschichte“ bedarf also immer auch einer Theorie der sprachlichen Präsuppositionen (aus textsemiotischer Sicht Eco 2004: 360-397), wenn der skripturale Charakter des Historischen angemessen berücksichtigt werden soll. Oder gibt es Chronoferenzen, die nicht auf „Schrift“ basieren und die ich übersehehen habe?

Wie also gestaltet sich nun das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit im Rahmen dessen, was Landwehr „das Historische“ nennt? In Musils „Mann ohne Eigenschaften“ findet sich nur eine Seite später als die von Landwehr zitierten Sätze die folgende Aussage: „Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen“ (Musil 1978: 17). Mit anderen Worten: Möglichkeiten müssen, um möglich zu sein, innerhalb der Wirklichkeit als Potenz vorhanden sein. Eine Vervielfältigung der Wirklichkeiten, wie Landwehr sie mehr oder minder offen fordert (Stichwort: Pluralisierung) würde insofern auch die Potenzen der jeweiligen vergangenen Wirklichkeiten vervielfältigen. Das hieße im Endeffekt: zu jeder Zeit in der Vergangenheit wäre im Prinzip alles möglich gewesen. Mir scheint dies letzten Endes aber ahistorisch gedacht. Im Gegenteil: Vergangene Wirklichkeiten schränken die Möglichkeiten des Historischen doch auch ein und lassen Phänomene wie Pfadgebundenheit und strukturbedingte Abhängigkeiten entstehen, die spezifisches individuelles Handeln, spezifische institutionelle Entwicklungen oder spezifische natürliche Gegebenheiten wahrscheinlicher werden lassen als andere. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Kontingenz des Historischen muss gradualisiert werden. Nicht jedes Ereignis ist gleich kontingent.

 

Referenzen

Auster, Paul: 4321. Roman. Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2017

Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, 3., neu bearb. Aufl., Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2009 [ursprgl. erschienen: 2006]

Barthes, Roland: Der Diskurs der Geschichte, in: ders.: Das Rauschen der Sprache. Kritische Essays IV, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2006, S. 149-163

Eco, Umberto: Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, Carl Hanser Verlag: München/Wien 1987

ders.: Die Grenzen der Interpretation, 3. Aufl., dtv: München 2004 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen im Carl Hanser Verlag: München/Wien 1992]

Geertz, Clifford: „Deep play“: Bemerkungen zum balinesischen Hahnenkampf, in: ders.: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1987, S. 202-260

Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, hg. v. Joachim Rohlfes, Michael Sauer u. Winfried Schulze, Jg. 60, Heft 12 (2009) [zitiert: GWU]

Goertz, Hans Jürgen: Unischere Geschichte. Zur Theorie historischer Referentialität, Reclam: Stuttgart 2001

ders. (Hg.): Geschichte. Eine Grundkurs, 3. rev. u. erw. Aufl., Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2007

Händler, Ernst Wilhelm: Versuch über den Roman als Erkenntnisinstrument, S. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 2014

Koschorke, Albrecht: Wahrheit und Erfindung. Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie, 3. Aufl., Verlag S. Fischer: Frankfurt am Main 2013 [ursprgl. erschienen: 2012]

Koselleck, Reinhart: Standortbindung und Zeitlichkeit. Ein Beitrag zur historiographischen Erschließung der geschichtlichen Welt, in: ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1989, S. 176-207 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen: 1979]

ders.: Über die Theoriebedürftigkeit der Geschichtswissenschaft, in: ders.: Zeitschichten. Studien zur Historik, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2003, S. 298-316

Landwehr, Achim: Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie, S. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 2016

Lorenz, Chris: Konstruktion der Vergangenheit. Eine Einführung in die Geschichtstheorie, Böhlau-Verlag: Köln/Weimar/Wien 1997

Luhmann, Niklas: Kontingenz und Recht. Rechtstheorie im interdisziplinären Zusammenhang, hg. v. Johannes F. K. Schmidt, Suhrkamp: Berlin 2013

Mülder-Bach, Inka: Der Mann ohne Eigenschaften. Ein Versuch über den Roman, 2. Aufl., Carl Hanser: München 2013

Müller, Albert/Müller, Karl H. (Hg.): Geschichte beobachten, StudienVerlag: Innsbruck/Wien/Bozen 1997 (= Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, Jahrgang 8, Heft 1)

Musil, Robert: Der Mann ohne Eigenschaften. Roman in 2 Bde., neu durchges. u. verb. Ausgabe v. Adolf Frisé, Rowohlt. Reinbek bei Hamburg 1978

Pörksen, Bernhard (Hg.): Schlüsselwerke des Konstruktivismus, 2., erw. Aufl., Springer VS: Wiesbaden 2015 [ursprgl. erschienen: 2011]

Sabrow, Martin/Jessen, Ralph/Große Kracht, Klaus (Hg.): Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945, C.H. Beck: München 2003

Veyne, Paul: Geschichtsschreibung. Und was sie nicht ist, 2. Aufl., Suhrkamp: Frankfurt am Main 2015 [ursprgl. erschienen: 1990]