Landwehr, Haus der Lüge (das Ganze)

von arminnolzen

LP „Haus der Lüge“, Interpret: Einstürzenden Neubauten

erschienen am 4. September 1989 auf Rough Trade Records

Seite A: 1. Prolog (1:50); 2. Feurio! (6:03); 3. Ein Stuhl in der Hölle (2:09); 4. Haus der Lüge (3:59); 5. Epilog (0:31)

Seite B: 6. Fiat Lux (12:23), A) Fiat Lux, B) Maifestspiele, C) Hirnlego; 7. Schwindel (3:57); 8. Der Kuss (3:39)

Landwehrs Rücknahme des Wahrheitsanspruches, der quasi das Untergeschoss des Historischen bildet, also nicht nur sein Fundament, sondern seine unausgesprochene Conditio sine qua non, ist angesichts der Wissenschaftsentwicklung seit dem 19. Jahrhundert, letztlich auch angesichts der Einsichten, die schon der deutsche Historismus bereithielt (Hardtwig 2005: 51-76), vollkommen konsequent. Man hätte immer schon wissen können, dass es in der vom Historiker geschriebenen Geschichte keine Wahrheit gibt, so wie es in dem vom Richter gesprochenen Recht, jedenfalls unter den Bedingungen der Moderne, auch kein Naturrecht gibt, sondern nur positives, jederzeit veränderbares Recht. Nichts ist natürlich, nichts ist selbstverständlich, jedenfalls nicht in jenem Feld, das Landwehr „das Historische“ nennt. Dies ist eine der wesentlichen Einsichten, die sein Essay über „Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit“ parat hält. An dieser Stelle werden dessen andere Ergebnisse und Landwehrs Vorgehensweise zu rekapitulieren versucht. Dazu lasse ich den Düsseldorfer Historiker zuerst einmal selbst zu Wort kommen, und zwar mit dem letzten, eher resümierenden Kapitel „Zeitschaft“:

Zeitschaft [281-316]

– nichts ist komplizierter als die chronologische Reihenfolge (Jorge Semprun) [281]; Problem linearer Zeitmodelle; implizieren rudimentäre Kausalitätsaussage, dass das Frühere Ursache für das Nachfolgende ist [282]; Organisationsprinzip „Linearität“ ist in tiefsten Schichten unserer Kultur vorhanden (Bilder, Schriftzeichen und Erzählungen); linear-historisches Denken hat Probleme, Dinge in ihrer Singularität stehenzulassen oder Wiederholungen wertzuschätzen, weil es immer schon auf der Suche nach dem Prozess, der Entwicklung ist [283]; sowohl theoretische als auch praktische Umgangsweisen mit allen möglichen Formen des Historischen operieren noch immer mit einer normativen Zeitvorstellung = Zeit, die leer ist und homogen verläuft; hantieren mit einer Zeit, die sich in Zukunft bewegt, der wir nicht zu entkommen vermögen; akademisch etablierte Geschichtswissenschaft und gesamtes historisches Denken ist in einem Zeitverständnis befangen, das letztlich auf Isaac Newton und sein Ideal einer absoluten Zeit zurückgeht [284]; ein Zeitverständnis nach Albert Einsteins Relativitätstheorie, ganz zu schweigen von bedeutsameren Konsequenzen, die die Quantentheorie anzubieten hätte, ist nicht im historischen Bewusstsein angekommen; vielleicht ist unsere Beschreibung der Zeit das Problem; Beschreibung der Zeiten, in denen wir leben, könnte erweisen, dass wir in einer Gegenwärtigkeit der Zeiten leben.

– es genügt schon, sich von der Illusion der Kontinuität zu verabschieden; ebenfalls von Illusion der Chronologie, Linearität und einer sich daraus ergebenden vermeintlichen Kausalität [285]; Ludwig Wittgenstein = „Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube“; Konzept eines absoluten Anfangs ist für chronologische Erzählung unabdingbar; sie bedarf eines notwendigen, imaginierten und letztlich leeren Nullpunkts, in dem die gesamte Erzählung verankert werden kann; von dort aus wird der Faden einer linearen Geschichte entwickelt; wir entwerfen dabei eine Nicht-Zeit, um von diesem mythischen Anfang aus ein Gebilde entstehen zu lassen, an dessen vorläufigem Ende wir selbst stehen; etablierte Zeitvorstellungen sehen Dimensionen, die sich aus einem solchen Zeitmodell ergeben, als absolute Bereiche an, angeordnet auf einer linearen Achse Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; diese Begriffe sind aber erst im 17. und 18. Jahrhundert aufgekommen; im Deutschen in lexikalischer Form erst seit dem 18. Jahrhundert [285 f.]; früher hat man zwar auch zwischen Vergangenheit und Zukunft unterschieden, aber nicht in der Form abgeschlossener Zeiträume [286]; es ist also alles andere als unüblich, die Übergänge zwischen Früherem, Gleichzeitigem und Späterem als durchlässig zu denken; möglicherweise genügt es nicht mehr, alternative Geschichte zu entwerfen, sondern vielleicht benötigen wir Alternative zur Geschichte; Historisches = Auseinandersetzung eines Kollektivs mit den Problemen, die ihm die Zeit stellt; Untersuchung der Möglichkeit von Chronoferenzen [287].

– „alles, was geschieht, geschieht gleichzeitig“ (Niklas Luhmann); greift damit eine Idee auf, die bis zu Augustinus zurückreicht (gegenwärtige Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte); es gibt also Alternativen zur linearen Zeitauffassung; Vergangenheit und Zukunft können so nicht mehr als unabhängige Zeitdimensionen aufgefasst werden, sondern nur noch als Projektionen einer Gegenwart; in historischen Kontexten etablierte Rede von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterstützt Essentialisierung und Ontologisierung dieser Zeiten; um gegen Flachheit des Geschichtsbildes vorzugehen, das Gegenwart und Vergangenheit dichotomisch gegenüberstellt, hat es Versuche gegeben, die Zeit aus ihrer Zweidimensionalität zu befreien [288]; sie wurde im Raum angesiedelt = Fernand Braudels drei Formen historischer Dauer oder Reinhart Kosellecks Bild der Zeitschichten; Zeit sortiert sich hier in einem Übereinander, wobei allerdings unklar bliebt, wie einzelne Zeitschichten miteinander in Kontakt kommen sollen; vielversprechendere Variante eines anderen Zeitverständnisses liefert Topologie (Verzweigungen, Knoten, Falten und Netze) [288 f.]; Ziel muss es sein, zu einem Verständnis von Zeit und Wandel zu gelangen, das nicht modernisierungstheoretisch funktioniert [289]; es bedarf einer Form der Aktualität, die den bindenden Vertag mit der Zukunft aufkündigt; Topologie der Zeiten wird Aufmerksamkeit auf die Verschiedenheit der Verzeitungen richten, die gegenwärtig in einem Raum existieren [290]; Historisches würde sich dann Mannigfaltigkeit der Zeiten widmen [291].

– es wäre gänzlich verfehlt, das Vorhandensein eines Zeitpfeils zu leugnen; zweiter Hauptsatz der Thermodynamik ist für Verstehen der Zeit von entscheidender Bedeutung; Entropie und Alterung sind unhintergehbare Tatsachen des Lebens; Entropie als Maß für Energieverlust und für die Unumkehrbarkeit von Vorgängen; vielleicht gibt es aber größere, unterschiedlich organisierte Vielfalt von Zeitpfeilen [292]; Zeitpfeile lassen sich nicht nur in dem Sinne verstehen, dass sie an physische Prozesse gebunden sind; Abschied von Linearität der Zeit kann nicht zuletzt deshalb schwerfallen, weil alles, was geschieht, nicht nur gleichzeitig geschieht, sondern auch nur einmal geschieht [292 f.]; weil wir uns an die Ordnungsleistung des Nacheinander gewöhnt haben, verstehen wir die Geschichts- vornehmlich als Vergangenheitswissenschaft [293]; sie ist jedoch auch keine Gegenwartswissenschaft, sondern eher eine Zeit- oder Gleichzeitigkeitswissenschaft; in Form von Chronoferenzen geht es ihr um Viel- und Gleichzeitigkeit; Geschichte kommt als ein Granitblock daher = Kollektivsingular (Koselleck); Rede von „der“ Geschichte hat sich erst im 18. Jahrhundert etabliert [294]; Geschichte als Gottersatz entsteht; wirklichkeitsorganisierende Struktur der Grammatik; erst Kollektivsingular ließ es zu, der Geschichte jene den menschlichen Ereignissen und Leiden innewohnende Macht zuzuschreiben, die alles nach einem geheimen plan zusammenfügt und vorantreibt [295].

– Kollektivsingular „Geschichte“ muss zerstört werden [296]; Johann Gustav Droysens Diktum, dass über den Geschichten die Geschichte sei; seither geht man davon aus, dass sich alle Menschen in denselben Gegenwarten bewegen müssen; über den Geschichten thront nicht die Geschichte, sondern gar nichts [297]; es ist plausibler, von ganz erheblichem Durcheinander divergenter temporaler Verfassungen und unterschiedlicher Zeitkonzeptionen auszugehen, die sich nicht auf gemeinsamen Nenner bringen lassen; Kollektivsingular „Geschichte“ muss gleich von zwei historischen Seiten aus in Zweifel gezogen werden = a) als „traditional“ oder „vormodern“ bezeichnete Kollektive waren hinsichtlich ihrer Zeitauffassungen bei weitem nicht traditional, b) leben wir heute nicht mehr in einem Zeitregime, das sich so eindeutig von der Vergangenheit abgrenzt; Memorialkultur ist ein deutliches Indiz für die Aktualität der Vergangenheit, für das Hineinragen des Historischen ins Hier und Jetzt [297 f.]; Schützenhilfe bei Zerstörung des Kollektivsingulars „Geschichte“ durch Kosellecks Aufsatz „Vom Sinn und Unsinn der Geschichte“ (1997) [298]; Geschichte setzt sich aus Vielsinnigkeit zusammen; jede historische Aussage ist verformt, solange ihre Begründung aus Metaphysik, Religion oder Theologie entnommen wird; Einsicht kann als Ausgangspunkt dienen, um Naturalisierung der Geschichte zurückzuweisen.

– Kollektivsingular „Geschichte“ erweist sich als die nicht problematisierte Voraussetzung jeder historischen Beschäftigung [299]; die Geschichte muss nicht als Fiktion gelten, weil sie wahllos fabuliert, sondern weil ihr kein Referent in der Vergangenheit zu entsprechen vermag [299 f.]; Geschichtsschreibung hat es also nicht mit Fiktionen zu tun, sondern sie erzeugt eine Fiktion, nämlich die Geschichte selbst [300]; plädiert dafür, konsequent vom Historischen anstatt von der Geschichte zu sprechen; Kollektivplural „das Historische“; nimmt man das Historische ernst, so genügt sich die Geschichtswissenschaft nicht in der Selbstbeschreibung einer Wissenschaft von dem Vergangenen, sondern erkennt sich als eine Wissenschaft der Zeiten [301]; Beschäftigung mit den vergangenen Zeiten geschieht nicht nur von der Gegenwart aus, sondern wirkt auf diese selbst zurück; es sollte der Fall sein, dass klare Grenzen verschwinden und kein Überblick mehr entsteht [302]; myriadenartig große Anzahl von Zusammenhängen; Metapher vom Historischen als einem wolkenartigen Gebilde; man kann sich auf das Zwischen, also auf die Relationierungen zwischen Menschen, Zeiten und Materialien konzentrieren; Möglichkeit, sich von Definitionen und Fundamentalismen zu verabschieden; wir haben es mit provinziellen „wahren“ Geschichten zu tun, denen es gelingt, für bestimmte Zeit bestimmte Knotenpunkte der Bedeutung zu fixieren.

– Adriano Sofri „Der Knoten und der Nagel“; Möglichkeit, Verbindungen immer wieder anders zu knüpfen [303]; Jacques Derridas Angebot zur Zeit- und Geschichtstheorie in „Marx‘ Gespenster“, das noch nicht wirklich ausgereizt zu sein scheint; Zeit ist anachron, nicht diachron (Latenzen, Emergenzen); „Gespenster der Vergangenheit“, die uns nicht in Ruhe lassen; Derrida zweifelt an der vermeintlichen Abgeschlossenheit der zeitlichen Dimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft [304]; es gilt, das Konsistenzversprechen der Geschichte aufzubrechen; bei Derridas Wiedergängern ist nie klar, welcher Zeit sie angehören und für welche Epoche sie jeweils stehen; das Gleichzeitige zeigt sich dadurch aus, dass es mehrzeitig ist; gegen Ontologie setzt Derrida eine Hantologie als Lehre vom Gespenstischen und seinen Heimsuchungen [305]; jeder Gegenstand immer schon infiziert und heimgesucht von den früheren und künftigen Zeiten; beständige Überblendung der Zeiten; Geschichte kann sich nicht darin erschöpfen, Abfolge von hübsch angeordneten und in Epochen eingeteilten Gegenwarten zu sein; an dieser Aktualität und Präsenz einer Gegenwart muss man grundsätzlich zweifeln; Gegenwart ist nicht identisch mit sich selbst [306]; wir tragen gegenwärtig Verantwortung für die abwesend Anwesenden; Zeit bliebt letztlich immer auf den Raum verwiesen; Topologie der Zeiten (Michel Serres) [307].

– ist es möglich, Pluralität der Chronferenzen so zu aggregieren, dass sich darauf verständlicher Zusammenhang formen lässt? [308]; Vorschlag = Begriff „Zeitschaft“; Zusammenballung der Chronoferenzen, die in einem bestimmten kulturhistorischen Kontext jeweils zur Verfügung stehen [309]; Menschen, Kollektive, Gegenstände, Zeitmessgeräte, Medien, Erzählungen und Ideen, die daran beteiligt sind, die Verhältnisse zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten zu organisieren und zu verändern; Zeitschaft = kulturelles Gebilde; Chronoferenzen führen vor, dass Zeiten auf vielfache Weise erst hergestellt, erzeugt und miteinander gekoppelt werden müssen; Zeitschaft = Form, die ein bestimmtes, von Beobachtern und Beschreibern als bedeutungsvoll hervorgehobenes Konglomerat von Chronoferenzen annimmt [310]; lässt sich begreifen als gasförmiges, wolkenhaftes Gebilde [311]; Aufladung von Zeitfragen mit Machtfragen, die dazu führt, Zeitschaften zu sehr dynamischen Gebilden zu machen; Zeitschaften stehen nie still; für sie gibt es keine angemessene Visualisierung [312 f.]; konkrete Umsetzungen von Zeitschaften eher in der Kunst als in der Wissenschaft [313]; W. G. Sebalds Buch „Ringe des Saturn“; Bewegung durch den Raum und Überlagerung der Zeiten; Gegenwart zeichnet sich durch Überlagerung der Zeiten aus, in der Schreiben von Geschichte multidimensional wird; Geschichtsschreibung kann nicht Aufgabe haben, die Vergangenheit darzustellen; sie macht Vergangenes darstellbar; Historisches kennt keinen Sinn und macht keinen; kennt auch kein metaphysisch vorgegebenes Ziel [314]; es konnte alles anders sein und kann auch immer wieder anders sein [316].

Zeitschaft also, ein überaus interessanter Neologismus, in dem sich gewissermaßen Landwehrs gesamter Essay kristallisiert. Welche Assoziationen ruft er hervor, welches bekannte Wortfeld steht damit in Verbindung? Zunächst einmal natürlich der Science-Fiction-Roman „Timescapes“ des amerikanischen Astrophysikers Gregory Benford (2006), ein Klassiker dieses Genres, der im amerikanischen Original 1980 erschien, im Jahre 1998 spielt und die Welt vor der ökologischen Katastrophe sieht. Im Angesicht der Apokalypse versuchen einige Naturwissenschaftler, mittels Tachyonen, also imaginären Teilchen, die sich schneller als die Lichtgeschwindigkeit bewegen, eine Nachricht in die Vergangenheit zu schicken, um die damaligen Zeitgenossen zur Umkehr zu bewegen, also die Vergangenheit aus der Gegenwart zu verändern (was sonst nicht einmal Gott, sondern nur dem Historiker möglich ist). Landwehr selbst erwähnt die Analogie zu „Landschaft“ und benutzt daher auch viele Bezeichnungen und Metaphern aus der Geografie. Generell verweist sein schillerndes Wort „Zeitschaft“ auf zweierlei: zum einen auf alle Chronoferenzen, die in der Gegenwart des Historikers zur Verfügung stehen und die überhaupt möglich sind, zum anderen die Form eines bestimmten, vom Historiker produzierten Konglomerats von Chronoferenzen. „Zeitschaft“ ist also sowohl eine Möglichkeit (die Summe aller denkbaren Relationierungen von anwesenden und abwesenden Zeiten) als auch eine Wirklichkeit (ein bestimmtes, von einem einzelnen Beobachter etabliertes Bündel von Chronoferenzen).

Diese Oszillation des Begriffs zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit scheint mir jedoch kein epistemologischer Defekt und auch keine übersehene Unschärfe zu sein. Vielmehr zeigt sich hier der prinzipiell autologische Charakter von Landwehrs Geschichtstheorie. Mit diesem Begriff, den Niklas Luhmann (1997: 1128-1142) im Rahmen seiner Systemtheorie besonders stark gemacht hat, ist eine Selbstbezüglichkeit des Denkens gemeint, die dazu führt, dass die Theorie wieder in der Theorie selbst vorkommt. Dies gilt auch für Landwehrs Geschichtstheorie: Indem er seinen Zentralbegriff „Chronoferenz“ mit dem Doppelcharakter von „Möglichkeit“ und „Wirklichkeit“ ausstattet, erfüllt er seine eigene epistemologische Forderung, die wirkliche Geschichte von der möglichen Geschichte her zu denken und umgekehrt. Mit anderen Worten: Landwehr denkt seine Geschichtstheorie konsequent als nur eine unter vielen möglichen Geschichtstheorien, und er denkt sie konsequent als einen Gegenstand, der sich selbst beschreibt und reflektiert. Man muss den enormen Unterschied betonen, den diese Vorgehensweise zu bisherigen Versuchen markiert, das Historische theoretisch zu beschreiben. Deren Autoren argumentieren immer so, als wären sie nicht Teil dessen, was sie selbst beschreiben. Selbstkritik und Selbstreflexion sind ihnen fremd.

Landwehrs Autologie verweist schließlich auf die Frage, wie sein geschichtstheoretischer Essay für den Leser zu verstehen ist, ob er eine Handlungsanweisung an den Historiker ist (in Zukunft schreibe das Historische so, wie ich es dir vorgeschlagen habe!), ob er lediglich Gedankenspiele für eine alternative Geschichtsschreibung vorlegt (berücksichtige die eine oder andere Anregung, dann wird dein Text besser und vielfältiger sein!) oder ob darin lediglich eine Art selbstreflexiver Fingerübung zu sehen ist, um sich seiner eigenen Arbeit zu versichern. Zu diesem Zwecke sollen die bisherigen Eintragungen jetzt resümiert werden, und zwar unter folgenden Fragestellungen: Wie weit kommt Landwehr mit dem Ausgangspunkt „Zeit“? Was sieht er damit, was bekommt er nicht in den Blick? Welches sind seine theoretischen Gewährsleute, welches seine Methoden, wie argumentiert er und worauf will er hinaus?

Erstes Geschoss/Hier leben die Blinden/Die glauben was sie sehen/Und die Tauben/Die glauben was sie hören/Festgebunden auf einem Küchenhocker/Sitzt ein Irrer, der glaubt/Alles was er anfassen kann/(seine Hände liegen im Schoß)

Im ersten Geschoss, in dem den Einstürzenden Neubauten zufolge die Blinden, die glauben was sie sehen, und die Tauben, die glauben, was sie hören, leben, beginnt Landwehrs Zeitreise in die Vergangenheit. Darin betont er die Gegenwärtigkeit des Historischen und negiert den Gegenstand „Geschichte“ (als permanent Abwesendes) beziehungsweise „Geschichtstheorie“ (als im Singular Unmögliches). Landwehr führt damit eine „Negativsprache“ für die Geschichtswissenschaft ein. Die Blinden, das wären dann diejenigen Historiker, die allem und jedem, jedem Ereignis „Sinn“ unterschieben wollen, weil sie den Bekundungen ihrer Protagonisten (den Zeitgenossen, über die sie schreiben), blind vertrauen und deren Sinnzumutungen übernehmen. Die Tauben wiederum, die glauben, was sie hören, die plappern das antike Credo von der Orientierungsfunktion des Historischen nach, von der „historia magistra vitae“, und richten ihre Geschichtsschreibung auf „Lebensdienlichkeit“ (ein etwas antiquierteres Wort) oder (in neudeutsch) auf public history ein. Und der Irre schließlich, das ist der Historiker als Psychotiker der Ontologie. Er kennt einzig und allein ein identisches Sein, feste Substanzen und unveränderliche Tatsachen und Realitäten, die er wieder und wieder mit Sinn füllt. Dem setzt Landwehr sein Credo einer De-Ontologisierung und einer möglichst weitgehenden Zerstörung des Sinns der Geschichte entgegen. Er will den Primat der alteuropäischen Ontologie in der Geschichtswissenschaft brechen und versteht vergangene (wie auch gegenwärtige) Weltverhältnisse als dynamisch, nicht-identisch und sinnlos.

Zweites Geschoss/Rolle für Rolle/Bahn für Bahn/Rauhfaser tapeziert/In den Gängen stehen Mieter herum/Betrachten die Wände aufmerksam/Suchen darauf Bahn um Bahn/Nach Druck- und Rechtschreibfehlern/Könnten nicht mal ihren Namen entziffern

Das zweite Geschoss ist das Materiallager. Hier geht es um Quellen und Aufzeichnungen, die Rauhfaser des Historischen, mit der historische Darstellungen Bahn für Bahn tapeziert werden, und um den Ort, wo diese gemeinhin aufbewahrt werden. Es geht um die Vermittler, mit denen das Historische erst konstituiert wird. Landwehr outet sich als Verfechter des „material turn“ (Samida/Eggert/Hahn 2014), und seine zentrale Referenz ist die Akteur-Netzwerk-Theorie des französischen Soziologen Bruno Latour (2008, 2010, 2012 u. 2015). Ursprünglich entstanden, um die Fabrikation von Wissenschaft im Labor zu erklären, hat sich diese Theorie mittlerweile zur allumfassenden, konstruktivistisch angelegen Erklärungsmaschinerie des Sozialen ausgeweitet, die nachgerade auf epistemologische Erlösung abzielt (Belliger/Krieger 2006; Gertenbach 2014). Latour relationiert alles mit allem (Dinge, Ideen, Menschen, Tiere, Reagenzgläser) und nennt das „Soziologie der Assoziation“. Im Zentrum seines Ansatzes stehen die Materialität der Dinge und der Versuch, diesen agency zuzuschreiben. Der Stellenwert der Geschichte und des historischen Wissens in dieser Theorie ist gering; der Faktor „Zeit“ interessiert Latour gar nicht (Hahn 2008). Seine Sozialtheorie steht Landwehrs Erkenntnisinteresse eigentlich diametral entgegen.

Auf ins nächste Geschoss/Welches, oh Wunder! nie fertiggestellt/Nur über die Treppe erreicht werden kann/Hier lagern Irrtümer, die gehören der Firma/Damit kacheln sie die Böden/An die darf keiner ran

Dieser Widerspruch führt uns direkt in ein nicht fertiggestelltes Geschoss im „Haus der Lüge“, das Geschoss der „Relationierung“. Damit meint Landwehr die Notwendigkeit, anwesende und abwesende Zeiten miteinander zu verknüpfen. Relationieren bezieht sich demnach, anders als bei Latour, nicht nur auf materielle und nicht-materielle Aktanten, sondern auf die Zeitverhältnisse von Historikern und ihren Quellen (Dokumenten, Artefakten). Diese Methode soll dazu dienen, die Chronologie in der geschichtswissenschaftlichen Darstellung loszuwerden und einen Knoten von Chronoferenzen (so ein anderer Neologismus Landwehrs) zu etablieren, der das Historische bildet. Landwehr propagiert eine Abkehr von zeitlicher Linearität und Kausalität, und der Begriff „Chronoferenz“ steht dabei im Mittelpunkt. Im Prinzip ist es dem Historiker möglich, unendlich vieler solcher Chronoferenzen zu etablieren, und Landwehr fordert dazu auch ausdrücklich auf. Wenn man seinen Ratschlag befolgt, steigert sich die Komplexität der geschriebenen Geschichte (zum Begriff Luhmann 1984: 45 ff.). Der Text des Historischen schwillt schnell so weit an, dass nicht mehr jedes Element (jedes Ereignis) mit allen anderen verknüpft werden kann; es stehen dann viele erratische Blöcke einzelner Ereignisse nebeneinander, unverbunden, ohne Sinn. Die Chronoferenzen bilden insofern das exakte Korrelat von Landwehrs Versuch, dem Historischen den Sinn auszutreiben. Sie steigern Komplexität und vernichten Sinn.

Viertes Geschoss/Hier wohnt der Architekt/er geht auf in seinem Plan/dieses Gebäude steckt voller Ideen/es reicht von Funda- bis Firmament/und vom Fundament bis zur Firma

Landwehrs Essay steckt also voller Ideen, die allesamt um die Art und Weise kreisen, wie man Geschichte schreiben sollte. Letztlich denkt er sie, anders als die Sozialgeschichte Bielefelder Prägung, anders auch als die Annales-Schule, vom Ereignis aus. Das Elementarelement des Historischen ist ihm das Ereignis. Im Unterschied zu anderen Historikern (Hölscher 2003) bestimmt Landwehr es weder qualitativ noch ontologisch, sondern relational. Bei ihm befindet sich das Ereignis im Schnittpunkt verschiedener Chronoferenzen, mithin dort, wo das Verhältnis zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten verhandelt wird. Das Ereignis ist erstens immer abhängig vom Historiker, der die Chronoferenzen etabliert, zweitens wird es in der Gegenwart bestimmt, drittens hat es einen festen „Zeitort“ innerhalb der Chronoferenzen. Allerdings fehlt dem Ereignis die Eigentemporalität, das heißt, eine genaue Bestimmung seiner eigenen zeitlichen Erstreckung. Zudem unterlässt Landwehr es in seinem Essay, eine Vorstellung von historischen Prozessen als Ereignissequenzen zu entwickeln, was sein Konzept „Chronoferenz“ eigentümlich statisch werden lässt. Dies zeigt sich auch bei seiner Analyse des Beschreibens als Methode, bei der er letztlich in der theologischen Metapher der Transsubstantiation Zuflucht sucht. Und das, obwohl sich im Dachgeschoss des Historischen Gott bereits erschossen hat.

Dachgeschoss/Es hat einen Schaden/im Dachstuhl sitzt ein alter Mann/auf dem Boden tote Engel verstreut/(deren Gesichter sehen ihm ähnlich)/zwischen den Knien hält er ein Gewehr/er zielt auf seinen Mund/und in den Schädel/durch den Schädel/und aus dem Schädel heraus/in den Dachfirst/dringt das Geschoss/Gott hat sich erschossen/ein Dachgeschoss wird ausgebaut/Gott hat sich erschossen/Ein Dachgeschoss wird ausgebaut/Lüge, Lüge/Ein Dachgeschoss wird ausgebaut

Ein weiteres Ziel Landwehrs ist die Ent-Theologisierung der Geschichte. De-Ontologisierung, Ent-Substanzialisierung, Austreibung von Sinn, eine Anti-Hermeneutik des Beschreibens, das permanente Umschreiben der Geschichte mittels Relationierung und „Chronoferenzen“, all das sind starke Hinweise darauf, dass er der Ansicht ist, die Magd der Geschichte müsse sich noch immer von theologischen Konzepten emanzipieren. Dazu praktiziert er einen methodologischen Atheismus. In der geschichtstheoretischen Diskussion ist wohl kaum ein Aspekt so unterbelichtet geblieben wie das Verhältnis zwischen Theologie und Geschichtswissenschaft (Schwager 2003; Hübinger 2008). In seinen Ausführungen über Kritik und Ethik bezieht Landwehr eine genuin historische Position. Kritik ist ihm Selbsterkenntnis derer, die Geschichtswissenschaft betreiben, und damit zuvorderst Kritik der eigenen Person! Seine Ethik ist vordringlich disziplinär und besteht in einer Wachsamkeit gegenüber allen endgültigen Gewissheiten. „Ethik“ ist bei ihm eine Reflexionstheorie der Geschichtswissenschaften und keine moralische Kategorie. Selbstreferenz (Selbstkritik des Historikers) und reflexive Geschichtswissenschaft gehen bei ihm eine Symbiose ein. Landwehrs Geschichtstheorie konstituiert den Beobachter (den Historiker) als Teil seines Gegenstands (des Historischen) und fordert ihn dazu auf, sich selbst zu erkennen (Becker 2016: 37). Darin ähnelt sie aber wieder der Theologie, die als Reflexionstheorie des Systems „Religion“ fungiert (Luhmann 2000: 320-356). Landwehr hat daher zwar die Inhalte der Geschichtstheorie säkularisiert; ihre Funktion innerhalb der Geschichtswissenschaft ist aber dieselbe wie diejenige der Theologie innerhalb der Religion, mit einem Unterschied: in Ersterer gibt es nichts, was der Dogmatik in der Theologie gleichkäme. Die Geschichtstheorie erträgt Häresien (notgedrungen).

Im Erdgeschoss/Befinden sich vier Türen/die führen direkt ins Freie/oder besser gesagt. in den Grundstein/da kann warten wer will/um zwölf kommt Beton/Grundsteinlegung!/Gedankengänge sind gestrichen/in Kopfhöhe braun/infam oder katholisch violett/zur besseren Orientierung

Die Befreiung von der Theologie ist daher eine inhaltliche, es gibt in der Geschichtswissenschaft keinen Beobachtergott mehr, der seine alleinseligmachende Interpretation oktroyieren könnte, und dies führt Landwehr direkt zum sozialen Konstruktivismus und zum Possibilismus, beide verstanden als (prinzipiell unendlicher) Horizont vergangener Wirklichkeiten und vergangener Möglichkeiten. Nach der Steigerung der Komplexität nun also: Kontingenz. „Wirklichkeit“ ist, ähnlich wie „Chronoferenz“, das Resultat einer voluntaristischen Setzung des Historikers und wird strikt beobachterrelational gedacht. Und „Möglichkeit“ ist bei Landwehr das, was Reinhart Koselleck einmal als „Theorie möglicher Geschichte“ bezeichnet hat: erstens ein alternativer Verlauf der Vergangenheit und vergangene Zukunftserwartungen, die sich nicht realisierten, zweitens bislang unbekannte Ereignisse, die der Historiker bereits vorhandenen oder vormals unbekannten Quellen entnimmt, und drittens die Unterdrückung oder Privilegierung spezifischer Ereignisse durch die Geschichtswissenschaft. Die Darstellung vieler Wirklichkeiten und aller der Geschichte inhärenten Möglichkeiten bildet für Landwehr einen unverzichtbaren Bestandteil des Historischen. Ein Historiker muss auch das berücksichtigen, was hätte gesehen können.

EPILOG/Untergeschoss/Dies ist ein Keller/hier lebe ich/dies hier ist dunkel/feucht und angenehm/dies hier ist ein Schoß

Der Keller; das ist der Ort des Schreibens. Dunkel und abgeschottet, auf sich allein gestellt, komponiert der Historiker hier, was Landwehr „Das Historische“ nennt. Die Gretchenfrage lautet: Wie soll ich Geschichte schreiben? Landwehrs De-Linearisierung von Zeit kommt hier an ihre Grenzen. Schreiben heißt immer, ein lineares Modell zu benutzen, nämlich die typografische Schrift (McLuhan 1968a, b). Das mittels Chronoferenzen ausgetriebene Monster der Linearität tritt durch die Hintertür wieder ein, größer und furchterregender als je zuvor. Der Dadaismus ist keine Lösung, weil er die Grammatik sprengt (und wer wollte oder könnte eine dadaistische Geschichte lesen?). Ein zweites, von Landwehr vorgeschlagenes Modell: postmoderne Literatur (Hutcheon 1988), genauer W.G. Sebalds „Die Ringe des Saturn“, 1995 erstmals erschienen. Ein Ich-Erzähler berichtet von einer Reise, die ihn an die Küste Ostenglands in die Grafschaft Suffolk führt und auf der er Schriftstellern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus der Vergangenheit begegnet. Eigentlich sollte diese Reise eine sinnerfüllte sein, doch angesichts der Zeichen der Zerstörung der Kultur, die er dort erblickt, überfällt ihn plötzlich eine Lähmung des gesamten Körpers, er wird in ein Krankenhaus eingeliefert und entschließt sich dazu, seine Reiseeindrücke niederzuschreiben (Sebald 2015; W.G. Sebald Handbuch 2017).

Der Reisende bewegt sich in einer Art Labyrinth, sein Denken und die Spur seiner Schrift mäandern durch die Geschichte, und immer wieder kommt er an Orte, die ihn dazu veranlassen, eine doppelte Abwesenheit der Geschichte zu beklagen beziehungsweise sie metaphorisch zu beschreiben. Sie ist zum einen vergangen (nicht mehr zu greifen), zum anderen fand sie anders statt, als es ihre vom Historiker benutzten Repräsentationen glauben machen wollen. Nie ist deutlich, wer spricht, der Ich-Erzähler, seine imaginären Reisegefährten wie Thomas Browne, ein Mediziner des 17. Jahrhunderts („Und doch, sagte Browne, ist jede Erkenntnis umgeben von einem undurchdringlichen Dunkel. Was wir wahrnehmen, sind nur vereinzelte Lichter im Abgrund des Unwissens, in dem von tiefen Schatten durchwogten Gebäude der Welt. Wir studieren die Ordnung der Dinge, aber was angelegt ist in ihr, sagt Browne, erfassen wir nicht“; Sebald 2015: 30). Skeptizismus und Melancholie allenthalben, auch und gerade im Hinblick auf die Möglichkeiten (geschichts)wissenschaftlicher Erkenntnis. Bilder, Grafiken, Typografien und Fotografien unterbrechen in „Die Ringe des Saturn“ immer wieder den Fluss des Lesens, und die Geschichten stehen abseits von Chronologie und Kausalität, ein rein assoziatives Vorgehen, das einem einzigen Muster folgt: der Darstellung von Leere. Für Landwehr (2016: 312 f.) überlagern sich in Sebalds Buch die Zeiten; eine passgenaue Visualisierung von Chronoferenzen.

Landwehrs literarisches Beispiel ist gut gewählt. Es zeigt, wie ein geschichtswissenschaftlicher Text aussehen könnte, folgte man den Pfaden seiner Vorschläge. Die wesentlichen Kennzeichen sind Intertextualität, Nebeneinander der Zeitebenen, Relationierung mittels einer mäandernden Sprache, Einarbeitung von grafischen und bildlichen Materialien, Selbstreflexionen, reine Subjektivität, Fragmentarisierung und De-Totalisierung, alles erzählt im Modus der Ironie und permanenten Performanz des Selbst. Kurzum: Postmoderne Literaur par excellence. Über allem: die Utopie der Unendlichkeit. Landwehrs Utopie ist die des Sinologen Stephen Albert in Jorge Luis Borges‘ Erzählung „Der Garten der Pfade, die sich verzweigen“, der sich gefragt hat, „auf welche Weise ein Buch unendlich sein kann. Ich bin zu keinem anderen Schluß gekommen, als daß ein solcher Band zyklisch, kreisförmig angelegt sein müßte. Ein Band, dessen letzte Seite mit der ersten identisch sein müßte, mit der Möglichkeit, bis ins Unendliche fortzufahren“ (Borges 2015: 85). Landwehr liefert eine geschichtstheoretische Utopie im Geiste der „Pfade der Gärten, die sich verzweigen“. Als solche ist sie aber eine integrale Voraussetzung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Geschichte. Denn seit Gaston Bachelards Psychoanalyse des Feuers von 1938 wissen wir: „On ne peut étudier que ce qu’on a d’abord rêvé“.

Referenzen

Becker, Dirk: Handeln im Netzwerk, in: ders.: Wozu Theorie?, Suhrkamp: Berlin 2016, S. 11-41

Belliger, Andréa/Krieger, David J. (Hg.): ANthology. Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, transcript: Bielefeld 2006

Benford, Gregory: Zeitschaft. Roman. Mit einem Vorwort von Jack McDevitt und einem wissenschaftlichen Anhang von Susan Stone-Blackburn. Überarb. Neuausg., Heyne: München 2006 (Taschenbuchausgabe)

Borges, Jorge Luis: Fiktionen. Erzählungen 1939-1944, 13. Aufl., Fischer Taschenbuch Verlag: Frankfurt am Main 2015 [ursprgl. erschienen: 1992]

Gertenbach, Lars: Entgrenzungen der Soziologie. Bruno Latour und der Konstruktivismus, Velbrück: Weilerswist 2014

Hahn, Markus: „Marvelous Examples“. Zum Status des historischen Wissens in der Akteur-Netzwerk-Theorie Bruno Latours, in: Bruno Latours Kollektive, hg. v. Georg Kneer, Markus Schroer u. Erhard Schüttpelz, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2008, S. 457-474

Hardtwig, Wolfgang: Hochkultur des bürgerlichen Zeitalters, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 2005

Hölscher, Lucian: Ereignis, in: Lexikon Geschichtswissenschaft. 100 Grundbegriffe, hg. v. Stefan Jordan, Reclam: Stuttgart 2003, S. 72 ff.

Hübinger, Gangolf: Theologie und Geschichtswissenschaft. Ihr Verhältnis in Geschichte und Gegenwart, in: Tanner, Klaus (Hg.): Christentumstheorie. Geschichtsschreibung und Kulturdeutung. Trutz Rendtorff zum 24.01.2006, Evangelische Verlagsanstalt: Leipzig 2008, S. 19-34

Hutcheon, Linda: A Poetic of Postmodernism. History, Theory, Fiction, Routledge: New York/London 1988

Landwehr, Achim: Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie, S. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 2016

Latour, Bruno: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2008 (Taschenbuchausgabe)

ders.: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2010 (Taschenbuchausgabe)

ders.: Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie, 2. Aufl., Suhrkamp: Frankfurt am Main 2012 (Taschenbuchausgabe) [urspgrl. erschienen: 2010]

ders.: Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft, 5. Aufl., Suhrkamp: Berlin 2015 (Taschenbuchausgabe) [urspgrl. erschienen: 2002]

Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1984

ders.: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1997

ders.: Die Religion der Gesellschaft, hg. v. André Kieserling, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2000

McLuhan, Marshall: Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters, Econ: Düsseldorf 1968

ders.: Die magischen Kanäle – Understanding Media, Econ: Düsseldorf 1968

Samida, Stefanie/Eggert, Manfred K. H./Hahn, Hans Peter (Hg.): Handbuch materielle Kultur. Bedeutungen, Konzepte, Disziplinen, Metzler: Stuttgart 2014

Schwager, Raymund: Das soziale Band. Zum Verhältnis von Theologie und Geschichtswissenschaft, in: Reinalter, Helmut (Hg.): Denksysteme. Theorie- und Methodenprobleme aus interdisziplinärer Sicht, StudienVerlag: Innsbruck/Wien/Bozen 2003, S. 227-246

Sebald, W.G.: Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt, 13. Aufl., Fischer Taschenbuch Verlag: Frankfurt am Main 2015 (Taschenbuchausgabe; ursprgl. erschienen 1997) [im Original erschienen im Carl Hanser Verlag: München 1995]

W.G. Sebald Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, hg. v. Claudia Öhlschläger u. Michael Niehaus, Metzler: Stuttgart 2017