Die Reisen des Historikers XIV

von arminnolzen

Münster, 6. und 7. Dezember 2018

Manches Mal dauert es einige Jahre, bis sich erste Anzeichen der fachinternen Wirkung jener Texte zeigen, die das schreibende Ich alleine oder zusammen mit anderen Kollegen verfasst hat. In den Jahren 2010/2011 hatte ich gemeinsam mit Manfred Gailus einige Zeit damit verbracht, einen Sammelband zu konzipieren, den wir im internen Arbeitsgebrauch zunächst einmal unter dem Titel „Religionsverhältnisse nach 1933“ führten. Ziel sollte eigentlich sein, eine integrierte, möglichst viele Religionsgemeinschaften umfassende Darstellung der NS-Zeit zu konzipieren, die sich von den traditionellen Paradigmen wie „Kirchenkampf“, „christlicher Antijudaismus“ und „Widerstand“ ablösen und den Blick auf eine als komplexer gedachte Beziehungsgeschichte zwischen NS-Regime und Kirchen freigeben sollte. All das sollte natürlich auf der Basis neuer, empirisch fundierter Forschungen geschehen. Nachdem der Band im Sommer 2011 nach einigen Anlaufschwierigkeiten (Autorenabsagen, notwendige Übersetzungen aus dem Englischen etc.) erschienen war (Gailus/Nolzen 2011), hörten wir bis auf einige wohlwollende Rezensionen kaum mehr etwas davon. Ich hatte mit dem Thema „Religion und Politik“ im „Dritten Reich“ bereits abgeschlossen, als ich nach meinem Sommerurlaub 2018 von Prof. Dr. Thomas Großbölting und Prof. Dr. Olaf Blaschke, beide Westfälische-Wilhelms-Universität Münster und am dortigen Exzellenzcluster „Religion und Politik“ (https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/) beteiligt, überraschenderweise eine Einladung zu einer Tagung mit dem Thema „Was glaubten die Deutschen 1933-1945? Eine neue Perspektive auf das Verhältnis von Religion und Politik im Nationalsozialismus“ erhielt. Und das zugehörige Forschungsexposé lautete wie folgt:

Problemaufriss

Der Nationalsozialismus in Deutschland etablierte sich als politische Organisation wie auch als Weltanschauungsbewegung in einer Gesellschaft, die dominant christlich geprägt war. Die Vermessung des Verhältnisses von NS-Bewegung und den beiden christlichen Kirchen ist eine Aufgabe, die die Forschung immer wieder herausgefordert und bislang eine Unmenge von Veröffentlichungen hervorgebracht hat. Allen Differenzierungen zum Trotz überwiegen dabei in der Regel Zugriffe, die von einem Gegenüber der beiden Größen ausgehen: Der Nationalsozialismus, seine Organisation und seine Weltanschauung stehen dann auf der einen, die religiösen Gemeinschaften und ihre Pendants auf der anderen Seite. Ihre Geschichte wird als eine Geschichte wechselnder Abstände zueinander wie auch gelegentlicher Überlappungen der beiden Pole geschrieben. Selbst der viel bemühte Begriff der „Brückenbauer“ evoziert noch das Bild von zwei gegenüberliegenden Ufern.

Diese konzeptionelle Grunddisposition führte nicht nur in der populären Darstellung der NS-Diktatur, sondern auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu einem höchst profilstarken Bild: Die Rolle der Kirchen wurde mit dem Augenmerk auf ihre Widerständigkeit gegen die Diktatur skizziert, in Überblicksdarstellungen zum NS avancierte das Widerstandskapitel zum „natürlichen Ort“ der Kirchen. Es dominiert nach wie vor die Vorstellung vom „Kirchenkampf“, sprich: einer Konfrontation von NS-Staat und den christlichen Kirchen. Gelegentlich erscheinen – in starker Anlehnung an die kirchliche Selbstdeutung und Geschichtspolitik nach 1945 – die Jahre der Diktatur sogar als eine „gottlose Zeit“.

Ferner kommt der Faktor Religion in einer zweiten Hinsicht zum Tragen, wenn unter dem Rubrum „politische Religion“ ein (meist monokausales) Erklärungsmodell für den Aufstieg des Nationalsozialismus angeboten wird: Die rituellen Selbstinszenierungen der NSDAP werden als eine Praxis skizziert, die wesentlich vom christlichen, aber auch von anderen religiösen Einflüssen geprägt gewesen sei. Der auf den Reichsparteitagen, aber auch in vielen anderen Zusammenhängen inszenierte „braune Kult“ (Hans-Jochen Gamm) wird dann zum entscheidenden Movens für eine „spezifische, wenn nicht gar religionsähnliche Gläubigkeit breiter Kreise der Bevölkerung“ erklärt (Gailus/Nolzen). Beziehungen beider Prozesse zueinander, Rückwirkungen in das religiöse Feld insgesamt und insbesondere auf die individuelle „Gläubigkeit“ und Sinnstiftung der Deutschen in den 1930er und 1940er Jahren bleiben in den Darstellungen und Analysen hingegen meist ausgespart.

Neuperspektivierung

Die geplante Tagung nimmt diesen Befund auf und versucht sich an einer Neuperspektivierung des Verhältnisses von Religion und Nationalsozialismus. Ziel unseres Vorhabens ist es, Religion während der NS-Zeit nicht von vornherein als Faktor von Tradition, Resilienz und Resistenz, sondern als mitlaufende Gegebenheit, möglicherweise gar als Teilfaktor des Nationalsozialismus zu analysieren. Das Christentum der Deutschen war nicht, so lässt sich zugespitzt und als Gegenposition zum weit verbreiteten Bild formulieren, das passive Opfer eines antichristlichen „Betriebsunfalls”, im Gegenteil: Wenn Religion eine gesellschaftsformende Kraft zukommt, dann ist zu prüfen, ob der Nationalsozialismus tatsächlich trotz oder gegen christliche Grundeinstellungen der Mehrheitsgesellschaft entstanden ist, wie häufig suggeriert wird, oder ob er vielmehr sich gerade wegen christlicher Dispositionen und mit ihnen derart rasch entwickelt und etabliert hat.

Der Perspektivenwechsel besteht darin, dass die „politische Religion” des Nationalsozialismus nicht per se als mit der „religiösen Religion” des Christentums oder anderer Religionsgemeinschaften für unvereinbar gehalten wird. Stattdessen wollen wir versuchen, das „Wechselspiel” von religiösen und politischen Identitäten analytisch in den Mittelpunkt zu rücken und auf diese Weise auszuloten, ob und in welchem Maße NS-Weltanschauung und religiöse Überzeugungen ineinandergriffen, ob und in welchem Maße sie nebeneinander existierten, ob und in welchem Maße sie sich abstießen. Unserer Meinung nach bietet diese Neuperspektivierung die Chance, die oben skizzierte Dichotomie von „Kreuz und Hakenkreuz“ heuristisch zu überwinden und offen nach dem Verhältnis von Religion und politischer Weltanschauung zu fragen: War eventuell, so die zu überprüfende Hypothese, ein größerer Teil der Bevölkerung, nicht entweder Nationalsozialist oder Christ, sondern in Gemengelagen beides – möglicherweise gar ohne Bewusstsein von Paradoxie, wie sie spätere Aufsichten unterstellten?

In diesem Sinne und idealtypisch zugespitzt lässt sich dann nach der Kompatibilität oder der Abstoßung fragen: Standen der regierungspolitisch erklärte Rassismus und das christliche Gebot der Nächstenliebe oder der nationale Egoismus und der religiöser Universalismus in den verschiedenen Phasen der NS-Diktatur lebensweltlich in Spannung zueinander? Oder ließen sich diese und andere Haltungen miteinander vereinbaren? Antworten lassen sich wohl am besten ermitteln, wenn wir die möglicherweise „hybride” Gläubigkeit gewöhnlicher Deutscher – bei den Deutschchristen hätte man allzu leichtes Spiel – angesichts der „Innovation” des Nationalsozialismus untersuchen. Damit kommt neben oder zwischen der institutionell getragenen und in Deutschland konfessionell organisierten Religion und den politischen Ideologien als Anbieter von Weltdeutung und Zukunftsperspektive deren individuelle und gruppenspezifische Aneignung und Weiterentwicklung stärker in den Blick.

Wir fassen unseren Untersuchungsgegenstand mit Gailus/Nolzen als „Gläubigkeit“ und verstehen darunter ein vor allem dem und der Einzelnen Sinn stiftendes Gedankensystem, das überweltlich-transzendent gebunden ist. Spirituelle Orientierung sowie entsprechende Praktiken und ritualisierte Weltdeutungen gaben (und geben) ihren Anhängern Antworten auf existenzielle Grundfragen nach den letzten Dingen menschlichen Lebens (Kontingenzerfahrung, Leid, Endlichkeit und Tod) und erlaubten es zudem, sich individuell in ein größeres Ganzes einzuordnen. Mit dieser offenen Definition von „Gläubigkeit“ räumen wir die konzeptionellen Barrieren ab, die es oftmals verhinderten, offen nach dem Verhältnis von religiösen und politischen Bekenntnissen sowohl auf der politischen, der ideengeschichtlichen wie auch auf einer kultur- und alltagsgeschichtlichen Ebene zu fragen. Das Interesse richtet sich weniger auf die kirchlichen Institutionen, kirchenoffiziellen Verlautbarungen und theologischen Diskurse, sondern stärker auf die Religiosität und religiöse Praxis der Vielen. Statt „Religion“ als geschlossenes System zu verstehen, wird die Geschichte des „geglaubten Gottes“ thematisiert.

Damit ist schließlich auch die Konzentration auf das Christentum allein überwunden, sondern es rücken auch andere religiöse und weltanschauliche Bekenntnisse wie beispielsweise die verschiedenen völkischen Varianten von Welterklärung, aber auch der Nationalsozialismus selbst in das Zentrum der Betrachtung. Die Politik und die Außenkommunikation des Nationalsozialismus versahen die eigenen Ziele mit Höchstrelevanz, indem sie vormals religiöse Motive aufnahm, steigerte und für sich nutzte. Für diese Öffnung spricht ebenfalls eine konzeptionelle Weiterung in der NS-Forschung selbst: Mit der analytischen Nutzung des Propagandabegriffs der „Volksgemeinschaft“ wird stärker sichtbar, wie wenig geschlossen die „Ideologie“ des Nationalsozialismus war und dass es stattdessen breite Überschneidungen und wechselseitige Weiterentwicklungen mit anderen weltanschaulichen Grundströmungen gab.

Zu all diesen Facetten möchten wir empirisch erarbeiten und erstmals oder erneut überprüfen, inwieweit sich vormals getrennte „Gläubigkeiten“, die der Religion und der Politik, in der Wahrnehmung und in der Praxis der Zeitgenossen voneinander abstießen, in Konkurrenz zueinander standen, wo Übereinstimmungen und Parallelitäten im politischen und religiösen Aufbruch der 1930er und 1940er Jahre zu sehen sind, wo sich beide gegenseitig befruchteten oder das eine auf dem anderen aufbaute.

Hinsichten und Perspektiven

In unserer Tagung nehmen wir dabei zeitlich die gesamte Spanne der Diktatur wie auch ihre Vor- und Nachgeschichte in den Blick. Neben Analysen zur Phase der Machtetablierung Anfang der 1930er Jahre, in der die Hoffnungen auf allen Seiten blühten, fragen wir auch nach den Veränderungen in den Friedens- und Kriegsjahren der Diktatur. Ebenfalls interessieren uns Reminiszenzen und verbleibende Prägungen des politisch-religiösen Feldes nach 1945.Um gemeinsame Hinsichten zu entwickeln, orientieren wir uns dabei a) an Akteuren und ihren Praktiken, an b) weltanschaulich-religiösen Motiven und c) an deutenden Diskursen, die es erlauben, auf verschiedenen Ebenen mögliche Schnittmengen von politischer und religiöser Weltdeutung zu untersuchen.

a) Akteure und Praktiken: Die „hybride” Gläubigkeit von Einzelnen wie auch von Gruppen untersuchen wir in der Verschränkung von organisations- und sozialgeschichtlicher Ebenen. Wie gingen die NSDAP-Untergliederungen mit Christen in ihren Reihen und wie umgekehrt die Kirchengemeinden mit NS-Aktivisten um? Wir interessieren uns dafür, wie in den politischen und religiösen Organisationen und ihren unterschiedlichen Ebenen (von der Führung bis hin zu den „rank and files“), in den herkömmlichen und ggf. neuen politischen und religiösen Bewegungen, in den verschiedenen Gesellschaftsschichten und Milieus, aber auch in privateren Zusammenhängen wie auch von Einzelnen die politische und religiöse „Innovation” in den 1930er und 1940er Jahren aufgenommen und in Praxis umgesetzt wurde.

b) Motive: Zu den Motiven zählen wir an prominenter Stelle die Überhöhung der Nation zur wichtigsten politischen Handlungseinheit und deren Deklaration zu einem (zumindest rhetorisch) nahezu eschatologischem Höchstwert. Aber auch andere Formen der Erlösungshoffnung oder der Heilserwartung, wie sie sich sowohl in religiösen wie auch politischen sprachlichen wie auch symbolischen Kommunikationen zeigen, wollen wir dazu in Betracht ziehen. Wie weit deckten sich das Ideologem der „Volksgemeinschaft“ mit christlichen Gemeinschaftsvorstellungen, der Führerkult mit kirchlichem Zentralismus, das Zugehörigkeitsgefühl zur „Herrenrasse“ mit der Gemeinschaft der Gläubigen? In welchem Maße trugen Antagonismen wie der Antisemitismus oder der Antikommunismus nicht nur zur Binnenintegration im eigenen Lager, sondern auch über diese Grenzen hinaus bei? Wie funktionierten Aushandlungs- und Abstoßungsprozesse, wie beispielsweise im Fall der sogenannten arischen Christinnen und Christen?

c) Diskurse: Die NS-Bewegung ist zeitgenössisch vor allem deshalb als „politische Religion“ charakterisiert worden, um ihre Verführungskraft zu skizzieren. Auch über diese Interpretation hinaus, die oft nicht zuletzt als zeitgenössische Intervention und Warnung gedacht war, gab es in den politischen Lagern wie auch in den religiösen Gemeinschaften vielfältige Reflexionen zum gegenseitigen Verhältnis. Wir wollen die Engführung auf meist wenige prominente Stimmen überwinden und die Bandbreite der zeitgenössischen Deutungen ebenso erschließen, wie wir nationale und internationale Stimmen berücksichtigen wollen. Was wurde als Zone der Übereinstimmung, was als Moment der Inkompatibilität gesehen, und zwar vor, während und nach der Diktatur?

Es folgte eine Liste der angefragten Teilnehmer nebst Bitte um baldiger Zusage und Vorschlag eines Vortragstitels. Dabei tat ich mir diesmal relativ schwer, weil im programmatischen Entwurf zwei Analysefelder zusammenkommen, die eigentlich getrennt voneinander behandelt werden müssen: Das erste Feld ist die Frage nach der „Gläubigkeit“ der deutschen Bevölkerung (und Schnittmengen zwischen kirchlichen und nationalsozialistischen Semantiken), das zweite die Frage nach dem Verhältnis zwischen Religion und Politik. Zwar lassen sich beide Fragen auf die Referenzebene „Gesellschaft“ beziehen, aber es sind zwei unterschiedliche Personengruppen, um die es dabei geht. Im ersten Feld treten (um an dieser Stelle schon einmal das systemtheoretische Vokabular zu bemühen, das meiner Darstellung zugrundeliegen würde) die Publikumsrollen der Funktionssysteme „Politik“ und „Religion“, also die Anhänger und Gläubigen, in den Blick, im zweiten die Leistungsrollen, also staatliche und kirchliche Amtsträger (Stichweh 2016; dazu Ziemann 2009: 96-130). Das erste Feld erfordert eine erweiterte Ideologiegeschichte, das zweite eine Geschichte von Organisationsbeziehungen. Ich überlegte, wie man beide Felder in einem Analyserahmen verbinden könnte.

Nach wenigen Tagen erinnerte ich mich meines ursprünglichen, dem Sammelband mit Manfred Gailus zurückliegenden Impulses, die Religionsverhältnisse im NS-Staat aus der Perspektive der NSDAP als sozialem System vom Typ „Organisation“ in den Blick zu nehmen (Luhmann 1976, 2011 u. 2018). Nachdem ich bei Benjamin Ziemann (2009: 129) gelernt hatte, dass wir über die weibliche Kirchlichkeit im 20. Jahrhundert relativ wenig wissen, kam mir die entscheidende Idee: Warum nicht eine weibliche NS-Massenorganisation im Hinblick auf dieses Thema untersuchen? Und welche läge näher als der Bund Deutscher Mädel (BDM), zu dem es schon einige historische und erziehungswissenschaftliche Forschung gibt (als letzte Synthese Reese 2007)? Ich besorgte mir die einschlägige Literatur und eruierte, worin die bisherigen Forschungsschwerpunkte lagen. Zugleich sah ich die aktuellen religionssoziologischen Ansätze durch, wie sie im gerade erst erschienenen „Handbuch Religionssoziologie“ versammelt sind (Pollack/Krech/Müller/Hero 2018) und in Münster im erwähnten Exzellenzcluster historiografisch praktiziert werden. Mein Ziel war es, aus der parallelen Lektüre von Religionssoziologie und der Sekundärliteratur eine Fragestellung zu entwickeln, die Großböltings und Blaschkes Konzeptpapier entsprach.

Was die Religionssoziologie angeht, so schienen mir zwei Aspekte besonders bemerkenswert: ihr dezidiertes Interesse für religiöse Organisationen (Knoblauch 1999: 145-202; Petzke/Tyrell 2012; Schlamelcher 2018), und neuere Versuche, der Analyse den Begriff „religiöse Kommunikation“ zugrundezulegen (Luhmann 1986 u. 1998; Tyrell 1996 u. 2002, sowie Tyrell/Krech/Knoblauch 1998). Die Literatur zum BDM zeichnet sich, im Gegensatz zur Forschung über die männliche Hitlerjugend (HJ) (Buddrus 2003) und zu den kaum überschaubaren konfessionsnahen Studien zum „Kampf um die Jugend“ nach 1933 (Priepke 1960; Pahlke 1995), durch eine weitgehende Vernachlässigung des Themas „Religion“ aus. Sie konzentriert sich stattdessen auf individuelles Erleben, und zwar unter teils exzessiver Benutzung der nach 1945 entstandenen Selbstzeugnisse früherer Angehöriger. Den Schwerpunkt bildet eine Art Erziehungs- und Erfahrungsgeschichte des BDM, bei der das Spannungsverhältnis zwischen der eigentümlichen Faszination, die diese NS-Organisation auf viele ihrer Mitglieder ausübte, und ihren teils offenen, teils versteckten Zwangsmaßnahmen ausgelotet wird.

Mein Vortrag sollte demgegenüber andere Schwerpunkte setzen. Mir ging es um die (auf den ersten Blick relativ einfache) Frage, wie nach 1933 im BDM als einem sozialen System vom Typ „Organisation“ überhaupt über Religion kommuniziert wurde, also um eine zaghafte Verbindung von Organisations- und Religionssoziologie. Zwei Aspekte waren für mich von besonderem Interesse: die Thematisierung von „Religion“ im Rahmen der Mitgliederverwaltung des BDM und dessen Semantiken von „Glaube“. Nachdem ich mir eine separate Quellenübersicht zum Thema angelegt und mit der inhaltlichen Ausarbeitung begonnen hatte, erreichte mich Anfang November 2018 schließlich das endgültige Tagungsprogramm.

Donnerstag, 6. Dezember 2018, 13:30-20:00 Uhr

13:30 Uhr: Begrüßung und Einführung, Olaf Blaschke und Thomas Großbölting (Münster)

Sektion I: Akteure und ihre Praktiken

Moderation: Malte Thießen (Münster)

13:45 Uhr: Praktiken der (Doppel)Gläubigkeit vor Ort: Exemplarische Überlegungen zur Beziehung lokaler NS-Gliederungen zum Christentum, Sarah Thieme (Münster)

14:30 Uhr: Der Bund Deutscher Mädel (BDM) als „Glaubensgemeinschaft“. Zur Entwicklung einer NS-Jugendorganisation nach 1933, Armin Nolzen (Bochum)

15:45 Uhr: Der Komponist Arthur Piechler und die Antinomien des katholischen Kulturkonservatismus im NS-Regime, Martina Steber (München)

16:30 Uhr: Katholischer Glaube und Praxis an der „Heimatfront“, 1939-1945, Thomas Brodie (Birmingham)

17:30 Uhr: Wie viel überzeugte Nationalsozialisten gab es? Warum verließen so viele wieder die Partei? Neue Forschungsergebnisse über die Mitglieder der NSDAP 1925-1945, Jürgen Falter (Mainz)

Abendvortrag im Fürstenberghaus, Hörsaal F 5

18:30 Uhr:„Wir tragen das Hakenkreuz in die Kirche“. Religiöse Rituale und der Transfer des Sakralen. Zum widersprüchlichen Verhältnis von nationalsozialistischer „Volksgemeinschaft“ und christlichen Glaubensgemeinschaften, Hans-Ulrich Thamer (Münster)

Freitag, 7. Dezember 2018, 9:00-16:00 Uhr

Sektion II: Weltanschaulich-religiöse Motive

Moderation: Christina Morina (Amsterdam)

9:00 Uhr: Ankunft in der „Volksgemeinschaft“? Katholisch-nationale Feiern in Berlin im Jahr 1933, Klaus Große Kracht (Münster)

9:45 Uhr: Völkische Religion und Nationalsozialismus. Ideologische, personelle und organisatorische Analysen von Oskar Stillich, Uwe Puschner (Berlin)

11:00 Uhr:„Braune Priester“ / „Klerikalfaschisten“ an der Peripherie NS-Deutschlands. Radikalisierung, Loyalität und Eigensinn, Miloslav Szabó (Bratislava)

Sektion III: Deutende Diskurse

Moderation: Wilhelm Damberg (Bochum)

13:00 Uhr: Nationalsozialismus und Religion: Überlegungen zu einer Gesamtschau, Manfred Gailus (Berlin)

13:45 Uhr: Vereinbarkeits- bzw. Unvereinbarkeitsdiskurse, Lucia Scherzberg (Saarbrücken)

14:45 Uhr: Zwei „Gläubigkeitsdebatten“, viele Parallelen: Kontroversen zur Säkularisierung und NS-Gläubigkeit, Mark Ruff (St. Louis)

Schlusskommentar

15:30 Uhr: Religion und Rassismus in der Volksgemeinschaft – Neue Perspektiven, Isabel Heinemann (Münster)

Von den ursprünglich angefragten Referenten hatten also weniger als ein Drittel zugesagt. Unter den Vortragenden waren ausschließlich Historiker mit dem Schwerpunkt NS-Forschung, und die kirchennahe Historiografie, also die Kommission für Kirchliche Zeitgeschichte von katholischer Seite und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte, waren gar nicht vertreten. Was meinen eigenen Vortrag anging, ließ ich die traditionelle „Kirchenkampfliteratur“ größtenteils beiseite und konzentrierte mich stattdessen darauf, das Thema „BDM und Religion“ systematisch zu vermessen. Besonders die Suche nach geeigneten Quellen gestaltete sich dabei schwierig, weil der Schwerpunkt der BDM-Forschung in den 1980er und 1990er Jahren lag, als sich kaum jemand für „Religion“ interessierte und die einschlägigen Interviews mit ehemaligen Protagonistinnen wie auch die meisten wissenschaftlichen Editionen über die Hitler-Jugend, die ohnedies ihren Schwerpunkt auf die männliche HJ legen, einfach nichts hergaben (als Ausnahme Keller 2015). Immerhin reichten meine eigenen Dokumente für einen Vortrag von einer halben Stunde aus, den ich relativ zügig schrieb (Vortrag Münster).

Weil die Veranstalter bereits im Vorfeld der Tagung eine Publikation der Vorträge angekündigt hatten, stellte ich auch schon einige Überlegungen über eine mögliche Ausweitung des Themas an. Dabei ließ ich mich von der Einsicht leiten, dass die bisherige BDM-Forschung in doppelter Hinsicht eine verkürzte ist. Zum einen fokussiert sie stark auf die Vorkriegszeit, zum anderen (und damit verbunden) vernachlässigt sie Aufbau und Aktivitäten dieser NS-Organisation in den seit 1938/39 eroberten Gebieten (mit Ausnahme von Gehmacher 2007; Harvey 2010; Uitz 2014), über die wir bisher kaum etwas wissen. Das ist für das Verhältnis zwischen BDM und „Religion“ relativ bedeutsam. Es ist nämlich zu beachten, dass sich mit der militärischen Expansionspolitik des NS-Regimes seit 1938/39 auch die Konfessionsverhältnisse innerhalb des „Großdeutschen Reiches“ stark veränderten. Am 1. August 1941 galten von dessen 97,5 Millionen Einwohnern (einschließlich der tschechischen und polnischen Gebiete) 46,6 Millionen (und damit mehr als die Hälfte) als Katholiken (Statistisches Jahrbuch 1943: 26). Damit war der Katholizismus von einer Minderheitenposition von ca. einem Drittel aller Konfessionsangehörigen binnen weniger Jahre zur Mehrheitsreligion im „Großdeutschen Reich“ geworden.

Bei der Konferenz selbst spielte die Frage der Religionsverhältnisse im Krieg dann jedoch, mit Ausnahme der Vorträge von Thomas Brodie (Birmingham) und Miloslav Szabó (Bratislava), eine eher untergeordnete Rolle, obgleich die Notwendigkeit weiterer Forschungen in der Debatte um die bilanzierenden Ausführungen von Manfred Gailus (Berlin) und Mark Ruff (St. Louis) sowie im Abschlusskommentar von Isabel Heinemann (Münster) anerkannt wurde. Es dominierten eher jene Themen, die auch in der Forschung der letzten beiden Dekaden verhandelt wurden, also die Totenfeiern der NSDAP und die national motivierten Feiern der katholischen Kirche von 1933 (Sarah Thieme und Klaus Große Kracht, beide Münster), die „völkische Bewegung“ und das Problem einer „dritten Konfession“ (Uwe Puschner, Berlin), ein innernationalsozialistischer Konflikt um einen Komponisten, der als „jüdischer Mischling“ galt und zum kulturkonservativen Milieu Augsburgs zählte (Martina Steber, München) und, als Abendvortrag, die Anpassung der beiden christlichen Kirchen ans NS-Regime, dargestellt anhand einiger Beispiele zur Gestaltung von Kirchenräumen nach 1933 (Hans-Ulrich Thamer, Münster). Leider mussten die Vorträge von Jürgen Falter (Mainz) und Lucia Scherzberg (Saarbrücken) wegen Krankheit entfallen, was die Diskussionen, die mit 15 Minuten eigentlich sehr kurz bemessen waren, zeitlich etwas entlastete.

Generell wurde bei der Tagung viel Inhaltliches, weniger Konzeptuelles verhandelt, vielleicht mit Ausnahme der (von vielen Anwesenden geteilten Einsicht), dass es neuer Herangehensweisen an das Thema „Religion und Politik“ bedürfe, darunter Kulturgeschichte, Emotionengeschichte und sound history (mit der Frage, wie Nationalsozialismus und Religion klangen). Ansonsten jedoch dominierte die Empirie, aus der sich ergab, wie stark die bisherige Kirchenkampfhistoriografie die vielfältigen Überschneidungsbereiche zwischen dem Nationalsozialismus und den beiden christlichen Kirchen verdeckt hat. Dennoch ist die Notwendigkeit nicht von der Hand zu weisen, beide Perspektiven, also den „Kirchenkampf“ als Konflikt um das Verhältnis zwischen Religion und Politik sowie die Konsenszonen als Bestandteil institutioneller Isomorphien zwischen den Organisationen von Politik und Religion, gleichrangig in eine Betrachtung zu integrieren, die man als Gesellschaftsgeschichte von Religion in der NS-Zeit bezeichnen kann. Dass dabei auch kleine Religionsgemeinschaften (Mormonen, Zeugen Jehovas, Muslime etc.) einbezogen werden müssen, ist ebenfalls deutlich geworden. Schließlich ist zu fragen, ob die NS-Zeit nicht viel zu kurz war, um das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen „Religion“ und „Politik“ im Hinblick auf die „Gläubigkeit“ der Deutschen nach 1933 angemessen erfassen zu können. Es böte sich an, die Analyse auf den Zeitraum zwischen 1900 und 1968 auszuweiten, um den sozialen Wandel des Religiösen in Deutschland in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus bedarf es immer auch des Vergleichs mit anderen Ländern, etwa mit Frankreich, Italien und Spanien sowie den orthodoxen Ländern Südosteuropas, um die Besonderheiten der Religionsverhältnisse in der NS-Zeit besser herausarbeiten zu können (wenig durchdacht Burleigh 2008; anregend hingegen Religion 2011).

Das Problem einer doppelten Stoßrichtung, auf der einen Seite das Verhältnis zwischen Religion und Politik, auf der anderen Seite die Frage danach, wie viele Deutsche nach 1933 was glaubten, durchzog die gesamte Konferenz. Höchstwahrscheinlich kann Luhmanns Systemtheorie und die damit einhergehende Umstellung von Handlungs- auf Kommunikationstheorie hier weiterhelfen, ermöglicht sie es doch, nach der Einflussnahme von politischer auf religiöse Kommunikation und umgekehrt zu fragen. Fasst man „Religion“ und „Politik“ als getrennte, autopoietisch operierende Funktionssysteme innerhalb der modernen Gesellschaft auf (Luhmann 1977, 1989, 1997 u. 2000) und interessiert sich für diese wechselseitige Einflussnahme, muss man jene Bereiche aufsuchen, in denen sie interpenetrieren (so lautet der Begriff bei Luhmann 1984: 286-345, für Beziehungen zwischen psychischen und sozialen Systemen) beziehungsweise strukturell gekoppelt sind (so lautet der Begriff bei Luhmann 1991: 440-495, für die Beziehungen zwischen Funktionssystemen und allen anderen Systemen). In modernen Gesellschaften, zu denen auch das NS-Regime zählte, laufen in der Regel viele Interpenetrationen und strukturelle Kopplungen von Funktionssystemen über Organisationen. Untersucht man das Verhältnis zwischen „Religion“ und „Politik“, so kann man es also an den Beziehungen zwischen den Organisationen dieser beiden Funktionssysteme der modernen Gesellschaft ablesen (dazu Schlamelcher 2018: 502).

Schwieriger gestaltet sich dagegen die systemtheoretische Konzeptualisierung von „Gläubigkeit“. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Luhmann notwendigerweise daran scheitern musste, „Glaube“ als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium zu begreifen, das die Ausdifferenzierung des Systems der Religion bewirkte (man vergleiche nur Luhmann 1977: 134-144, mit Luhmann 1997: 230-249). Zum einen hat der Begriff „Glaube“, wie der französische Komparatist Émile Benveniste (1993: 135-141; allgemein Böckelmann 2012) gezeigt hat, in den indogermanischen Sprachen eine religiöse und eine ökonomische Wurzel. Zum anderen hat er einen christlichen Bias, der sich aus der Zentralstellung von pistis im Neuen Testament ergibt (Mutschler 2010). Zwar kennen auch andere Religionen den Begriff „Glaube“ im Sinne von innerer Zustimmung, sicherem Wissen, Vertrauen in Numinoses und Abgrenzung von vermeintlichen „Ungläubigen“, räumen ihm jedoch bei weitem keine so hohe theologische Bedeutung wie das Christentum ein. Als metasprachliches Konzept der Religionswissenschaften ist der Begriff bis heute umstritten geblieben (Grünschloß/Schulz/Preul/Stemberg/Nagel 2000: 941 f.). Und aus diesem Grund kann er auch kein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium des Systems der Religion im Sinne Luhmanns sein, wie es etwa „Wahrheit“ im Funktionssystem Wissenschaft oder „Macht“ im Funktionssystem Politik sind.

Nicht zuletzt Benvenistes Überlegungen zum Begriff „Glaube“ führen dazu, dass man dessen Bedeutungsinhalte immer am Objekt selbst aufsuchen muss. Was unter „Glaube“ zu verstehen ist, entscheidet sich im jeweiligen historischen Verwendungszusammenhang immer wieder neu. Damit gerät man auf das Feld der historischen Semantik, eine Domäne jener Forschungsansätze, die sich mit dem Namen Reinhart Koselleck (1972, 1989, 2003 u. 2010; dazu Joas/Vogt 2011) verbinden. Ich hatte bei der Debatte um den Begriff „Volksgemeinschaft“ vorgeschlagen, diesen Ansatz zu einer „operativen Semantik“ weiterzuentwickeln (Nolzen 2013 u. 2014), also zu einer Analyse von Lexemen im Gebrauch durch Weltgesellschaft, Funktionssysteme, Organisationen, Protestbewegungen und Interaktionen (wofür in der traditionellen Linguistik die Bezeichnung „Pragmatik“ üblich ist, die hier jedoch zu kurz greift, weil sie an menschlichen Sprechern klebt). Die operative Semantik von „Glaube“, so meine Hypothese, führt im Fall der Religion nach 1933 auf ein theologisch-dogmatisches, im Fall der NS-Politik aber auf ein ökonomisch-immanentes Feld. Wenn Nationalsozialisten von „Glaube“ sprachen, dann wurden in der Regel wirtschaftliche Phänomene wie Gabe und Tausch, Geben und Nehmen sowie persönliche Treue und Dankbarkeit relevant; Transzendenz spielte keine Rolle. Kirchlicher und nationalsozialistischer Gebrauch des Wortes „Glaube“ waren inkommensurabel.

Intertexte

Benveniste, Émile: Indoeuropäische Institutionen. Wortschatz, Geschichte, Funktionen, hg. u. mit einem Nachw. zur deutschen Ausgabe vers. v. Stefan Zimmer, Campus: Frankfurt am Main/New York 1993 [französische Originalausgabe: Paris 1969]

Böckelmann, Janine: Die Semiotik des Sozialen. Die Sprach-Konzeption von Émile Benveniste, Phil. Diss. Düsseldorf/Hagen 2012

Buddrus, Michael: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, KG Saur: München 2003

Burleigh, Michael: Irdische Mächte, göttliches Heil. Die Geschichte des Kampfes zwischen Politik und Religion von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart, Deutsche Verlags-Anstalt: München 2008

Gailus, Manfred/Nolzen, Armin (Hg.): Zerstrittene »Volksgemeinschaft«. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus, Vandenhoeck&Ruprecht: Göttingen 2011

Gehmacher, Johanna: Biografie, Geschlecht und Organisation: der „Bund Deutscher Mädel“ in Österreich, in: Reese, Dagmar (Hg.): Die BDM-Generation. Weibliche Jugendliche in Deutschland und Österreich im Nationalsozialismus, bebra Verlag: Berlin 2007, S. 159-213

Grünschloß, Andreas/Schulz, Heiko/Preul, Reiner/Stemberg, Günter/Nagel, Tillmann: Artikel „Glaube“, in: Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 4., völlig neu bearb. Aufl., hg. v. Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski u. Eberhard Jüngel, ungekürzte Studienausgabe; Bd. 3: F-H, Mohr Siebeck: Tübingen 2000, Spalte 940-983 [ursprgl. erschienen: 1927-1932]

Harvey, Elizabeth: „Der Osten braucht Dich!“. Frauen und nationalsozialistische Germanisierungspolitik, Hamburger Edition: Hamburg 2010

Joas, Hans/Vogt, Peter (Hg.): Begriffene Geschichte. Beiträge zum Werk Reinhart Kosellecks, Suhrkamp: Berlin 2011

Keller, Sven (Hg.): Kriegstagebuch einer jungen Nationalsozialistin. Die Aufzeichnungen Wolfhilde von Königs 1939-1946, DeGruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2015

Knoblauch, Hubert: Religionssoziologie: Walter DeGruyter: Berlin/New York 1999

Koselleck, Reinhart: Einleitung, in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, hg. v. Otto Brunner, Werner Conze u. Reinhart Koselleck; 8 Bde., Klett-Cotta: Stuttgart 1972-1997, hier: Bd. 1 (1972), S. XIII-XXVII

ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1989 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen: 1979]

ders.: Zeitschichten. Studien zur Historik, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2003 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen: 2000]

ders.: Begriffsgeschichten. Studien zur Semantik und Pragmatik der politischen und sozialen Sprache. Mit zwei Beiträgen von Ulrich Spree u. Willibald Steinmetz sowie einem Nachwort zu Einleitungsfragmenten Reinhart Kosellecks v. Carsten Dutt, Suhrkamp: Berlin 2010 (Taschenbuchausgabe) [ursprgl. erschienen: 2006]

Luhmann, Niklas: Funktionen und Folgen formaler Organisation, 3. Aufl., Duncker&Humblot: Berlin 1976 [ursprgl. erschienen: 1964]

ders.: Funktion der Religion, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1977

ders.: Soziale Systeme, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1984

ders.: Läßt unsere Gesellschaft Kommunikation mit Gott zu?, in: ders.: Soziologische Aufklärung 4: Beiträge zur funktionalen Differenzierung der Gesellschaft, Westdeutscher Verlag: Opladen 1986, S. 227-235

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